17. 05. 2012
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Ein Hauptseminar für Existenzgründer
"Das Saatkorn Entrepreneurship säenâ€, so lautet das Ziel von Prof. Dr. Claudia Loebbecke, Direktorin des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Medien und Technologiemanagement. Seit inzwischen zehn Jahren veranstaltet die Universitätsprofessorin Hauptseminare mit angeschlossener Hausmesse. Gefordert sind neben einem aussagekräftigen Messestand, auch eine entsprechend ansprechende Präsentation und ein professionelles Auftreten. Ein Jury lief an allen zehn Ständen vorbei und bewertete den Auftritt und damit das Ergebnis monatelanger Vorbereitungen. Loebbecke und ihr Team kommen damit einer Forderung nach, die seit Jahrzehnten und lange vor der aktuellen Diskussion um Bachelor- und Masterstudiengänge Wind in den traditionellen Lehrbetrieb einer Hochschule bringt. Und sie schafft etwas, was das Lernen in BWL besonders viel Spaß macht: Praxisbezug.
Eine dieser viel versprechenden Geschäftsideen ist das vierköpfige Team "Green Fit". Ihre Idee klingt so einfach wie einleuchtend. Warum sollten die vielen verbrauchten Wattzahlen, die die Kunden eines Fitnessstudios durch fleißiges Pedaletreten jeden Tag produzieren ungenutzt bleiben. Mit entsprechenden Apparaturen und einem Wechselrichter, der den aufgefangenen Gleichstrom in verwertbaren Wechselstrom umwandelt, können bis zu 50 Prozent des täglichen Strombedarfs gedeckt werden. "Und das ist erst der Anfang", wirbt der 23-jährige Antoni Agnada, Student im achten Semester. Im Viererteam sind die Rollen fest verteilt. Während Agnada sich um den Vertrieb kümmert, ist seine Kommilitonin Eva Koenen (26) für das Marketing und Dina Schiffbauer (24) für die Marktanalyse zuständig. Techniker im Team ist Dirk Schiffer, der neben dem Prototypen auch den Internetauftritt des "Gründerteams" gestaltet und programmiert hat. Der hat die Schwungscheibe des Fitness-Fahrrads kurzerhand mit einer handelsüblichen Lichtmaschine in einem Pkw verbunden, der nach Art eines Dynamos Gleichstrom produziert. "Mich wundert, dass noch keiner auf diese Idee gekommen ist", gibt sich Agnada bescheiden. So gaben alle vier Teammitglieder an, erst einmal das Studium beenden zu wollen. Nach Businessplan bräuchten die vier angehenden BWLer rund eine halbe Million Euro für die Einrichtung eines "grünen Fitnesssstudios". "Wenn jemand uns dieses Geld zur Verfügung stellt, würde ich es aber nicht kategorisch ablehnen", so Agnada weiter.
Auch wenn es für neun Teams nicht zum Siegertitel gereicht hat, Spaß hatten die Beteiligten allemal. Wer an BWL an einer "Massenuni" wie Köln denkt, redet zumeist über übervolle Hörsäle und nicht gerade ideale Studienbedingungen. Im Gegensatz zu manch anderer kleinerer Uni hat sich trotz Verbesserungen bei der personellen Ausstattung bislang nur wenig getan. Dass Hauptseminare wie dieses nicht nur Spaß machen sondern eine echte Feuerprobe für die berufliche Zukunft sein können, zeigen die Erfolgsstories. Und da gibt es bereits mehrere, wie Loebbecke bestätigte. So hatte auch ein gewisser Tim Schuhmacher im Jahr 2000 am Lehrstuhl der Universitätsprofessorin sein Diplom erworben. Und der ist heute bekanntlich Vorstandsvorsitzender der Sedo Holding AG, Deutschlands größtem Online-Vermarkter. Gewinner der Ausscheidung in diesem Hauptseminar war übrigens das Team "PenWalker" mit Florian Sauerwein, Philipp Schachten, Nevena Karastaneva und Ishak Celik. Ob daraus dann tatsächlich eine Existenzgründung oder gar ein florierendes Unternehmen wird, spielte an diesem Freitag eher eine untergeordnete Rolle. "Wir wollen den Studierenden eine Bühne geben", beschrieb Loebbecke die dahinter stehende Didaktik. Die Begeisterung der jungen Studierenden zeigt, dass dies der richtige Weg ist.

























