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17. 05. 2012
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FH Köln: Keine Sanierung bei laufendem Betrieb


15.06.2011 23:29 von:

Schlagwörter: Köln,IWZ,FH,Fachhochschule,2011,Juni,Köln-Deutz,Gutachten,Metzner,Küchler,Stando

Die Vokabel "stalemate” im Englischen bedeutet so viel wie "Stillstand, Patt-Situation, Hängepartie". Einen solchen Zustand verzeichnet seit inzwischen mindestens drei Jahren der Stand der Dinge in Sache Ingenieurwissenschaftliches Zentrum, kurz IWZ. Gemeint ist der 13-geschossige und im Grundriss sternenförmig angeordnete zentrale Hochschulbau in Köln-Deutz, einem von vier Standorten der größten Fachhochschule des Landes Nordrhein-Westfalen, dem zweiten Standort im Kölner Stadtgebiet. Mit dem heutigen Mittwoch könnte die Diskussion um die Zukunft des IWZ und die entscheidende Frage, ob Köln-Deutz Standort der FH bleibt oder der Standort "Domgärten" im linksrheinischen Köln sich durchsetzen kann, erneut Nahrung bekommen. Für die Leitung der FH allerdings steht eine Sache auf jeden Fall fest: "Wir schließen eine Sanierung bei laufendem Betrieb definitiv aus", erklärte FH-Präsident Prof. Joachim Metzner. Zusammen mit seinem Stellvertreter Prof. Rüdiger Küchler stellten sie heute Ergebnis und Methodik einer Untersuchung vor, die von der Landesregierung erneut angeordnet wurde.

Keine Einsparungen möglich – Kostenrahmen rund 300 Millionen Euro

So fand das Planungsbüro aus Düsseldorf heraus, dass der Kostenrahmen der drei zur Untersuchung anstehenden Sanierungsvarianten zwischen 257 und 315 Millionen Euro kosten wird. Die günstigste Variante ist dabei eine, die den derzeitigen Raumzuschnitt weitgehend erhält, wie die beiden Hochschulverantwortlichen ausführten. Das aber wolle man auf keinen Fall, schließlich müsse sich die Schule auch räumlich weiterentwickeln können. Die teurere Variante bezieht sich dagegen auf den Raumbedarf, der sich aus den heutigen Anforderungen an eine moderne Fachhochschule mit ingenieurwissenschaftlicher Ausrichtung ergibt. Ein dritter Vorschlag sieht eine Kompromisslösung zwischen den beiden Varianten vor, wie Vizepräsident Küchler erläuterte. Das für Metzner wichtigste Argument ist jedoch ein anderes. "Wir können es uns nicht leisten, die Qualität unserer Ausbildung zu riskieren", so der FH-Präsident angesichts des zu erwartenden Zeithorizonts von 15 bis 17 Jahren, bis das neue IWZ vollständig einsatzfähig wäre. Eines der von RKW identifizierten Risiken ist dabei schlicht der Tatsache geschuldet, dass technische Richtlinien bei Neubauten in immer schnelleren Abständen an die öffentliche Debatte angepasst werden. Das konkrete Risiko besteht nach Ansicht der Gutachter nun darin, dass diese veränderten Rahmenbedingungen aufwändige Überarbeitungen der bereits ausgearbeiteten Ausführungsplanungen nach sich ziehen. Das kostet Zeit und Geld, ohne dass die Übergangslösung einer Sanierung bei laufendem Betrieb überzeugen kann.

In jedem Fall wird eine Sanierung kaum günstiger werden als ein kompletter Neubau eines modernen FH-Gebäudes. Und das sich etwas tun muss, zeigt der Blick auf das Gebäude selbst. Die Fassade und der gesamte Gebäudeaufbau entsprechen nicht mehr dem derzeitigen Stand der Wärmedämmung. "Die Balkone sind regelrechte Kältebrücken", erläuterte Küchler nur eines von vielen Beispielen. Ein kompletter Neubau wurde bereits vor Monatsfrist auf rund 275 Millionen Euro reine Baukosten geschätzt. Die Lösungen an beiden Standorten bieten also kostenmäßig kaum Unterschiede. Für die Kölner Hochschulverantwortlichen war das absehbar. "Das Ergebnis war zu erwarten", erklärte Metzner und verwies dabei auf die "nicht stattgefundene Debatte" bei der morgendlichen Vorstellung des Gutachtens in Düsseldorf. Zwar schlossen die beiden Mitglieder des FH-Präsidiums eine Sanierung bei laufendem Betrieb aus. Das aber bedeutet keineswegs und automatisch das Ende des FH-Standorts Köln-Deutz.

Debatte wie 2008 – Stadt muss sich bewegen

Eine mögliche dritte Variante – der Neubau des IWZ in Köln-Deutz – ist als Option bereits 2008 offiziell zu Grabe getragen worden. Doch Metzner berichtete in der heutigen Pressekonferenz von "Signalen", dass sich in Sachen Grundstückstausch etwas bewegt habe. Dabei geht es um die beiden Grundstücke in direkter Nachbarschaft der FH. Dort befindet sich ein Betriebsgebäude der Kölner Berufsfeuerwehr sowie eine Niederlassung der stadtnahen Abfallwirtschaftsbetriebe AWB. Bislang wurde eine Standortverlagerung von der Stadt ausgeschlossen. Doch nun scheint sich in der Politik ein Umdenken anzubahnen, nach Meinung Metzners aus Düsseldorf initiiert, "nachdem man mit den Kölner Parteifreunden gesprochen hatte". Sollte es zu diesem Grundstückstausch tatsächlich kommen, wäre die Alternative – Neubau IWZ in Deutz - wieder denkbar. Favorit der Hochschulleitung bleibt indes die Verlagerung an den linksrheinischen Standort. Auf dem Areal einer ehemaligen Kölsch-Brauerei ("Domgärten") könnte ein Neubau entstehen. Die Bauzeit wäre mit geschätzten zehn Jahren deutlich kürzer und voraussichtlich nicht viel teurer. Neben dem besseren Übergangsmanagement befürworten die Verantwortlichen diese Variante vor allem aus Gründen der Nähe zum FH-Campus in der Kölner Südstadt.

Schnelle Entscheidung erhofft

Aus den Reihen der Geschäftsleute an der Kalker Hauptstraße war in der Vergangenheit immer wieder zu hören, dass ein Wegzug des IWZ für den Stadtteil Kalk, aber auch für die Wohnstraßen in Humboldt-Gremberg, eine spürbare Abwertung nach sich ziehen könnte. Sie forderten schon seit Jahren ein Bekenntnis zum FH-Standort in Deutz. Doch die Stadt Köln, die zumindest auf das Gebäude der Berufsfeuerwehr einen direkten Zugriff hat (bei der AWB wird das schon schwieriger), hatte sich bisher nach Aussage Metzners dazu nicht geäußert. Eine Debatte am Tag zuvor und auf Einladung der SPD habe dem FH-Präsidenten jedoch eines deutlich gemacht. "Die Politiker wussten Bescheid". Metzner nimmt das als Signal, dass der Neubau des IWZ in Deutz möglicherweise doch nicht ganz ausgeschlossen wird. Weil auch das linksrheinische Baufeld noch nicht das notwendige Baurecht aufweist, könnte mit einem zügigen Flächentausch tatsächlich ein Zeitfenster geöffnet werden. Doch allzu lange dürfen sich die Verantwortlichen damit nicht Zeit lassen. Im Jahr 2015 läuft das Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes aus. Weil der Planungsprozess bei einem Bauvorhaben dieser Größe mindestens zwei Jahre dauert, ehe der erste Bagger anrollt, hofft Metzner nun auf eine schnelle Entscheidung, am besten "vor der Sommerpause". Die vergangenen drei Jahre bringt der FH-Präsident so auf den Punkt. "Der eine (Land) hat auf den anderen (Stadt) gewartet." Ein weiteres Jahr dürfe man nicht warten, ergänzte Küchler. Sonst ginge der "stalemate" in eine weitere Runde.


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