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17. 05. 2012
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Köln: Drei nicht identifizierte Leichen lösen öffentliche Debatte aus


16.02.2012 15:30 von:(rk)

Schlagwörter: Anatomie,Leichen,Chaos,Staatsanwaltschaft,Uniklinik,Pressekonferenz

v.l.n.r: Uni-Pressesprecher Dr. Partrick Honecker, Dekan Prof. Thomas Krieg und der Chef der Kölner Pathologie Prof. Markus Rothschild stellten sich den Fragen der Journalisten. Bild: Köln Nachrichten

Nachdem das Nachrichtenmagazin „Spiegel Online“ in dieser Woche über die Zustände am Anatomischen Institut der Kölner Universitätsklinik berichtete und damit am gestrigen Mittwoch für eine rege Berichterstattung sorgte, haben die Verantwortlichen am heutigen Donnerstag Rede und Antwort gestanden. Auf der heutigen Pressekonferenz stellten sich der Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität, Prof. Dr. Thomas Krieg sowie der Direktor des Instituts für Pathologie, Prof. Dr. Markus Rothschild eine knappe Stunde den Fragen der Journalisten. Dabei mussten die beiden Mediziner vor allem eines leisten: Aufklärungsarbeit.

Dunkle Seite der Medizinerausbildung

Auslöser des medialen Hypes um die chaotischen Zustände war die Tatsache, dass die Identität von drei Leichen im Bestand des Instituts nicht feststeht. Fünf bis sechs Mitarbeiter sind hier mit der Verwaltung und Koordinierung der toten Körper beschäftigt. Weil der ehemalige Institutsleiter und ein weiterer Mitarbeiter krankheitsbedingt über einen längeren Zeitraum ausfiel, ging im Institut einiges durcheinander. Auch nicht gerade angenehm war den Verantwortlichen, dass im Institut einige Leichen offenbar ein bis zwei Monate unbeaufsichtigt und unbeachtet Schimmel ansetzten. Nicht unüblich ist hingegen die große Zahl an Toten am Uni-Instituts. Auch derzeit sind es knapp 100, wie Krieg ausführte. 27 sind derzeit bereits anatomisch bearbeitet und sollen demnächst entsprechend ihrem Wunsch beerdigt werden. 61 Leichen lagern tiefgekühlt in den Katakomben des Instituts, damit sie Forschungs- und Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt werden können. Weitere neun befinden sich derzeit als Objekte in den so genannten Präparationskursen, wie Krieg erläuterte.

Prüfung dauert an – Konsequenzen bereits im vergangenen Jahr

Tatsächlich hat die Hochschulleitung bereits reagiert. So hat ein Kölner Medizinprofessor bereits die Leitung des Instituts und damit auch die des diesjährigen Anatomiekurse mit rund 50 Studierenden übernommen. Traditionell veranstaltet das Institut zum Ende des Wintersemesters eine kleine Gedenkfeier, an der die Univerantwortlichen mit den Angehörigen und Hinterbliebenen gemeinsam der Verstorbenen gedenken. Rückmeldungen der letzten Veranstaltung zeigten den Verantwortlichen, dass vonseiten der Angehörigen der pietätvolle Umgang mit den Toten ausdrücklich bestätigt wurde. Auch vonseiten der Staatsanwaltschaft gebe es nach Auskunft von Krieg Hinweise, dass die Strafverfolgungsbehörde keine Anzeichen für eine Störung der Totenruhe vorliegen, die Ermittlungen dazu sind allerdings noch nicht abgeschlossen.

Zuordnungsproblem – Recherche nach Aktenlage

Das Universitätsinstitut auf dem Campus der Uniklinik steht seit dieser Woche unter verschärfter, öffentlicher Beobachtung. Bild: Köln Nachrichten

„Das Problem ist in erster Linie ein Zuordnungsproblem“, erklärte der Pressesprecher der Universität, Dr. Patrick Honecker. Die Kunststoff- und Metallplaketten, mit denen die Toten eindeutig markiert sind und so den Unterlagen zugeordnet werden können, sind jedoch nicht allen Fällen geklärt. Nachdem die Verantwortlichen drei Leichen nicht identifizieren konnten, schalteten sie die Staatsanwaltschaft ein. Nun versuchen die Verantwortlichen, die vorhandenen Papiere (Totenschein, persönliche Dokumente der Toten) den bereits sezierten und anatomisch bearbeiteten Körpern zuzordnen. Erst wenn die Papiere sich nicht zuordnen lassen, kommt das Kölner Institut für Pathologie ins Spiel, wie Rothschild ausführte. Das geschähe dann über forensische Untersuchungen, die allerdings recht aufwändig sind.

Lehren aus dem Vorfall

Als Reaktion erläuterte Krieg, dass man aus diesem Vorfall lernen wolle. So sollen die Abläufe in der Anatomie in den kommenden Woche überprüft und optimiert werden. Dazu könnte beispielsweise auch gehören, dass die tiefgefrorenen Leichen in den Asservaten des Instituts regelmäßiger als bisher üblich kontrolliert werden. Derzeit sind Mitarbeiter auch anderer Institute und Bereiche des Anatomischen Institut dabei, die Akten und Papiere neu zu sortieren und sich so einen endgültigen Überblick über das zu verschaffen, was seit zwei Jahren liegengeblieben war. Da die Universität für die Ausbildung angehender Mediziner auf Leichen angewiesen sind, hoffen die Verantwortlichen, dass der Vorfall nicht dazu führt, dass zukünftig weniger Menschen ihren Körper nach ihrem Ableben der Wissenschaft zur Verfügung stellt. Auf der Internetseite des Instituts verpflichtet sich die Hochschule, pietätvoll mit den sterblichen Überresten umzugehen. Diesem Anspruch fühle man sich weiter verpflichtet. In den vergangenen zwei Jahren war das aber nach derzeitigem Kenntnisstand nicht durchgehend der Fall. Die Leitung des Dekanats will nun die weitere Prüfung abwarten. Über mögliche disziplinarrechtliche oder gar zivilrechtliche Konsequenzen gegen die vormaligen Verantwortlichen machte man am heutigen Donnerstag keine Angaben.







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