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17. 05. 2012
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Kölner Uniklinik eröffnet neues Studierendenhaus


17.06.2010 11:48 von:

Schlagwörter: Köln,Uniklinik,2010,Studierendenhaus,Übungsräume,Vorstand,Arztausbildung,Kritik

Die Joseph-Stelzmann-Straße ist derzeit eine Sackgasse für den Autoverkehr. Der Grund sind umfangreiche Baumaßnahmen auf dem Campus der Uniklinik. Einer der Neubauten ist inzwischen fertig gestellt und wurde am heutigen Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Bereits seit einigen Wochen haben Studierende und der Vorstand der Landesklinik das 3400 Quadratmeter Nutzfläche umfassende Gebäude bezogen. Mit dem Neubau wird ein lange gefordertes Anliegen der Studierenden in die Tat – oder besser – in ein Gebäude umgesetzt. Mit einer grün-getafelten Fassade vermittelt das Gebäude zudem einen modernen Eindruck. Eine Cafeteria im Erdgeschoss sowie zwei Etagen Seminar- und Übungsräume sollen vor allem die klinische Ausbildung der zukünftigen Mediziner an einer der größten Landeskliniken in Deutschland verbessern helfen, wie die Verantwortlichen bei der heutigen Pressekonferenz erklärten. Insgesamt sieben Millionen Euro wurden in das neue Gebäude investiert. Rund 40 Prozent, entsprechend des Anteils der den Studierenden zugute kommenden Nutzflächen (1200 Quadratmeter), werden dabei über Studiengebühren finanziert. Den Rest finanziert die Hochschule aus Mitteln des Landes. Die 100-prozentige Tochter der Uniklinik hat dabei nicht nur die Planung und die Bauabwicklung übernommen, sie wird das Gebäude auch weiterhin betreiben.

Für den Rektor der Kölner Hochschule, Prof. Axel Freimuth, ist die Bautätigkeit auf dem Uni-Gelände zugleich auch Grund zur Hoffnung, dass sich die Ausbildungsbedingungen der angehenden Akademiker zukünftig weiter verbessern werden. Gleich mehrere Baustellen machen die Joseph-Stelzmann-Straße derzeit zu einer Großbaustelle und zur Sackgasse für den Autoverkehr. Schräg gegenüber befindet sich die Baugrube für das neue CECAD-Gebäude, gleich daneben entsteht ein Neubau für ein neues Max-Planck-Institut. Mit dem Studierendenhaus habe man einen Teil der Studiengebühren sinnvoll eingesetzt; "ein Vorzeigeprojekt", wie Freimuth findet. "Das Gebäude ist ein sichtbares Zeichen für 2002 angestoßenen Reformprozesses in der Ärzteausbildung", erläuterte der Dekan der medizinischen Fakultät, Prof. Joachim Klosterkötter. Damals wurde die Approbationsordnung in der Ausbildung der Ärzte verändert und ein Reformprozess in die Wege geleitet, der für mehr Handlungsorientierung sorgen soll. Tatsächlich wurden bereits erste Schritte umgesetzt. Was bislang fehlte, waren die entsprechenden räumlichen Voraussetzungen. So mussten die angehenden Mediziner vor der Fertigstellung in so genannten "Seecontainern" untergebracht werden. Dabei wurde bereits im Wintersemester 2003/2004 ein neuer Studiengang eingeführt. Der Übergang wird allerdings zwölf Jahre dauern, so lange wie die Ausbildung zum Arztberuf, wie Klosterkötter weiter erläutete. "Wir haben mit diesem Haus einen strategischen Vorteil. Wir brauchen an unserer Landesklinik aber auch die besten Ärzte", ergänzte der ärztliche Direktor der Klinik, Prof. Edgar Schömig. Dass er selbst nun im gleichen Haus wie die Studierenden sein Domizil bezogen hat, sieht er nicht als Nachteil. "Studierende und Klinikvorstand rücken näher aneinander", beschrieb Schömig diese Standortentscheidung.

Wichtig bei der Umsetzung waren vor allem neue Räumlichkeiten im so genannten "skills lab". In den Übungsräumen werden die angehenden Mediziner in einer krankenhausähnlichen Umgebung vorbereitet. Bei der Planung legten die Verantwortlichen großen Wert darauf, die gesamte "Rettungskette" von der Anlieferung der Patienten mit dem Krankenwagen über den "Schockraum" bis zum lebensechten OP mit allen dazu notwendigen Geräten. Sogar eine 30.000 Euro teure Patientenpuppe sowie andere lebensechte Modelle sollen den Studierenden einen möglichst realistischen Eindruck dessen vermitteln, was in ihrem Berufsleben später auf sie zukommt. "Im vergangenen Winter haben wir uns um die Heizung gedrängt, weil es so kalt war", beschrieb Diane Nguyen, Medizinstudentin im dritten Semester, die Ausgangslage. Schon in der so genannten vorklinischen Ausbildung (bis zum vierten Semester) müssen die Studierenden bereits an Puppen üben. Für Mediziner, die kurz vor dem Praktischen Jahr (PJ) stehen, wird der Praxisanteil erhöht. So wird beispielsweise die Notfallsimulation ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung und auch dies lässt sich im neuen Gebäude wesentlich besser durchführen als in den bisherigen Räumlichkeiten, wie Nina Hindrichs, Studentin im zehnten Semester, erklärte. Schließlich wird sich mit dem Neubau und den vier vorhandenen Seminarräumen auch diese Situation verbessern. "Früher waren die Seminarräume weit verteilt, ständig musste wir die Räume suchen", so Nguyen. Und auch beim Erlernen der richtigen Patientenansprache gibt es nun im ersten Obergeschoss verschiedene Räumlichkeiten, wo die angehenden Ärzte unter anderem Visiten nachstellen und dabei die richtige Patientenansprache üben können. Spanische Wände, trennende Glasscheiben mit Mikrofonanlage, verbinden die Beobachter mit den Prüflingen in den Patientenzimmern. Über eine Lautsprecheranlage hören die Studierenden dann, was ihre Kommilitonen von sich geben. Und damit das Ganze möglichst echt wirkt, sprechen die zukünftigen Ärzte auch nicht mit Puppen oder Dummies, sondern mit echten Menschen, die als Schauspieler in normalen Krankenhausbetten liegen.

Bei soviel Vorschusslorbeeren gingen die nach wie vor bestehenden Mängel in der Medizinausbildung fast ein bisschen unter. So war es dem Vertreter der Studierenden bei der heutigen Pressekonferenz vorbehalten, auch Kritik am bestehenden System zu üben. Nach wie vor fehlen den Medizinstudenten freie Lernräume. Auch das Thema Lehre scheint seinen Ausführungen zufolge noch nicht in allen Dozentenköpfen angekommen zu sein. Dass der Neubau teilweise aus Studienbeiträgen finanziert werden musste, zeigt nach Meinung von Simon Oeckenpohler zudem die "Unterfinanzierung der Hochschulen". Grundsätzlich aber war die Investition in ein neues Haus eine gute Sache, "ein Zeichen für die klinische Ausbildung". Wenn nun noch die Entgeldbedingungen der Ärzte im Praktischen Jahr an der Kölner Uniklinik verbessert würden, könnten die in Köln ausgebildeten Mediziner möglicherweise noch effizienter an den Standort Köln gebunden werden. "Das sollte man nicht aus den Augen verlieren", mahnte Oeckenpohler. Als er dies sagte, rollten die kritischen Studierenden der Medizinischen Fakultät im Hintergrund gerade ein Transparent ab, das die Abschaffung der Studiengebühren forderte.







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