17. 05. 2012
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Kölner Universität erhält 500.000 Euro für Forschungsprojekt
Im November 2006 erhielt die Öffentlichkeit Einblick in die Grausamkeiten, die sich bisweilen in den Jugendstrafanstalten auch in Nordrhein-Westfalen ereignen. Nicht weit entfernt, sondern quasi vor der eigenen Haustür, in der Jugendstrafanstalt Siegburg, wurde damals ein 20-jähriger Gefangener von drei Mitgefangenen grausam umgebracht. Das Ereignis erregte bundesweite Aufmerksamkeit, nicht zuletzt dank der tagesaktuellen Berichterstattung. Schnell geriet auch die damalige und bis heute amtierende nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter unter Druck. Doch die dahinterstehenden Beweggründe und näheren Umstände blieben der Öffentlichkeit in den tagesaktuellen Artikel und Fernsehbeiträgen weitgehend verborgen. Gewalt in den verschiedenen Facetten geschieht auch in Gefängnissen, allen Sozialisierungsversuchen zum Trotz. Doch nicht nur körperliche Gewalt bestimmt das Leben vieler Gefangener, auch sexuelle und psychische Gewalt in Form von Drohungen und Demütigungen gehören in vielen Gefängnissen zum traurigen und tragischen Alltag vieler Insassen. Nicht jede dieser Grausamkeiten wird von den Vollzugsbeamten erkannt, es herrscht ein eiserner Codex der Verschwiegenheit, der die Aufklärung zusätzliche Schwierigkeiten bereitet.
Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) will das Kölner Institut für Kriminologie nun genau diese Hintergründe, die auch zur Tat in Siegburg geführt haben, wissenschaftlich untersuchen und dabei Ursachen und Folgen beleuchten. Dafür erhält das Kölner Institut insgesamt 500.000 Euro für die Forschung von der DFG, wie die Universität in der vergangenen Woche bekannt gab. "Gewalt wird versteckt ausgeübt und vor den Bediensteten eines Gefängnisses verschleiert", erklärte Prof. Frank Neubacher, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität zu Köln und Leiter des neuen Projekts. "Selbst ein Gefangener, der der Gewalt abgeneigt ist, muss damit rechnen, von anderen Mitgefangenen darauf getestet zu werden, wie weit man bei ihm gehen kann", weiß der Kriminologe. In NRW befinden sich derzeit rund 1500 junge Straftäter in den JVAs des Landes. Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre beschränkt und soll den Entstehungsprozess von Gewaltexzessen in den Anstalten nachzeichnen. Der Kölner Forscher geht davon aus, dass der Anpassungsdruck in Gefängnissen eine der möglichen Ursachen sein könnte. Allerdings gebe es dafür keine Generalformel, vielmehr sind die Strategien der Inhaftierten im Umgang damit unterschiedlich wie die Menschen selbst, so die These Neubachers.
In dem Forschungsprojekt wollen Neubacher und sein Team nun die inhaftierten Probanden via Fragebogen viermal in einem Abstand von jeweils drei Monaten befragen. Die Insassen stammen aus Landesstrafanstalten in Nordrhein-Westfalen und Thüringen. Am Projekt beteiligt sind neben dem Kriminologen Neubacher auch die Diplom-Psychologin Jenny Oelsner. Außerdem sind Prof. Andreas Beermann vom Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und der Leiter des Kriminologischen Dienstes in Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Wirth, als Projektpartner beteiligt, teilte die Kölner Uni abschließend mit.

























