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17. 05. 2012
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Neuer Teilchenbeschleuniger für die Kölner Universität


18.05.2010 22:31 von:

Schlagwörter: Köln,Teilchenbeschleuniger,Massen-Spektrometer,Altersbestimmung,Anlieferung,Last

Zwei riesige Lastkräne standen am heutigen Dienstag seit den frühen Morgenstunden auf der Uniwiese vor dem Institut für Kernphysik der Universität zu Köln. Dort, wo bereits seit Wochen Bauarbeiten stattfinden und Absperrungen stehen, wurde am frühen Mittag ein neuer Teilchenbeschleuniger an seinen unterirdischen Standorten verlegt. Das tonnenschwere Spezialgerät musste exakt durch die enge Öffnung bugsiert werden, um seinen Bestimmungsort unter der Erde zu erreichen. Dort befindet sich ein abgeschirmter Raum, der den gängigen Bestimmungen zum Schutz vor Strahlen entsprechen muss und genau an dieser Stelle soll das Institut für Kernphysik gemeinsam mit den Geowissenschaftlern der benachbarten Institute ab Anfang kommenden Jahres komplizierte Altersbestimmungen vornehmen. Der neue Teilchenbeschleuniger kostet samt Einbau und Transport rund 5,5 Millionen Euro und soll die beteiligten Institute in den Stand versetzen, auf dem aktuellen Stand der Messtechnik geologische Gesteinsproben, aber auch andere Gegenstände auf ihr Alter zu untersuchen. Das Besondere an der Anlage: Das Gerät kann nicht nur die weit verbreitete C14-Methode zur Altersbestimmung anwenden, sondern auch andere radioaktive Isotope wie beispielsweise das "leichtere" Beryllium-10 messen. Das 18 Tonnen schwere Bauteil – ein so genannter Beschleunigertank – misst immerhin stolze zehn Meter und wird gemeinsam mit den bereits angelieferten und installierten Komponenten das Herzstück den "Accelerator Mass Spectrometry"-Bereiches, oder auch "CologneAMS" genannt.

Die Verantwortlichen des Instituts für Kernphysik ließen sich in ihrer Freude auch nicht von der mehrstündigen Verspätung abbringen. Lange hatten sie auf dieses neue Gerät gewartet. Bereits seit 42 Jahren forschen die Wissenschaftler an dem Institut mit dem in die Jahre gekommenen Vorgängergerät, nun bricht nach Meinung der Forscher am Institut ein neues Zeitalter an. "Wir können mit diesem Gerät und den verschiedenen Messmethoden unterschiedlichste Analysen und Altersbestimmungen vornehmen", erläuterte Prof. Martin Melles vom Institut für Kernphysik der Kölner Hochschule. Institutsleiter Prof. Jan Jolie hat dabei vor allem die Geowissenschaften, aber auch Forschungsvorhaben aus dem Bereich der Astrophysik im Auge. Zunächst. "Im Juli dieses Jahres werden wir ein erstes Vakuum erzeugen, der reguläre Betrieb soll Anfang 2011 starten", beschrieb Jolie die weiteren Meilensteine. Das Vorgängermodell soll jedoch weiterhin in den unterirdischen Räumen des Instituts verbleiben und dort eingesetzt werden, bekräftigten die Institutsverantwortlichen. "Dieses Gerät ist in dieser Größenordnung das einzige in ganz Deutschland", betonte Melles die Bedeutung der Neuanschaffung für die deutsche und internationale Forschergemeinde. Bislang mussten deutsche Forscher zur genauen Bestimmung von Gesteinsproben oder Eisbohrkernen entsprechende Geräte im Ausland mit der Messung beauftragen, so zum Beispiel in Zürich, Wien, Edinburgh oder Aix-en_Provence. Ab 2011 wird der Forschungsstandort Köln diese Lücke schließen, so die Kölner Wissenschaftler.

Bis das notwendige Team für den Betrieb des neuen Gerätes steht, werden ebenfalls noch einige Monate ins Land gehen. Insgesamt sollen in Köln zukünftig zwischen 15 und 20 Wissenschaftler mit dem "Beschleuniger-Massenspektrometer" am "Cologne AMS" arbeiten, darunter auch so renommierte Exoerten wie Prof. Tibor Dunai von der Universität Edinburgh. Der soll Anfang Juli am Kölner Institut seine Tätigkeit aufnehmen. Die Anschubfinanzierung für das Personal wird dabei aus dem Etat der Universität in einer Anschubfinanzierung für drei Jahre sichergestellt, danach muss sich das Team um Institutsleiter Jolie und seine Spezialisten selbst finanzieren. "Wir sind Dienstleister für die Forscher, die bei uns Altersbestimmungen in Auftrag geben", beschrieb sein Wissenschaftskollege Melles das Finanzierungsmodell. Ebenfalls neu am Institut ist Prof. Janet Rethemeyer, die zuvor in Kiel ihren geowissenschaftlichen Forschungen nachging. Für die Universität macht die Anschaffung, die mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wurde, mehr als Sinn. Nicht zuletzt wegen der bereits vorhandenen Infrastruktur (Strahlenschutz) sowie der räumlichen Nähe der drei beteiligten Institute – neben dem Institut für Kernphysik auch die Physiker und Geowissenschaftler – habe man den Zuschlag erhalten. Aber bevor die Montage unter Tage erfolgen konnte, mussten die Spezialisten einer Kölner Kranfirma Fingerspitzengefühl beweisen. Das tonnenschwere Spezialgerät muss durch eine enge Öffnung an seinen Bestimmungsort gehoben werden. "Wir haben auf jeder Seite nur fünf Zentimeter Luft", erläuterte Institutsleiter Jolie die Herausforderung. Am frühen Mittag meisterten die Transport-Spezialisten dies mit Bravour.

Weitere Informationen zur Arbeit des CologneAMS finden Sie auch im Internet unter: www.cologne-ams.de.







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