17. 05. 2012
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NRW: Justizminister führt neues Modell in der Juristenausbildung ein
Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat am heutigen Dienstag im sauerländischen Arnsberg ein neues Modell in der Juristenausbildung eingeführt. Nach Angaben des zuständigen Justizministers Thomas Kutschaty ist das nun offiziell vorgestellte Modell einer "praktischen Studienzeit" bundesweit einmalig. Über einen Zeitraum von sechs Wochen sollen die angehenden Rechtsexperten ihren Lehrbetrieb an das dortige Landgericht verlegen. Die ersten 90 Studierenden wurden am heutigen Dienstag von Kutschaty in den Räumen des Amtsgerichts begrüßt. Der Justizminister erklärte das Zustandekommen dieser Kooperation zwischen Justizbehörde und Hochschule mit dem Bildungsauftrag der Justiz. Das in Arnsberg eingeführte Modell könnte so zum Vorbild auch für andere Gerichtsbezirke werden, hofft der SPD-Politiker.
Rund 90 Studentinnen und Studenten schnuppern in den kommenden sechs Wochen Praxisluft und können gleichzeitig an Lehrveranstaltungen der Ruhr-Universität Bochum teilnehmen. Die werden im Landgericht Arnsberg stattfinden. "Diese Verzahnung von universitärem Betrieb und praxisnaher Ausbildung gibt es so bundesweit nur in Arnsberg", erklärte der Minister. Auch das Landgericht und die Staatsanwaltschaft in Detmold strebten eine solch enge Kooperation an. Dieses Engagement, das deutlich über die Kernaufgaben der Justiz hinausgehe, erfülle in idealer Weise den Bildungsauftrag der Justiz, betonte der Minister. Dem komme man in Arnsberg auch für andere Altersgruppen nach. So organisiert das Landgericht in Arnsberg für die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen Rechtskundearbeitsgemeinschaften an Schulen und lädt Realschulklassen ein, an Gerichtsverhandlungen teilzunehmen. Für die Gruppe der 17- bis 19-Jährigen sind Schülerpraktika im Angebot. Jura-Studenten werden durch ihre praktische Studienzeit begleitet und später ausgebildet, wenn sie als Referendare wiederkommen.
Darüber hinaus sollen auch andere Akteure in diesen Prozess eingebunden werden. In Kooperation mit örtlichen und regionalen Medien werden informative Diskussionsveranstaltungen im Gericht veranstaltet. Eine ehrenamtliche Opferschutzbeauftragte ist installiert, ein deutsch-türkischer Rechtswissenschaftsverein befindet sich in der Gründungsphase, führte das Justizministerium weiter aus. "Bildung ist in unserer immer komplexeren Gesellschaft elementar notwendig. Ich begrüße es daher, wenn die Justiz in Nordrhein-Westfalen über ihre Kernaufgabe hinaus ihren Bildungsauftrag erkennt, annimmt und ausfüllt", so Kutschaty abschließend. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Kritik von Studierenden an der Praxisferne der rechtswissenschaftlichen Ausbildung gegeben. Die Debatte gewann durch die geforderte Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge an zusätzlicher Dynamik.

























