21. 05. 2012
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Denkschrift zur Schulentwicklung überreicht
Die Stiftung "Berufliche Bildung Köln" hat am heutigen Donnerstag im Spanischen Bau des Rathauses im Rahmen einer Pressekonferenz eine Denkschrift an Oberbürgermeister Jürgen Roters überreicht. Die 17 Bildungseinrichtungen mit dem Schwerpunkt "berufliche Bildung" haben sich dabei im Rahmen ihrer Zuarbeit zum kürzlich beschlossenen Schulentwicklungsplan (SEP) auch intern abgestimmt und neben der Bestandsaufnahme von Raum- und Ausstattungsanforderungen gleich eine begründete Prioritätenliste vorgelegt. Das nötigte vor allem Ulrike Heuer höchsten Respekt ab. "ich kann mir ein solches Vorgehen bei den anderen Schulformen kaum vorstellen", so die seit Anfang des Jahres amtierende neue Leiterin des Schulverwaltungsamtes der Stadt Köln. Dabei sind gerade Berufskollegs durch die Fülle ihrer verschiedenen Bildungsangebote und Unterrichtsformate auf geeignete Räumlichkeiten angewiesen. Und hier sind 13 der 17 untersuchten Schulen bisweilen massiv unterversorgt. Alles in allem fehlen den 17 Berufskollegs rund 120 Unterrichtsräume oder zwei komplett neue Schulgebäude. Die Fehlbedarfe liegen bei bis zu mehr als 25 Prozent in der Spitze, wie Lothar Scheffel und Bernd Schäfer, beide Leiter eines Kölner Berufskollegs, in ihrer heutigen Präsentation ausführten. Nach dem Willen der Berufskolleg-Schulleiter lediglich bei acht Schulen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Gründe für das Vorziehen anderer Schulen mit geringerem Raummangel liegen vor allem in der in die Jahre gekommenen Bausubstanz oder der Geschichte der entsprechenden Bildungseinrichtung.
"Wir benötigen weiteres Zahlenmaterial. Angesichts des demografischen Wandels kommt den Berufskollegs eine hohe Verantwortung zu, um die Wettbewerbsfähigkeit auch des Standorts Köln zu erhalten und auszubauen", bekräftigte Roters. Dabei sind knapp drei Viertel aller Schülerinnen und Schüler an den BKs Berufsschüler, also Auszubildende mit Arbeitsvertrag. Darüber hinaus bieten die BKs aber noch weiter Bausteine einer Bildungskette an, die die herkömmlichen allgemeinbildenden Schulen des derzeit noch dreigliedrigen Schulsystems so nicht anbieten können. Vom Vorbereitungskurs für noch nicht ausbildungsfähige Jugendliche über Schulangebote zur Fachoberschulreife oder der allgemeinen Hochschulreife bis hin zur beruflichen Weiterbildung in so genannten Fachschulen. Das Spektrum ist breit, dank der Spezialisierung besitzen viele Kölner Berufskollegs einen Einzugsbereich, der weit über die Stadtgrenzen hinaus. Und feste Präsenzzeiten, wie an Grund- oder Realschule, gibt es am Berufskolleg nicht, wie die beiden Schulleiter weiter erläuterten.
Bei ihrer Analyse der Raumbedarfe gingen die Initiatoren der Stiftung nach der gleichen Methodik vor wie bei der letzten Bedarfsanalyse für Berufskollegs aus dem Jahr 1997. Dazu zählt etwa eine angenommene durchschnittliche Klassengröße von 22 Schülerinnen und Schülern und ein entsprechender Raumbedarfskoeffizient. Den größten Mangel haben die Autoren der Analyse ausgerechnet am Berufskolleg Ehrenfeld ausgemacht. Die Schule gehört mit derzeit etwas mehr als 3500 Schülern zu den großen Einrichtungen dieser Schulform. Bei dem Kennwert für die räumliche Unterversorgung der Schule, der so genannten "Unterrichtsraum-Bilanz", weist das BK Ehrenfeld mit weit über 25 Prozent einen Spitzenwert aus. Alleine hier fehlen fast 30 Unterrichtsräume. Bei den eigenen Sportmöglichkeiten liegen die Berufskollegs sogar bei einer Unterversorgung von etwas mehr als 60 Prozent. Neben den Räumlichkeiten spielt aber auch die Ausstattung der Klassenräume eine wesentliche Rolle. Einige Schulen verfügen zwar bereits über bis zu 500 Rechner, aber ein professionelles Wartungskonzept fehle bislang.
Wunschliste mit Bedarf an kreativen Lösungen
Bei der Behebung der fehlenden räumlichen Kapazitäten geht es den Beteiligten gar nicht alleine ums Geld. Einen konkreten Betrag, was diese Wunschliste kosten soll, hatten die Autoren der Studie nicht ermittelt. "Das ist Sache der Baufachleute und Planer", so Stiftungssprecher Scheffel. Es muss auch nicht zwangsläufig der moderne Neubau sein, was angesichts der Ballung von Berufskollegs im Stadtbezirk Innenstadt (inklusive Deutz) alleine schon wegen des Mangels an geeigneten Grundstücken schwer umsetzbar ist. "Uns fehlt einfach der Platz für Schule", bestätigte Amtsleiterin Heuer. Auch über Außenstellen, Umwidmungen oder gemeinsame Nutzungen ließe sich reden und so gaben sich beide Schulleiter konziliant. "Unser vorrangiges Ziel ist es, miteinander zu reden und die Schulform gemeinsam weiterzuentwickeln", so der Ansatz der Autoren. Allzu große Sprünge kann sich die Stadt eh nicht leisten, wie Stadtoberhaupt Roters klarstellte. "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren rund eine Milliarde in die Sanierung und den Ausbau unserer Schulgebäude investiert. Die Schulbaupauschale trägt das nicht mit", so der kritische Hinweis an die zuständige Landesregierung. Angesichts der immer wieder kehrenden Diskussionen um eine stärkere Förderung der Bildung im ländlichen Raum sieht Roters hier ein entscheidendes Argument, diese Denkweise zu durchbrechen. "Wir haben gerade bei der beruflichen Bildung eine Zentrenfunktion. Das muss sich auch bei den Zuweisungen von Finanzmitteln des Landes niederschlagen", forderte der Chef der Kölner Stadtverwaltung abschließend.
Die Stiftung wurde im Jahr 2009 gegründet und ist ein Zusammenschluss aller 17 in städtischer Trägerschaft befindlicher Berufskollegs mit Zustiftungen der vier Kammern IHK, HWK, Notar- und Rechtsanwaltskammer. Ziel ist es, mit eigenen Veranstaltungen den Bekanntheitsgrad der Berufskollegs und ihrer Bildungsangebote zu erhöhen und eigene, inhaltliche Impulse für die Schulentwicklungsplanung der Stadt Köln zuzuliefern. Über die Höhe des Stiftungskapitals machten die Verantwortlichen zwar keine Angaben, die Zinserlöse liegen jedoch derzeit noch im dreistelligen Eurobereich. Der Schulentwicklungsplan der Stadt Köln wurde auf der März-Sitzung des Kölner Stadtrats beschlossen. Die Schulentwicklungsplanung für die Berufsschulen soll als Teilbereich in die Gesamtplanung der schulischen Bedürfnisse Kölns einfließen. Die Zahlen basieren auf den amtlichen Schulstatistiken des Schuljahres 2009/2010 sowie den Befragungen der 17 Kölner Berufskollegs, wie die Autoren abschließend ausführten.

























