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21. 05. 2012
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Elternbefragung zeigt Bedarf für drei Gemeinschaftsschulen


03.12.2010 16:08 von:

Schlagwörter: Köln,Elternbefragung,2010,Dezember,Gemeinschaftsschule,Hauptschule,Schulentwickl

In Köln werden möglicherweise schon im kommenden Schuljahr zum 1. August 2011 drei ehemalige Hauptschulen in Gemeinschaftsschulen umgewandelt. Die Stadt Köln nutzt dabei ein Konstrukt, dass auch bereits von der Vorgängerregierung in Düsseldorf angewandt wurde und was ursprünglich vor allem für den ländlichen Raum gedacht war. Weil hier die erwarteten Schülerzahlen in den kommenden Jahren wahrscheinlich weiter abnehmen werden, diskutieren Experten bereits seit längerer Zeit die Zusammenlegung verschiedener Schulformen zu "Schulzentren". Mit dem neuen Konzept der Gemeinschaftsschulen drückte die Minderheitskoalition von SPD und Grünen im Düsseldorfer Landtag der Debatte ihren Stempel auf. Doch das Konzept eignet sich auch für Städte, wie Kölns Schuldezernentin Dr. Agnes Klein beim heutigen Pressegespräch deutlich machte. "Das entspricht dem, was wir bereits im vergangenen Jahr bei der Elternumfrage herausgefunden haben. Die Eltern wollen ein längeres gemeinsamen Lernen", so die Beigeordnete weiter. Unter den drei Schulen, die in dieser ersten Antragsrunde rechtzeitig die Voraussetzungen für die Einrichtung dieses Schulversuchs im Kölner Stadtgebiet, sind auch zwei Reformschulen, die nach Montessori-Konzept unterrichten. Die dritte Schule ist die Hauptschule in der Wuppertaler Straße im Kölner Stadtteil Mülheim. Für diese Schule gab es bereits einen Schließungsbeschluss zum Beginn des kommenden Schuljahres.

Gemeinschaftsschule für mehr Wahlfreiheit der Eltern

Mit dem Konzept der Gemeinschaftsschule will die Kölner Schulverwaltung einen weiteren wichtigen Baustein in Sachen längeres gemeinsames Lernen umsetzen. Und der Bedarf scheint nach der Auswertung der Umfrage gegeben zu sein. Die Eltern der Kinder aus 32 Grundschulen in den umliegenden Gegenden rund um die drei Schulstandorte wurden befragt. Von 4478 Eltern haben 2417 und damit mehr als die Hälfte (54 Prozent) die Fragen beantwortet. Wegen der räumlichen Nähe wurde Befragung für die beiden Mülheimer Standorte zusammengefasst. Das Ergebnis ist für Schuldezernentin Klein und ihre Mitstreiter mehr als deutlich. Alleine schon die Zahl der Eltern, die ihre Kinder aus den dritten und vierten Klassen in die weiterführenden Schulen mit Sicherrheit entsenden wollen, übersteigt in beiden Fällen die benötigte Zahl von 69 Plätzen pro Schulen. Lediglich unter den befragten Eltern der Drittklässler in Mülheim gab es mit 129 "sicheren" Anmeldern noch etwas weniger als die bereitgestellten 138 Plätze in den beiden Schulen Wupptertaler und Ferdinandstraße. Für den Schulstandort Rochusstraße hingegen ließ die Umfrage auch bereits für den Einschulungsjahrgang 2012 (die heutigen Drittklässler) eine genügend Anzahl an Interessierten erkennen. "Wir können die Gemeinschaftsschule gut gebrauchen", fasste Dezernentin Klein das Ergebnis der Befragung zusammen.

Die Regelung ist dabei durchaus nicht ohne Fallstricke. So müssen die drei Schulen beispielsweise zuvor einen formalen Schließungsbeschluss in der Schulkonferenz abstimmen lassen. Außerdem benötigen die Schulen der Sek-I-Stufe einen Kooperationspartner, um auch die angestrebten höherwertigen Bildungsabschluss anbieten zu können. Hier zeigt sich zugleich einer der Hauptunterschiede zur Gesamtschule. Die verfügt in der Regel über vier Schulzüge (Eingangsklassen) und eine eigene (gymnasiale) Oberstufe. Alle drei Schulen haben bereits feste Kooperationspartner (Gymnasium, Berufskolleg), die Kölner Gesamtschulen im Umfeld der drei Schulstandorte hatten sogar grundsätzliches Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert. Allerdings stehe hier das Ergebnis der Verhandlungen noch aus. Klein beeilte sich jedoch zu betonen, dass es keine übertriebene Konkurrenz zwischen den verschiedenen Schulformen gebe. "Für uns ist das Thema Vielfalt von zentraler Bedeutung", erläuterte die Beigeordnete die Vorteile von größtmöglicher Wahlfreiheit für die Eltern.

Ein Schulversuch mit zusätzlicher Ausstattung – Klein gibt sich pragmatisch

Die Auflagen zur Einrichtung einer solchen Gemeinschaftsschule sind komplex, der Zeitplan der Kölner Schulverwaltung "mehr als ehrgeizig", wie Klein einräumen musste. Nachdem die Eckpunkte erst im September, die detaillierteren Richtlinien nur kurze Zeit später bekannt gegeben werden, ist große Eile geboten. Zunächst einmal muss die Vorlage in der kommenden Sitzung des Stadtrates beschlossen werden. Anschließend erfolgt die formelle Zulassung des Schulversuchs durch die Landesregierung, übermittelt durch die Bezirksregierung, so dass bei den Anmeldungen ab Mitte Februar die drei neuen Schulen berücksichtigt werden können. "Das ist ein wesentlicher Systemwechsel", erklärte Brigitte Beckmann, Leiterin der Abteilung Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung. Neben der Zustimmung der Schulkonferenz muss die Stadt aber auch eine so genannte anlassbezogene Schulentwicklungsplanung in Gang setzen. "Die neuen Klassen weisen eine sehr heterogene Schülerschaft auf", bestätigte Beckmann. In der Umfrage wurden neben der Zustimmung zur neuen Schulform auch die Alternativen aus Elternsicht abgefragt. Lediglich zehn bzw. acht Prozent der Befragten in den beiden Bezirken würden eine Anmeldung auf der Hauptschule präferieren. Deutlich mehr sprachen sich für eine alternative Versetzung auf die anderen weiterführenden Schulformen, allen voran die Gesamtschule mit 35 (Mülheim) bzw. 41 Prozent (Ehrenfeld). Damit sei auch das Argument der konservativen Opposition in Stadtrat und Landtag entkräftet. Die hatten zuletzt befürchtet, bei dem Schulversuch würden lediglich die Schilder ausgetauscht. Ein weiterer Vorteil liegt im integrierten Unterricht. Der Schulversuch läuft über einen Zeitraum von sechs Jahren und wird wissenschaftlich begleitet. Nach Ablauf der Frist soll entschieden werden, ob Gemeinschaftsschulen als "Stadtteilschulen" in die schulgesetzlichen Regelungen übernommen werden, hieß es dazu abschließend.


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