21. 05. 2012
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Gemeinsamer Unterricht: Es gibt Nachholbedarf
Inklusion gehört dieser Tage zu den Wörtern, die häufig verwendet werden insbesondere in den Reden der Bildungspolitikerinnen und –politiker. Doch wie es tatsächlich um den gemeinsamen Unterricht von Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen bestellt ist, zeigt ein gänzlich anderes Bild. "Viele Bundesländer müssen nachsitzen", so das Ergebnis einer bundesweiten Bestandsaufnahme der in Bonn ansässigen Hilfsorganisation Aktion Mensch, die am gestrigen Donnerstag veröffentlicht wurde.
Besonders schlecht schneidet dabei das Land Niedersachsen ab. Hier besucht nur jedes zehnte Kind mit sonderpädagogischem Bedarf eine Regelschule. Im Nachbarland kommt der Ausbau des gemeinsamen Unterrichts hingegen gut voran. Hier sind es bereits mehr als die Hälfte der Zielgruppe, die in einer ganz normalen Klasse unterrichtet werden. Bundesweit lang der Anteil bei etwas mehr als 20 Prozent, im November soll es neue Zahlen geben, hatten die Verantwortlichen der Kultusministerkonferenz jüngst angekündigt. "Die Barrieren in den Köpfen sind dabei das eigentliche Problem. Viele Bundesländer müssen nachsitzen, um deutlich mehr Kindern das Gemeinsame Lernen zu ermöglichen. Es ist aber immer noch weit verbreitete Ansicht, dass Kinder mit Behinderung nur in der Sonder- oder Förderschule gut aufgehoben sind oder sie sogar das Fortkommen anderer auf der Regelschule bremsen", erklärte Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch und Mitglied im Expertenkreis "Inklusive Bildung" der deutschen UNESCO-Kommission.
Eberhard Jüttner, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, pocht auf strukturelle Veränderungen. "Schon in der Lehrerausbildung müssen die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung berücksichtigt werden. Dazu brauchen wir in den Ländern klare Zuständigkeiten für die inklusive Schule. Das jetzige Träger- und Zuständigkeitswirrwarr ist eine Zumutung für Eltern und Kinder", so der Bildungsexperte. Die Befürchtung, dass dies alles richtig viel Geld koste, will Andreas Hinz nicht gelten lassen. Höhere Kosten gebe es nur in der Anfangsphase, betonte der Pädagogikdozent von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Auf lange Sicht sei ein einheitliches Schulsystem mit weniger Schultypen deutlich kostengünstiger: "Mit einem voll ausgestatteten sonderpädagogischem System plus einem Gemeinsamen Unterricht an Regelschulen leistet sich Deutschland im Moment das denkbar teuerste Schulsystem überhaupt", so Hinz abschließend.

























