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21. 05. 2012
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Köln: Schule und Jugendhilfeplanung integriert


22.02.2011 23:56 von:

Schlagwörter: Köln,Jugendhilfe,Schulentwicklung,Planung,2011,Vorstellung,Ausschuss,Schule,Wiss

Bislang war die Schulentwicklungsplanung in Köln und vielen anderen Kommunen strikt an den einzelnen Schulformen orientiert. Doch immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, dass dieser Ansatz für die tatsächliche Entwicklung zu kurz springt. Folgerichtig entwarf die Stadt eine ambitionierte Planung, die am heutigen Dienstag erstmals den politischen Gremien vorgestellt wurde. Die Ausgangslage ist dabei klar. "In keinem anderen Land der OECD hängt der Bildungserfolg derart stark von der sozialen Lage ab", erklärte Kölns Schul- und Jugenddezernentin Dr. Agnes Klein gleich zu Beginn der heutigen gemeinsamen Sitzung des Jugendhilfe- und des Schulausschusses der Stadt Köln. Auch sonst überspringt das nun vorgelegte 292-seitige Papier einige gedankliche Hürden. So wurde bei diesem Konzept erstmals ein integrierter Ansatz gewählt, der über die schulischen Belange hinausgeht und Jugendhilfe und Schule auf Augenhöhe setzt. Auch wenn der Kölner Inklusionsplan nach derzeitiger Planung erst im kommenden Jahr in die politischen Gremien eingebracht werden soll. Auch hier wird die integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung deutlich, wie Oberbürgermeister Jürgen Roters bei der heutigen Vorstellung betonte.

Neuland und hohes Lob dafür

"Wir betreten mit dieser Planung absolutes Neuland", erläuterte die zuständige Beigeordnete bei der heutigen Vorstellung weiter. Der Zeithorizont für den neuen "Orientierungsrahmen" liegt bei fünf, bei der Planung für Schulen mit Sekundarstufen sogar bei zehn Jahren. Allerdings sollen die Ergebnisse der Detailplanungen im jährlichen Turnus überprüft werden, versicherten die Verantwortlichen. Das Werk stellt damit eine "Momentaufnahme mit Zukunftsperspektive" dar. Neben der Inklusion als wesentliches Instrument muss auch die Situation der Berufskollegs noch extra behandelt werden. Folgeriochtig werden diese Bereiche in dem vorgestellten Dokument nur am Rande erwähnt. Hinter der neuen Methodik steht vor allem ein differenziertes Bildungsverständnis, das Elemente der Partizipation enthält. Waren die Schulentwicklungsplanungen früher rein an schulischen Notwendigkeiten orientiert, erweitert sich der Blickwinkel nun auf das soziale Umfeld der Schule, den Sozialraum, so Brigitte Beckmann, die Verantwortliche für die integrierte Schulentwicklungsplanung im Schulverwaltungsamt. Begleitet wurde sie von Frank Pfeuffer, der die strategische Jugendhilfeplanung verantwortet. "Wir haben Quantensprünge vollzogen und wir müssen weitere Quantensprünge übernehmen, um die gesetzliche Vorgabe in Köln erfüllen zu können", erklärte Pfeuffer in Anspielung auf die 2013 in Kraft tretende gesetzliche Verpflichtung zur Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl von Betreuungsplätzen für Unterdreijährige.

Auf der heutigen gemeinsamen Sitzung von Schul- und Jugendhilfeausschuss lobten auch zwei externe Experten den Ansatz der Stadt. "Das ist eine extrem respektable Arbeit der Stadt Köln. Ich habe das in 25 Jahren noch nicht gesehen. Da können sie als Kölner stolz drauf sein", so Dr. Ernst Rösner vom Institut für Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Dortmund. Und auch sein Wissenschaftskollege Dr. Heinz-Jürgen Stotz vom Deutschen Jugendinstitut aus München war angetan vom Ergebnis des neuen Orientierungsrahmens. Beide Wissenschaftler plädierten für eine Bestandsaufnahme und Planung, die sich an den derzeit gängigen wissenschaftlichen Erkenntnissen orientiert. Folgerichtig sollte sich bei der kommunalen Schulentwicklungsplanung ein Paradigmenwechsel durchsetzen. "Bedarfsorientierung statt Angebotsorientierung", benennt Rösner diesen Wechsel. Die Begründung liegt seiner Meinung nach auf der Hand. Neben den Hauptschulen, dessen Ende Rösner in fünf Jahren erreicht sieht, kommen auch zunehmend Realschulen in die bedrohliche Situation, da ihr Potenzial auf Hauptschulempfehlungen zunehmend wegbricht. Weil die Realschulen gleichzeitig aber Schülerinnen und Schüler an die Gymnasien abgeben, verdünnt sich zunehmend auch ihre Basis. In Köln wird dieses Problem zeitversetzt auftreten. Dabei machte der Dortmunder Bildungsforscher den Politikern wenig Hoffnungen. "Dieser Entwicklungsprozess ist nicht aufzuhalten. Man kann die Entwicklung abmildern, aber nicht im Trend umkehren", erklärte Rösner.

Kritik von der Attac

Dem hohen Lob der Wissenschaft wollten sich jedoch nicht alle anschließen. Für die Aktivisten der Kölner Attac-Gruppe, die im Vorfeld der heutigen Ausschusssitzung vor dem Spanischen Bau Flugblätter verteilten, ist das vorgestellte Papier zwar "lobenswert" und "weicht in erfrischender Weise" von dem bisherigen Planungsprozedere alter Machart ab. Aber in dem vorgestellten Planungskonzept steht eben nicht "Chancengleichheit" sondern "Chancengerechtigkeit", kritisieren sie. "Der Begriff Chancengerechtigkeit ist jedoch mehr als fragwürdig, da er auf dem wissenschaftlich längst widerlegten Mythos von eindeutig und frühzeitig erkennbaren Begabungen beruht", schrieben die Aktivisten in dem Flugblatt. Selbst dem Modellversuch "Gemeinschaftsschule", der im kommenden Schuljahr an zwei Kölner Schulen im Rechtsrheinischen beginnen wird, können die Kritiker wenig abgewinnen. Sie sehen die Gemeinschaftsschule als Einstieg in ein leicht variiertes zweigliedriges Schulsystem. Das Gymnasium für das besserverdienende Klientel, die Gemeinschaftsschule für den Rest. Ganz so drastisch wollten es die Wissenschaftler im Rathaus nicht sehen. Allerdings werden es Schulbetriebe ohne den so genannten "gymnasialen Standard" zukünftig deutlich schwerer haben, entsprechend ausreichende Schuleingangsklassen zu erreichen, erklärte Rösner.

Die umfängliche Vorlage wurde am heutigen Dienstag von den Ausschussmitgliedern lediglich zur Kenntnis genommen. "Ich wünsche mir, dass wir unideologisch daran arbeiten", gab Sitzungsleiterin Gisela Manderla (CDU) sich und ihren Kolleginnen und Kollegen abschließend mit auf den Weg. In der Beratungsfolge ist nun vorgesehen, die integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung in die neun Kölner Bezirksvertretungen zu verweisen. Dort sollen die Bildungsexperten vor Ort und kleinräumlich über das weitere Vorgehen entscheiden. Auch die so genannten Regionalkonferenzen sowie die Träger der freien Jugendhilfe sollen sich noch vor der Sommerpause mit dem Papier beschäftigen. Im September werden dann die beiden zuständigen Fachausschüsse Schule und Weiterbildung sowie Jugendhilfe abschließend beraten, ehe die Vorlage am 13. Oktober dieses Jahres im Stadtrat zur Abstimmung gestellt wird.







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