21. 05. 2012
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Sechs Kölner Gymnasien sind demnächst "Ganz In"
"Angebot schafft Nachfrage", so lautet eine Redewendung, die Kölns Schul- und Jugenddezernentin immer gerne ausspricht, wenn es um die notwendige Erweiterung des Offenen Ganztagsangebots an Schulen geht. Als mit erheblichen Bundesmitteln im Jahr 2007 der Ausbau der Offenen Ganztagsschulen im Primarbereich (Grundschule) weitgehend abgeschlossen wurde, musste den Verantwortlichen klar gewesen sein, dass sie damit eine Erwartungshaltung motivieren. Nun – drei Jahre später – wissen die Schulentwicklungsplaner nicht nur in der Domstadt, dass sich viele Eltern auch über die vierte Schulklasse hinaus eine Ganztagsbetreuung wünschen. Allerdings stehen diesem Ansinnen zunächst einmal die Beschränkungen des Landesetats entgegen. Zwar investiert die Landesregierung trotz Wirtschaftskrise und sinkender Steuereinnahmen zwar weiterhin kräftig in Bildung. Der Etat für Bildung steigt im laufenden Haushaltsjahr sogar leicht an. Trotzdem sind weitere Maßnahmen und Initiativen notwendig, um auch in weiterführenden Gymnasien die Schule zum Lern- und Lebensort zu machen.
Mit insgesamt zehn Millionen Euro ist die Initiative "Ganz In" der Essener Stiftung Mercator, des Landesministeriums für Schule und Weiterbildung sowie der IFS Institut für Schulentwicklungsforschung in Dortmund die größte in NRW und in der gesamten Bundesrepublik "einzigartig", wie der Direktor des IFS, Prof. Dr. Wilfried Bos, betonte. Alleine die Essener Stiftung steuert 7,7 Millionen Euro zum gemeinsamen Projekt bei. Damit werden landesweit 30 Gymnasien – sechs in der größten NRW-Kommune – für die Dauer von sechs Jahren bei der Umstellung auf den Ganztagsbetrieb unterstützt, wie die Verantwortlichen am heutigen Montag bekannt gaben. "Der Ganztag bietet mehr Zeit für individuelle Förderung, er erhöht die Bildungsgerechtigkeit und ermöglicht es den Eltern, Familie und Beruf zu vereinbaren", erklärte Schulministerin Barbara Sommer bei der Präsentation des Projekts. Tatsächlich haben die wenigsten Gymnasien bisher Erfahrung mit dem Ganztag gemacht. Die Pilotschulen des Projekts sollen eine Vorreiterrolle für den weiteren Ausbau des Ganztags an den Gymnasien in Nordrhein-Westfalen übernehmen. Die 30 Gymnasien im Projekt "Ganz In" sind Teil der Ganztagsoffensive der Landesregierung, in der in diesem und im nächsten Schuljahr in Nordrhein-Westfalen 115 Gymnasien starten. Als Modellschulen werden sie erstmals mit wissenschaftlicher Begleitung Unterrichts- und Organisationsmodule konzipieren, die in den Modellschulen eingeführt und später den anderen Gymnasien zur Verfügung gestellt werden.
In einer ersten Bewerbungsrunde, die Ende Februar dieses Jahres endete, hatten sich auch Schulen für dieses Modellprojekt beworben. Aber eine Jury mit Vertretern der Projektpartner hielt ein strenges Auge auf die Bewerbungen. Schlussendlich wurden 30 Schulbetriebe ausgesucht, die nun den Weg zu Ganztagsschule beschreiten. Auswahlkriterien waren unter anderem die Teilnahme an der Ganztagsoffensive NRW (gebundener Ganztag), die Zustimmung der Schulkonferenz, regionale Verteilungs- und Einzugsgebiet der Schulen, die Zusammensetzung der Schülerschaft sowie die Auswahl der Fachbereichsschwerpunkte. "Das große Interesse der Schulen und die Qualität der Bewerbungen zeigt, dass wir mit ‚Ganz In‘ ein äußerst attraktives Bildungsangebot entwickelt haben. ‚Ganz In’ ermöglicht individuelles Lehren und Lernen. Das Ganztagsgymnasium ist für uns ein Schlüssel zur Teilhabe an Bildung", sagt Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom IFS an der Technischen Universität in Dortmund.
In der Domstadt nehmen die Gymnasien in der Thusneldastraße, das Hildegard von Bingen Gymnasium, das Albertus-Magnus-Gymnasium, das städtische Rhein-Gymnasium in Köln-Porz, das Montessori Gymnasium sowie das städtische Heinrich-Mann-Gymnasium teil.

























