21. 05. 2012
Seite drucken
Stadt schließt ein Drittel der Hauptschulen
Seit Jahren sinken die Zahlen neu angemeldeter Schüler an den Hauptschulen der Stadt. Am heutigen Freitag stellte die Schulverwaltung der Stadt das für diese Schulform angepasste Schulentwicklungskonzept vor. Es sieht die Aufgabe von neun Hauptschulen in sieben Kölner Stadtbezirken vor. Rodenkirchen und Porz sind nicht betroffen, in den Stadtbezirken Ehrenfeld und Kalk trifft es jeweils zwei Hauptschulen. Neben der geringen Anmeldezahlen, einige der betroffenen Schulen können nicht einmal eine Eingangsklasse mit der Mindestanzahl von 18 Schülerinnen und Schülern aufweisen, waren auch andere Gründe für die Standortvorschläge der Stadtverwaltung ausschlaggebend. So wird beispielsweise die Hauptschule Paul-Humburg-Straße im Kölner Stadtteil Longerich für einen möglichen Standort einer in Planung befindlichen Gesamtschule im Stadtbezirk Nippes freigeräumt. Spätestens in drei Jahren muss die neue Gesamtschule an der Brehmstraße die Räumlichkeiten wechseln, da der Standort der ehemaligen Grundschule für den Regelbetrieb einer in der Regel sehr viel größeren Gesamtschule kaum ausreicht. Letztlich werde von den neun betroffenen Hauptschulstandorten nur ein einziger tatsächlich aufgegeben, alle anderen Schulen sollen weiterhin für Bildungszwecke genutzt werden, auch wenn die dazu notwendigen Beschlüsse der Schulkonferenz derzeit noch nicht vorliegen. Schuldezernentin Dr. Agnes Klein will die dazu notwendige Vorlage bereits vor der Sommerpause abschließend im Stadtrat beraten wissen. Die Vorberatungen finden im Ende Juni tagenden Schulausschuss statt. Die Schließungen selbst sollen jedoch gestaffelt in einem Zeitraum von 2011 bis 2013 erfolgen, so die Verantwortlichen weiter.
"Das ist kein Schließungskonzept, auch wenn es inhaltlich um Schließungen geht", betonte die zuständige Beigeordnete auf der heutigen Pressekonferenz. Vielmehr gehe es darum, "starke Schulen zu stärken", so Klein weiter. Außerdem betonten die Verantwortlichen, dass es nun darum gehe, gemeinsam mit allen Beteiligten die notwendigen Vorbereitungen, insbesondere die Beschlüsse der Schulkonferenzen und damit die Zustimmung von Lehrern, Eltern und dem Schulamt für die Stadt Köln zu erhalten. Obwohl durch die Schließung von neun Hauptschulen die Zahl der verfügbaren Plätze von 1608 auf 1128 sinken wird, sei "noch genug Luft im System", wie die Beigeordnete weiter versicherte. Aufgeben werden in der Innenstadt die Hauptschule Gereonswall. Hier soll als Ersatz die Aufbaurealschule am Rhein einziehen. "Eine gute Lösung für die Bildungslandschaft Altstadt-Nord", wie Klein bemerkte. In Lindenthal wird die Hauptschule Mommsenstraße ihren Betrieb einstellen. Was dorthin kommen soll, steht derzeit noch nicht fest. In den Überlegungen der Verantwortlichen sind sowohl eine neue Grundschule oder auch eine weitere "Sek-I-Schule" entstehen. Auch bei den Hauptschulstandorten Borsigstraße (Ehrenfeld) und Wuppertaler Straße (Mülheim) steht die Nachnutzung und die damit verbundene Schulart nicht abschließend fest. Bei der Ehrenfelder Schule steht eine Nutzung durch das Schulzentrum Rochusstraße im Raum. Die Hauptschule Overbeck soll nach dem Willen der Verwaltung zur Nebenstelle des Gymnasiums Ottostraße werden. In die Räume der Hauptschule Hachenburger Straße in Kalk soll die Förderschule Lernen (derzeit in der Martin-Köllen-Straße) einziehen und auch die Max-Albermann-Schule wird ebenfalls aufgegeben und für benachbarten Schulen genutzt. Einzig der Standort Holzheimer Weg soll komplett aufgegeben werden, hier ist derzeit an eine Teilnutzung der Fläche für einen zusätzlichen Kindergarten gedacht, allerdings gibt es dazu weder Beschlüsse noch eine Finanzierungszusage.
Die Schulverwaltung rechnet damit, dass bis Beginn des kommenden Schuljahres die Zahl der Hauptschülerinnen und –schüler in Köln bei rund 700 bis 750 liegt. Nach Ende der Anmeldefrist waren es 530, derzeit sind es rund 650, wie heute bekannt wurde. Für die betroffenen Lehrer gab die ebenfalls anwesende Bezirksregierung als Schulaufsicht und Landesbehörde die Zusage ab, dass alle Hauptlehrerinnen und –lehrer in Köln weiterbeschäftigt werden sollen. Die Bewerbung für andere Schulen und Schulformen werde in Kürze gestartet. Trotz der Zuversicht der Oberen bleiben noch mehrere Fragezeichen. So hatten einige Schulkonferenzen bereits im Vorfeld Bedenken gegen mögliche Schließungen angemeldet. Und dann ist da noch der Ausgang der Koalitionsverhandlungen in Düsseldorf. Sollte es tatsächlich zu einer umfassenden Schulstrukturreform kommen, werden die Karten neu gemischt. Für Schuldezernentin Klein ist dies aber auch Grund für Optimismus. "Wir werden die ersten sein, die hier reagieren können". Auf der anderen Seite beginnen die konkreten Planungen dann wieder von vorne.
Linktipp:
21. Januar 2010: Bezirksregierung genehmigt Gesamtschule in Köln-Riehl

























