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20. 04. 2014
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Wie viel Luft ist ein einem Raum?


17.10.2009 16:56 von:

Schlagwörter: Köln,Universität,Fachstelle,Hochbegabung,2009,Herbstakademie,Grundlagenforschung

Die Tür zum Universitätsgebäude an der Zülpicher Straße war abgeschlossen und doch war eine Menge los. Im Uni-Institut für Kernphysik trafen sich am heutigen Samstag die 13 jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Klassen 5 bis 7, ihre Geschwister sowie zahlreiche Eltern und Großeltern, um sich die große Abschlusspräsentation der jungen Akademieteilnehmer anzuschauen. Seit Mittwoch haben sich die Teilnehmer zunächst im School Lab des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt unter fachkundiger Anleitung Experimente ausgedacht und anschließend durchgeführt. Am gestrigen Freitag kamen die Kinder dann auch Einladung der Fachstelle für Hochbegabung Köln ins Kölner Rathaus, um hier ihre gewonnenen Erkenntnisse zu einer Abschlusspräsentation zu verdichten. Gleich im ersten Vortrag von Esra und Selina ging es um physikalische Grundlagen. Anhand einer Formel berechneten die beiden Schülerinnen die Zahl der "Teilchen" im Präsentationsraum. Die richtige Antwort lautet 8,4 mal 1027, also eine Zahl, die mit 8,4 beginnt und dann 26 Nullen aufweist. Im Weltraum hingegen liegt die Zahl der Moleküle deutlich darunter.

Um zu sehen, was auf der Erde passiert, wenn Dinge des alltäglichen Lebens in ein Vakuum gesetzt werden, bedienten sich die beiden Schülerinnen unter anderem einer Tüte Gummibärchen. Bei einem Vakuum dehnt sich diese Tüte dann wie ein Ballon aus. "Dass passiert, weil der Druck von außen fehlt", erklärte Selina. "Menschen können ohne Luft nicht leben, sie würden im Vakuum regelrecht ausgesaugt", ergänzte Esra und sorgte nicht nur damit für interessierte Erwachsenengesichter. Selina und Esra, wie die anderen elf Teilnehmer auch, gelten als hochbegabt. Sie besitzen einen Intelligenz-Quotienten von mehr als 130, wie Diplom-Psychologin Katja Thelen von der städtischen Fachstelle für Hochbegabung ausführte. Sie und ihre Kollegin Dr. Katharina Schabram ermitteln in zwei unabhängigen Testverfahren, ob Kinder tatsächlich deutlich über dem Durchschnitt der Bevölkerung liegen. Der liegt bei einem IQ zwischen 85 und 115. Kinder mit Hochbegabung sollten eigentlich besonders gefördert werden. "Hochbegabte haben eine deutlich höhere Auffassungsgabe und können sich innerhalb kürzester Zeit in komplexe Sachverhalte einarbeiten", führt Thelen aus.

Im schulischen Alltag werden solche Talente allzu gerne verkannt. Ein bekanntes Phänomen liegt unter anderem darin, dass hochbegabte Kinder im Regelunterricht gelangweilt erscheinen. Das muss nicht immer Desinteresse sein, wie die beiden Psychologinnen aus vielen Einzelgesprächen wissen. Ihre Fachstelle ist dem Schulpsychologischen Dienst der Stadt Köln angegliedert. Sie kümmern sich dabei vor allem um die individuelle Beratung. Zwei Mal im Jahr veranstaltet die Fachstelle einen mehrtägigen Workshop mit bis zu 15 Kindern, um ihnen diese besondere Form der Förderung anzubieten. Auch Lehrerinnen und Lehrer sind Zielgruppe der Fachstelle, schließlich sollten eigentlich die Pädagogen an der Schule die Hochbegabung des Nachwuchses erkennen. Derzeit betreuen die beiden Expertinnen in Köln sieben Grundschulen, zusätzlich findet einmal pro Monat ein Jour-Fix statt. Allerdings ist ein IQ von mehr als 130 keineswegs ein Massenphänomen. Experten schätzen, dass gerade einmal zwei Prozent der deutschen Bevölkerung eine solche intellektuelle Fähigkeit besitzen.


Kommentar

Hochbegabung ist eine Gabe, kann aber auch ein Fluch sein. Vor knapp einem Jahr fand in Köln das erste Treffen von Hochbegabten im Senatshotel statt und diskutierte über die Probleme, die viele während ihrer schulischen und universitären Ausbildung hatten. Die Stadt Köln tut also gut daran, sich mit diesem Phänomen zu befassen und den Kindern einen außerschulischen Rahmen zu bieten, in dem sie ihre intellektuellen Kapazitäten optimal entwickeln können. Mal davon abgesehen, dass es Zehnjährigen enormen Spaß bereiten dürfte, echten Weltraumforschern nicht nur über die Schulter, sondern in die Labore schauen zu dürfen.

Dass trotz des Trends in Richtung gemeinsames Lernen hochbegabte Kinder eine besondere Förderung benötigen, liegt in der Natur der Sache. Auch die Expertinnen der Fachstelle bestätigen, dass eine überdurchschnittliche Intelligenz keine Frage des Geldbeutels der Eltern oder ihrer Bildungsnähe oder –ferne ist. Vielmehr ist es eine kognitive Kompetenz, die entwickelt und frühzeitig gefördert werden muss. Und das geht in Klassenverbänden mit 30 Schülern und mehr nur sehr bedingt, wenn überhaupt. Umso wichtiger sind Angebote wie das der Stadt Köln. Die Besten optimal zu unterstützen bedeutet keine Eliteförderung, es ist ein Instrument zur individuellen Förderung unseres Nachwuchses und genau das wollen ja eigentlich alle demokratischen Parteien.







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