21. 05. 2012
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Zehn Kölner Grundschulen sind "europäisch"
In Köln haben zehn Grundschulen ab sofort das Recht ein weiteres Zertifikat zu tragen. Sie gehören seit dem heutigen Montag zum Verbund Kölner Europäischer Grundschulen. Sowohl Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters und der Vorsitzende des Kölner Integrationsrates würdigten die Gründung des Verbunds als großen Erfolg. Erst im Jahr 2006 hatte der Kölner Stadtrat nach einer Initiative des Integrationsrates den Verbund auf den Weg gebracht. Die Idee, bereits in der Grundschule Sprachförderung in der jeweiligen Muttersprache oder sogar einen bilingualen Zweig einzuführen, ist allerdings nicht neu. Nach ersten Ansätzen in den 70er und 80er Jahren wurde der muttersprachliche Unterricht erst wieder in diesem Jahrtausend wiederentdeckt. In Köln erhielt die Entwicklung einen zusätzlichen Schub durch die Gründung des Zentrums für Mehrsprachigkeit, bei der die Stadt Köln, die Kölner Universität sowie die Regionale Koordinierungsstelle RAA zusammenarbeiten. Roters selbst hat ebenfalls bereits vor seiner Zeit an der Spitze der Kölner Stadtverwaltung Erfahrungen mit der Thematik gesammelt. Wie er selbst in seiner Rede betonte, sei es schön, "zu sehen, wie aus einem zarten Pflänzchen eine große prächtige Blume gewachsen" sei. Roters hatte als Regierungspräsident bereits die ersten zweisprachigen Grundschulangebote in der Genehmigung begleitet. Zur heutigen Veranstaltung kamen rund 100 Gäste ins Historische Rathaus
"Das ist ein toller Erfolg. Darauf können wir stolz sein", erklärte Roters über die gewachsenen Strukturen. Im Jahr 2002 führte die Katholische Grundschule am Zugweg den ersten bilingualen Zwei in deutsch und italienisch ein. Heute ist die Schule nach den Worten ihrer Koordinatorin Rosetta Benati, bereits zwei Schritte weiter. Inzwischen gibt es zwei solcher bilingualen Züge, einen in italienischer und einen in türkischer Sprache. Ein Dritter ist bereits für das kommende Schuljahr geplant und soll in deutscher und spanischer Sprache stattfinden, so Benati weiter. Roters verwies auf die Forderung des Europarates, der für die Sprachförderung eigentlich drei Sprachen vorsieht. Doch bevor die englische und damit eine den meisten Kindern völlig unbekannte Sprache gelernt wird, ist es aus Sicht der Initiatoren und auch Roters naheliegender, mit der Muttersprache zu beginnen. Und die ist eher türkisch und italienisch. So gehören zu den zehn mit der Plakette ausgezeichneten Schulen drei mit mindestens einem bilingualen Sprachzweig. Die sieben anderen werden nach dem so genannten KOALA-Konzept geführt.
Auch für den Vorsitzenden des Kölner Integrationsrates, Tayfun Keltek, ist die Gründung des Verbundes ein besonderer Tag. "Mehrsprachigkeit erleichtert den Erwerb anderer Sprachen", weiß der Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaften LAGA NRW aus eigener Erfahrung. Und gerade bei den benachteiligten Schichten gilt es, ein Stück Chancengleichheit und damit Bildungsgerechtigkeit durchzusetzen. Immerhin haben inzwischen ein Drittel aller Einwohnerinnen und Einwohner einen Migrationshintergrund, unter der Gruppe der Schulkinder bis 14 Jahren Lebensalter beträgt der Migrantenanteil sogar fast die Hälfte. Doch während der Tenor überwiegend positiv klang, ließ Keltek leise Kritik durchblicken. So sei es wünschenswert, wenn der gleichberechtigte Spracherwerb in der Muttersprache bereits im Vorschulalter durchgeführt wird. Zurückliegende wissenschaftliche Studien scheinen diese Forderung zu unterstützen. So fand Sprachwissenschaftler heraus, dass Kleinkinder die Sprache in der Altersspanne zwischen drei und fünf Jahren erlernen. Demnach ist die sprachliche Basis im Alter von sechs Jahren bereits weitestgehend gefestigt.
Weitere Informationen zur Arbeit des Zentrums für Mehrsprachigkeit und Integration ZMI finden Sie auf der Internetseite der Initiative unter: www.bildung.koeln.de.

























