22. 05. 2012
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Billigflieger nach der Krise wieder auf dem Vormarsch
Das Jahr 2009 bedeutete für die so genannten "Low-Cost-Carrier†im europäischen Flugverkehr eine historische Krise. Trotz der günstigen Tarife mussten die Unternehmen deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen. Mit dem Ende der Krise und den wieder anziehenden Passagierzahlen erholt sich auch die Branche zusehends. Wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der vergangenen Woche bekannt gab, schreitet die Erholung der Branche zügig voran. Die Anbieter sind wieder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt, ermittelte das DLR in seinem jüngsten "Low-Cost-Monitor". Demnach hat sich die Anzahl der bedienten Streckenverbindungen fast wieder auf dem Niveau des Vorkrisenjahres 2008 eingependelt. So gab es im Frühjahr 2010 17 Low-Cost-Fluggesellschaften in Deutschland, die insgesamt mehr als 4100 Flüge angeboten haben. Das sind rund zwei Prozent mehr Flüge als im vergangenen Jahr. Somit setzt sich das positive Wachstum, das seit Ende letzten Jahres zu erkennen ist, weiter fort. Die Wachstumsdynamik ist jedoch deutlich schwächer als vor der großen Krise. So liegt der Anstieg der angebotenen Flüge noch mehr als fünf Prozent unter dem Wert von 2008.
Die großen Sechs
Schon vor der Krise hatte sich das Segment der Günstig-Airlines konsolidiert. Sechs der 17 registrierten Gesellschaften teilen sich rund 93 Prozent des Gesamtmarktes auf. Größter Anbieter unter den Billigflieger im deutschen Markt ist die börsennotierte Aktiengesellschaft AirBerlin. Durch die Übernahme des Streckennetzes von TUIfly hat das Unternehmen seinen Abstand zur Konkurrenz sogar weiter ausbauen können. Durch die Übernahme der Deutschland-Routen von dba hatte sich das Unternehmen bereits zuvor eine marktführende Position gesichert, hieß es dazu weiter. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. Im europäischen Gesamtmarkt bleibt der irische Billigflieger Ryanair mit 7600 Starts und rund 1400 Streckenverbindungen die eindeutige Nummer 1. Diese Fluggesellschaft sowie die Lufthansa-Tochter Germanwings haben jeweils auch über zehn neue Strecken in ihre Flugpläne aufgenommen. Die Erhöhungen der restlichen Gesellschaften fallen vergleichsweise gering aus. Der deutsche Markt scheint dabei für die kleineren Anbieter uninteressant, ausgenommen einige Nischen bei den innerdeutschen Flugverbindungen. Einige Low-Cost-Carrier verschwanden sogar ganz vom Markt. Die Trennung zwischen Günstig-Airline und normaler Fluggesellschaft wird allerdings zunehmend schwieriger, wie die Autoren der Studie einräumen mussten.
Insgesamt wurden im Frühjahr 2010 495 unterschiedliche Strecken im innerdeutschen und grenzüberschreitenden Verkehr bedient. Dies sind rund 30 Strecken oder 6,5 Prozent mehr als im Frühjahr 2009 und fast genauso viele wie 2008. In diesem Jahr wurde der bisherige Höchststand bei den Frühjahrswerten seit Einführung der Low-Cost-Verkehre vor rund acht Jahren erreicht. Die von den Billiganbietern angeflogenen Zielflughäfen lagen demnach durchweg in Süd- und Osteuropa. In Deutschland wurde seit der letzten Analyse kein neuer Flughafen in die Flugpläne der Anbieter aufgenommen. Vor allem kleinere Flughäfen wie Weeze am Niederrhein oder Memmingen im Allgäu verzeichneten deutliche Zuwächse. Deutlich geringer war das Wachstum hingegen in Köln und Hamburg. In Hahn (Hunsrück) und Hannover ging das Flugaufkommen der Low-Cost-Carrier sogar leicht zurück. Immer häufiger stehen die Anbieter von Billigflügen in der Kritik, weil sie auf ihre Nettoangebotspreise teils erhebliche Zulagen verlangen. Neben Steuern und Gebühren sind dies Kerosin-Zuschläge oder Servicegebühren. Auf Basis einer Analyse von einem Zehntel der angebotenen Flugangebote variierten die Durchschnittspreise für eine Strecke im Frühjahr 2010 zwischen zirka 33 Euro und 77 Euro bei den Nettopreisen und zwischen 37 Euro und 118 Euro bei den Endpreisen.
Mit einem Passagieraufkommen von über 53 Millionen im vergangenen Jahr liegt der Anteil der Low-Cost-Carrier bei rund 29 Prozent des gesamten Flugverkehr der 23 untersuchten Verkehrsflughäfen der ADV. Gegenüber dem Vorjahr verloren die Billigflieger indes mit 2,2 Prozent relativ wenig an Marktvolumen. Andere Branchen in Deutschland, wie etwa der Maschinenbau, hatten an dem weltweiten Rückgang der Nachfrage deutlich mehr zu leiden. Größter Flughäfen für die Low-Cost-Carrier sind die beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld. Das beliebteste Zielland für die Günstig-Airlines bleibt Großbritannien. Ein weiterer Trend, der sich auch in der Krise des vergangenen Jahres fortgesetzt hat, ist die zunehmende räumliche Expansion. Schon jetzt fliegen die Low-Cost-Carrier mehr als 40 europäische Länder an. Der Trend zeigt jedoch in Richtung Interkontinentalflüge, in erster Linie zu afrikanischen und asiatischen Flugzielen, hieß es dazu abschließend.
Der Low-Cost-Monitor ist Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Kölner DLR und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV). Die besteht aus insgesamt 23 deutschen Flughäfen.

























