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22. 05. 2012
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Deutsche Sporthochschule: Heimvorteil wegen Lautstärke


14.04.2010 10:17 von:

Schlagwörter: Köln,DSHS,Sporthochschule,Studie,Sportpsychologie,Heidelberg,Heimvorteil,Schieds

Der "zwölfe Mann”, die treuen und lautstarken Fans, die unvergleichliche Atmosphäre mit dem "Schauer-über-den-Rücken”-Phänomen, Identität, Heimatverbundenheit, die Umschreibungen für Nimbus des vermeintlichen Heimvorteils drehen sich immer wieder um die gleichen Vokabeln. In der Regel spielen Fußball-Teams im heimischen Stadion eher vor Fans der eigenen Mannschaft. Und die machen vor allem eines: Stimmung. Oder um es etwas sachlicher und neutraler auszudrücken: Sie machen in erster Linie Lärm. Wissenschaftler der Kölner Sporthochschule sind nun der Frage nachgegangen, ob diese Atmosphäre, gemessen am Geräuschpegel in der Arena zum Zeitpunkt des Spiels, tatsächlich einen positiven Einfluss auf den sportlichen Ausgang oder die Motivation der Spieler hat. Zusammen mit seinem Heidelberger Kollegen Christian Unkelbach untersuchte der Kölner Sportwissenschaftler Daniel Memmert in einer nun veröffentlichten Studie die psychologischen Faktoren einer solchen Geräuschkulisse.

Die Grundannahme der beiden Forscher war: Zuschauerlärm wirkt sich vor allem auf Schiedsrichterentscheidungen aus, zum Vorteil der Heimmannschaft. Die beiden Forscher analysierten dabei 1539 Spiele der ersten Bundesliga. Konkret setzten sie den Faktor "Publikumslärm" (gemessen als prozentuale Ausnutzung der Zuschauerkapazität unter Berücksichtigung der Stadionbauweise) und die Schiedsrichterentscheidungen anhand der verteilten Gelben Karten in Beziehung. Tatsächlich gab es hier einen statistisch signifikanten Zusammenhang. Während der Lärm der Fans auf die Zahl der Gelben Karten für das Heimteam kaum einen Einfluss zu haben schien, stellten die beiden Wissenschaftler beim Auswärtsteam tatsächlich einen deutlichen Anstieg der Gelben Karten gegen die Auswärtsmannschaften fest. Der Effekt verstärkte sich, wenn die Spiele in reinen Fußballarenen ohne Rundlaufbahn stattfanden. Hier ist der Geräuschpegel durch die räumliche Nähe der Fans, meist nur wenige Meter, besonders hoch.

Um die Erkenntnisse zu verifizieren, setzten die Forscher ihre Wirkungsstudie mit 20 Schiedsrichtern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB( in einem weiteren Experiment fort. Jeder der Probanden musste sich unter Laborbedingungen 56 Foul-Szenen via Video anschauen, allerdings nur bis zum Foul. Tatsächlich führte nur die Hälfte der gezeigten Szenen tatsächlich zu einer Gelben Karte. Der Versuch wurde mit unterschiedlichen Geräuschpegeln durchgeführt, um die Reaktion der Schiedsrichter möglichst realitätsnah simulieren zu können. Und auch hier scheint sich die Erkenntnis der Feldanalyse des Forscherteams zu bestätigen. Je lauter der Geräuschpegel, umso eher waren die Probanden bereit, eine Gelbe Karte zu zeigen. Die Forscher vermuten, dass der Geräuschpegel unbewusst als subjektiv wahrgenommener Gradmesser für die Schwere des Foulspiels wahrgenommen wird. Dass ein solcher Heimvorteil aber nicht immer auch zum gewünschten Ergebnis führt, zeigen die letzten Heimspiele des 1. FC Köln. Trotz konstantem Lärmpegel und echter Begeisterungsfähigkeit des Kölner Publikums, mussten die Geißböcke in den vergangenen zwei Partien deutliche Niederlagen einstecken. Das relativiert auch den festgestellten Heimvorteil.







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