22. 05. 2012
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Deutsche Sprache bleibt weiterhin beliebt
In einer bundesweiten Umfrage hat das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) die Einstellung der Deutschen zu ihrer eigenen Sprache analysiert. Am Mittwoch dieser Woche stellten die Verantwortlichen vom Lehrstuhl Sozialpsychologie an der Universität Mannheim die Ergebnisse ihrer Studien in Berlin vor. Über 2000 Menschen in der gesamten Bundesrepublik wurden dabei befragt, unter den Probanden befanden sich auch Menschen, die in Deutschland leben aber eine andere Muttersprache haben. Neben der Bewertung der eigenen Sprache, beantworteten die Befragten auch Angaben zu anderen Sprachen, zu Dialekten und äußerten sich dabei zum derzeitigen Zustand der deutschen Sprache. Dabei mussten sie zudem Angaben zu ihrem eigenen Mediengebrauch machen.
87 Prozent der Befragten äußerten dabei eine große Verbundenheit mit ihrer eigenen Sprache. Sie gaben an, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) empfand Stolz, immerhin 47 Prozent gaben an, dass sie ihre Sprache lieben. Sie beschreiben das Deutsche als schön und anziehend, als logisch aber auch als schwierig. Deutlich gestiegen ist dabei die Zahl derjenigen, die sich um die Pflege der eigenen Sprache bemühen wollen. Vor zehn Jahren waren es gerade mal 13 Prozent, die dieses Ziel hatten. In diesem Jahr erhöhte sich dieser Anteil auf immerhin 35 Prozent. Unter den verschiedenen Dialekten scheint das Norddeutsche am beliebtesten zu sein. Dabei sind es vor allem die Gebiete im Süden, Südwesten sowie im Osten Berlins, die selbst einen Dialekt sprechen. Dialekte sind dabei keineswegs ein Zeichen für einen niederen sozialen Status. Fast ein Viertel der Befragten empfanden den norddeutschen Dialekt als sympathisch. Jeder Fünfte emfpand dieses Gefühl beim bayerischen Akzent. Neun Prozent empfanden Dialekte generell als unsympathisch, fast ein Drittel empfand bei keinem der deutschen Dialekte keine Sympathie. Unter den ausländischen Akzenten wurde das Französische von mehr als einem Drittel der Befragten (36 Prozent) als sympathisch empfunden. Fast die Hälfte (48 Prozent) gab an, dass sie keinem Akzent gegenüber negativ eingestellt sind. Nach dem französischen Akzent folgen das Italienische mit 21 Prozent.
Einfluss der Zuwanderungsgesellschaft
Neben den Fragen zur eigenen Sprache war den Initiatoren der Studie auch der Einfluss der Zuwanderer auf die deutsche Sprache ein wichtiges Anliegen. 43 Prozent der Befragten empfanden die Verständigung mit Einwanderern generell als schwierig. Dass Migranten in bestimmten Lebensbereichen sich vor allem in ihrer Muttersprache unterhalten, halten 44 Prozent der Befragten für schlecht oder sehr schlecht. Immer mehr Einwohner betrachten die Entwicklung der eigenen Sprache allerdings mit Sorge. Waren es vor zehn Jahren knapp über der Hälfte (53 Prozent), so stieg der Anteil der Skeptiker bei dieser Umfrage auf 84 Prozent. Mögliche Ursachen dieses Wandels sind nach Meinung der Befragten der Einfluss durch fremde Sprachen (28 Prozent), und hier vor allem des Englischen (21 Prozent), wahrgenommen, die (neue) Rechtschreibung (25 Prozent), die Sprache der Jugend (15 Prozent), mangelnde Sprachsorgfalt, unangemessenes Sprechen und Schreiben (12 Prozent) sowie Veränderungen in der Grammatik. Die Hauptverantwortung an der Veränderung der deutschen Sprache wird mit 37 Prozent den Medien zugeschrieben. Während mehr als die Hälfte (53 Prozent) den Veränderungen unentschieden gegenüber stehen, finden immerhin ein Sechstel der Befragten die Veränderungen als positiv. 30 Prozent beklagten das als besorgniserregend.
Die befragten Einwanderer bewerteten die Entwicklung der deutschen Sprache hingegen deutlich positiver als Muttersprachler. Fast alle Befragten halten es für wichtig bis sehr wichtig, dass man sich beim Sprechen (92 Prozent) und Schreiben (95 Prozent) sorgfältig ausdrückt und die Rechtschreibregeln beachtet. Einwanderer messen der Sorgfalt beim Sprechen eine noch größere Bedeutung bei. Mehr als drei Viertel (78 Prozent) sind der Meinung, dass mehr für die deutsche Sprache getan werden sollte. Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache lehnt die Mehrheit (58 Prozent) dennoch ab. Vor allem von Lehrern, Schulen und Jugendeinrichtungen wird erwartet, dass sie sich stärker um die Sprache kümmern sollten (73 Prozent). An zweiter Stelle wird die Politik genannt (39 Prozent), an dritter Stelle die Eltern (28 Prozent).
Rolle des Internets
Die zunehmende Internetnutzung scheint keinen negativen Einfluss auf die Bereitschaft der Befragten zu haben, sich mit Lesen zu beschäftigen. Knapp die Hälfte der Befragten liest mindestens einmal pro Woche deutsche Bücher (49 Prozent) und deutsche Beiträge im Internet (45 Prozent). Noch mehr Befragte lesen regelmäßig deutsche Zeitungen oder Zeitschriften: 70 Prozent unternehmen dies täglich, weitere 21 Prozent mindestens einmal pro Woche. Während Frauen häufiger Bücher lesen als Männer, verfolgen Männer häufiger Beiträge im Internet. Menschen, die häufig im Internet lesen, zeigen insgesamt ein intensiveres Leseverhalten. Sie nutzen häufiger deutsche Wörterbücher und lesen häufiger Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Internetkonsum führt demnach nicht dazu, dass weniger Bücher gelesen werden.
Die Studie wurde finanziell durch die Volkswagenstiftung unterstützt. Das Mannheimer Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, eines von 86 Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Der Leibniz-Gemeinschaft gehören außerdem drei assoziierte Mitglieder an.

























