22. 05. 2012
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DIA: Türkische Mitbürger härter von Rentenlücke betroffen
Arbeitskräfte mit türkischem Migrationshintergrund werden von der so genannten "Rentenlücke" deutlich härter getroffen als die Gesamtheit aller deutschen Arbeitnehmer. Das hat das in Köln ansässige Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) in einer Analyse herausgefunden. Insgesamt sind in Deutschland rund 2,5 Millionen Menschen von der Problematik direkt betroffen. "Die finanzielle Lage der Türkeistämmigen ist äußerst angespannt", stellen die Autoren der DIA-Studie fest. Martina Sauer und Dirk Halm von der Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) befragten 1007 Personen ab 18 Jahren in einer repräsentativen Stichprobe. Die Hälfte von ihnen spart nicht (insgesamt sind 24 Prozent "Nicht-Sparer"), vorwiegend aus Geldmangel. Wenn sie sparen, werden Immobilien favorisiert (31,6 Prozent). Weit abgeschlagen folgen Sparbücher mit 9,2 Prozent (bei deutschen Haushalten 59 Prozent) und Gold - anders als erwartet - mit nur fünf Prozent. Auch wenn 86 Prozent der Befragten Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung haben, gehen über zwei Drittel davon aus, dass dies nicht zur Erhaltung des Lebensstandards im Alter ausreichen wird und zusätzliche Vorsorge notwendig ist. Zwar ist das Problembewusstsein trotz jüngerem Durchschnittsalter höher als bei Deutschen, die Kenntnisse über alle Formen der Altersvorsorge sind jedoch geringer. In der Folge droht der Gruppe der Migranten auch zu einem wesentlich höheren Prozentsatz Altersarmut, die Durchschnittserwartung an die Altersrente liegt bei den Migranten bei durchschnittlich 703 Euro für Männer und 356 Euro bei Frauen. Zum Vergleich: In der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung liegen die durchschnittlichen Werte bei 1057 bzw. 528 Euro, so das DIA weiter.
"Grenzüberschreitende" Altersvorsorge
"Die Altersvorsorge für Türkeistämmige ist zumeist transnational orientiert", betonten die Autoren weiter. Daraus ergeben sich Besonderheiten wie der häufige Immobilienerwerb in der Türkei und die Zurückhaltung etwa bei der Riester-Rente, deren Bezug im Ausland nur zu Teilen möglich ist. Um drohende Rentenlücken zu schließen, können sich mehr als die Hälfte der über 18-jährigen auch einen Lebensabend in der preisgünstigeren Türkei vorstellen. Allerdings realisiert diese Möglichkeit von den heutigen Rentnern nur jeder Siebte. Religiöse und kulturelle Differenzen spielen beim Thema Altersvorsorge hingegen kaum eine Rolle. Auch wenn 70 Prozent sich als religiös bezeichnen, sind islamkonforme Anlagen nur knapp 40 Prozent der Befragten wichtig. Starke Unterschiede zeigen sich jedoch zwischen den Geschlechtern: Anders als in der Gesamtbevölkerung beschäftigen sich Frauen mit einem türkischen Hintergrund deutlich seltener mit dem Thema Altersvorsorge als Männer, sind weniger informiert, handeln seltener und erwarten geringere Renten. Auch im Verhältnis zum Staat zeigen beide Gruppen deutliche unterschiede. Während die Eigenverantwortung bei den Türkeistämmigen einen höheren Stellenwert genießt als bei Deutschen, vertrauen sie dem Staat in puncto Altersvorsorge am meisten, Banken und Versicherungen am wenigsten. So sollten vor allem staatliche Stellen die Beratungsangebote zum Thema Altersvorsorge ausbauen. "Produkte mit kleinen Sparraten haben dabei ganz klar Priorität, denn gerade Jüngere und Frauen haben wenig Einkommen und damit die größten Lücken", so DIA-Sprecher Bernd Katzenstein abschließend.
Die aktuelle DIA-Studie "Altersvorsorge der türkeistämmigen Bevölkerung in Deutschland" kann angefordert werden unter der Internet-Adresse: www.dia-vorsorge.de.

























