22. 05. 2012
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Erziehungswissenschaftler veröffentlicht Kölner Studie über die Grundlagen des friedlichen Zusammenlebens
Die Deutschen sind in der überwiegenden Mehrzahl aufgeschlossen und sehr selbstkritisch. In einer aktuellen Studie hat sich der Kölner Erziehungspsychologe Prof. Dr. Ulrich Schmidt-Denter mit der Einschätzung der Deutschen zu den Migranten und umgekehrt beschäftigt. Seine Ergebnisse hat der Kölner Wissenschaftler am gestrigen Montag der Öffentlichkeit vorgestellt. In der aktuellen Studie ging der Forscher unter anderem der Frage nach, wie aufgeschlossen die Deutschen gegenüber ihren ausländischen Mitbürgern sind. Die auf zehn Jahre angelegte Forschung des Lehrstuhls für Entwicklungs- und Erziehungspsychologie unter der Leitung Schmidt-Denters hat Einstellungen zweier Generationen in Deutschland mit zehn europäischen Nachbarländern verglichen. Über 6000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit und ohne Migrationshintergrund wurden zu ihren fremdenfreundlichen und fremdenfeindlichen Haltungen befragt. Die Ergebnisse spiegeln dabei ein Stück Normalität wieder.
Und sie sind im Kern klar und eindeutig. Deutsche Jugendliche und ihre Eltern nehmen hinsichtlich der Ausprägung von Fremdenfeindlichkeit (Xenophobie) und Antisemitismus innerhalb des europäischen Rankings einen unauffälligen mittleren Platz ein. Andererseits sind die Deutschen aber offenbar ausgesprochen fremdenfreundlich. Nach Werten für Fremdenfreundlichkeit (Xenophilie) befragt, belegen die Deutschen europaweit einen unangefochtenen Spitzenplatz. Nirgendwo sonst finden fremdenfreundliche Statements so viel Zustimmung wie in Deutschland. Gleichzeitig sind die Deutschen aber sehr selbstkritisch. Die negative Haltung sich selbst gegenüber lässt sich nach den empirischen Kriterien der Studie sogar als „typisch deutsch“ bezeichnen. Beispielsweise wird der Aussage „Ausländer haben viele positive Eigenschaften, die uns Deutschen fehlen“ sehr viel häufiger zugestimmt als bei den europäischen Nachbarn, erläuterten die Autoren.
Ein weiteres Ergebnis der Studie dürfte jedoch so manchem Vorurteil widersprechen. So erteilt der Wissenschaftler Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt mit fremdenfeindlichem Hintergrund eine deutliche Absage. „Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass eine Schuld- und Schamgefühle induzierende Erziehung und eine Dekonstruktion sozialer und nationaler Bindungen sich nicht nur auf die Deutschen ungünstig auswirken. Das ständige Kultivieren negativer deutscher Selbstbeschreibungen wirkt auch auf integrationswillige Zuwanderer verstörend“, so die Einschätzung des Wissenschaftlers. Bereits anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006 hatte der Erziehungswissenschaftler nachgewiesen, dass vor allem das Gemeinschaftsgefühl gestärkt werden soll, im Guten wie im Schlechten. So könnte der gemeinsame Kampf gegen rechtsextreme Gewalt durchaus gemeinschaftsfördernde Wirkungen haben. Kritisch sieht der Wissenschaftler hingegen die Auftritte türkischer Politiker in Deutschland. Deren Reden könnten möglicherweise das Gefühl wechselseitiger Entfremdung noch fördern.

























