22. 05. 2012
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IFH-Studie: Konsumenten handeln widersprüchlich
Trotz der Kritik verzeichnen die so genannten Billig-Discounter im Textileinzelhandel weiterhin gute Umsätze. Zwar sprechen sich in Deutschland inzwischen rund drei Viertel der Befragten für sozial und ökologisch unbedenkliche Produkte aus. Dieser Anspruch wird jedoch durch das konkrete Kaufverhalten der Konsumenten konterkariert. Denn nach wie vor kaufen viele Deutsche weiterhin beim Lebensmittel-Discounter ein. Dabei hatten in den vergangenen Monaten immer mehr Nachrichten über die Arbeitsbedingungen in den Handelsketten, aber auch in den Herstellerländern der Produkte gegeben. Auf das Kaufverhalten scheint das indes kaum einen Einfluss zu haben, wie das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) nun festgestellt hat. In einer Untersuchung kamen die Autoren der Studie zu einem klaren Ergebnis: Der Anspruch der Konsumenten nach sozial und ökologisch unbedenklichen Konsumgütern und das tatsächliche Kaufverhalten klaffen eklatant auseinander. Mehr als drei Viertel aller Verbraucher legen beim Einkauf Wert darauf, dass die Waren nach umweltverträglichen Aspekten hergestellt werden. Zudem befürworten die Konsumenten, das die Produkte in Bezug auf die Arbeitsbedingungen fair sind und soziale Mindeststandards ("Code of Conduct") erfüllen. Kinderarbeit ist tabu. Doch die aktuellen Marktzahlen des IFH belegen: gekauft wird weiterhin im preiswerten Segment.
Insgesamt halten 23,9 Prozent aller befragten Verbraucher Nachhaltigkeitsaspekte für wichtig, sogar 54,5 Prozent für sehr wichtig. Überdies zeigen andere Studien, dass die Mehrzahl der Kunden etwa auf Schadstoffe in Textilien oder auf fair gehandelte Produkte achtet und bereit sei, für "nachhaltige und bessere" Waren auch höhere Preise zu zahlen. "Im Grunde möchte der Kunde ein reines Gewissen beim Kauf haben, aber im Ergebnis entscheidet er sich für den günstigeren Preis", erklärt IFH-Geschäftsführer Boris Hedde diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Seit dem Jahr 2000 sinkt laut IFH der durchschnittliche Anteil der privaten Konsumausgaben für Bekleidung und Schuhe (aktuell gut 5,3Prozent) kontinuierlich. Die Konsumenten geben immer weniger Geld für Ihre Bekleidung aus. "Der Trend ist in Deutschland eindeutig. Der Markt polarisiert sich in einen Qualitäts- und einen Preismarkt", betonte Hedde. Während der qualitätsorientierte Fachhandel zunehmend Marktanteile verliert, wachsen unter den Filialisten vorwiegend die preisorientierten Textildiscounter, die auch zunehmend im Sperrfeuer der öffentlichen Kritik stehen. Der Teil des Bekleidungsmarktes, der fast ausschließlich über den günstigen Preis verkauft, habe, so das IFH, seinen Marktanteil seit 2002 verdoppelt und mache mittlerweile mehr als zwölf Prozent des Marktvolumens aus.
"Viele Verbraucher mit geringen Einkommen haben kaum die Wahl, ob sie bei Textildiscountern kaufen oder nicht. Doch der Erfolg bei den Discountformaten hat sich über viele Jahre entwickelt, wobei das Wachstum nicht nur durch die Zielgruppe der niedrigen Einkommensschichten beschleunigt wurde", so Hedde weiter.

























