22. 05. 2012
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Interreligiöses Lernen beginnt im Kindergarten
Aus diesem Grund hat die Stiftung Ravensburger Verlag an Tübinger
Religionspädagogen einen Forschungsauftrag für eine bundesweite Studie
zu interreligiösem Lernen in Kindertagesstätten in Höhe von 225 000
Euro vergeben. Die beiden Tübinger Religionspädagogen Prof. Albert
Biesinger und Prof. Friedrich Schweitzer haben zu dieser Fragestellung
im vergangenen Jahr bereits eine Pilotstudie vorgestellt. Nun sollen
sie auf Basis ihrer damals erzielten Erkenntnisse ihre Forschungen
weiter vorantreiben. Für die Stiftungsvorsitzende Dorothee Hess- Maier
ist die Vergabe dieses Forschungsauftrages ein wichtiges Anliegen. So
müsse die Gesellschaft der nachwachsenden Generation den Blick auf
Probleme richten, die sie gerade im interreligiösen Bereich künftig
lösen müssen. Das alltägliche Zusammenleben in den Kindertagesstätten
ist derzeit von großer Unsicherheit geprägt: Was wird gegessen - wie
wird gefeiert - welche Rituale werden ausgegrenzt - welche Eltern
beschweren sich - welche Interessen aber haben die Kinder? Diese Fragen
stellen sich nicht nur die Kinder selbst sondern auch die anderen
Beteiligten – Eltern und Pädagogen.
Eine der grundlegenden bildungspolitischen Fragen besteht darin, in
welcher Qualität Kinder religiöse Orientierung und
Verständigungskompetenz lernen können. Die bisweilen vorherrschende,
oft aus Unsicherheit entstehende Praxis, religiöse Fragen der Kinder
gänzlich auszuklammern, ist im Blick auf die Orientierungsleistungen,
die Kindern abverlangt werden, kritisch zu hinterfragen. Hierfür ein
Beispiel: Christliche Kinder weigern sich, ein Wurstbrot in den
Kindergarten mitzunehmen. Auf die Rückfrage der Mutter kommt dann die
Antwort: "Dann komme ich in die Hölle...". Der Grundhierfür ist einfach
erklärt. Bereits im Kindergarten diskutieren muslimische und
christliche Kinder untereinander religiöse Bedeutungen, die sie aus
ihrem Elternhaus übernommen haben. Diese und ähnliche Erfahrungen
machen interreligiöses Lernen mit dem Ziel der Verständigung und
gegenseitigen Wertschätzung in den Kitas mehr als notwendig. Außerdem
erfordern sie dringend empirische Analysen über die angestauten
Probleme sowie die Erstellung von Materialien für die Aus- und
Weiterbildung von Erzieherinnen. Die repräsentative Anlage der Studie
ermöglicht zum ersten Mal einen Einblick in die Probleme der
Erzieherinnen und Kinder, wobei die Zusammenarbeit mit der muslimischen
und jüdischen Religionspädagogik Dialogebenen "auf gleicher Augenhöhe"
anstrebt.
Die Stiftung Ravensburger Verlag fördert Bildungsprojekte mit der Idee,
Innovationen anzustoßen und Themen zu setzen, die gesellschaftlich noch
nicht genügend im Blick sind. Am 1. Oktober 2008 ist in Frankfurt ein
großer Kongress für Erzieherinnen zum Thema "Mein Gott - Dein Gott -
Kein Gott".

























