22. 05. 2012
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ISM: Schreib- und Lesekompeten von Jugendlichen und Studierenden lässt nach
Schon vor mehr als einem Jahrzehnt machte das Schlagwort der Infomations- und Wissensgesellschaft die Runde. Doch das führt nicht zwangsläufig zu positiven Entwicklungen, wie die Dortmunder International School of Management (ISM) festgestellt hat. Dr. Andreas Belwe, Dozent für wissenschaftliches Arbeiten und Business Ethics geht sogar noch einen Schritt weiter. Seine These: „Die Schreib- und Lesekompetenz von Jugendlichen und Studenten wird zunehmend schlechter“, so der Kommunikationsfachmann. In einem Fachartikel in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift "Psychologie Heute" identifizierte Belwe Ausdauer, Konzentration und Disziplin als wichtige Eigenschaften, die für das Lesen und Schreiben benötigt werden - heutzutage aber immer seltener anzutreffen sind. "Alles soll möglichst schnell gehen, am besten auf einen Klick zu haben sein, doch das funktioniert beim Lesen und Schreiben nicht", so der ISM-Dozent.
In Zeiten von Twitter & Co. Wird Schreiben zunehmen als lästige Aufgabe und nicht als schöpferischer Prozess angesehen. Vielfach fehlt es aber schlicht an Übung. Der Einzug der SMS in die alltägliche Praxis und die dadurch bedingte Beschränkung auf Symbole, die lange Zeilen ersetzen, werden in der verschrifteten Kommunikation immer wichtiger. Bei längeren Texten häufen sich so die Fehler bei Grammatik, Interpunktion, Wortwahl und Orthografie. Mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Studierenden haben mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen, so die Einschätzung Belwes. Gerade bei Bachelor- oder Masterarbeiten kommen noch weitere Schwierigkeiten dazu. So nimmt es kein Wunder, dass immer mehr Studierende sich die entsprechenden Textbausteine aus dem Internet herunterladen und per copy & paste zu ihren eigenen Gedanken machen.
Internet: Eine geniale Erfindung mit Schönheitsmakel
Ein wesentlicher Treiber dieser Veränderung ist das Internet als neues Massenmedium. Der ISM-Dozent kommt dabei zu einer überraschend positiven Einschätzung. "Das Netz ist zweifellos eine geniale Erfindung, das vieles möglich macht. Allerdings muss es Werkzeug bleiben und darf nicht als Spielzeug das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft dominieren", rät Belwe. Der Kommunikationsfachmann hat dabei einen ebenso simplen wie einleuchtenden Tipp. Nach der Informationsaufnahme sollte „das Netz aus- und das Selbstdenken eingeschaltet werden“. Das aber funktioniert in heutiger Zeit immer seltener. Stattdessen wird das Internet zur ungefilterten Informationsaufnahme genutzt, die Computersprache dient dabei auch nicht gerade einer exakteren Ausdrucksfähigkeit. „Die Abhängigkeit von neuen Medien versetzt viele Studenten in einen regelrechten Zustand der Schreckbereitschaft“, wie der ISM-Dozent weiter vermutet. „Eine Gesellschaft, in der vieles auch beliebig geworden ist, erscheint locker. Doch die damit verbundene Vagheit, Vielzahl von Optionen und die Marotte, sich am besten auf nichts festlegen zu wollen, schlägt sich in der Sprache nieder. Wir bewegen uns in einer sprachlichen Grauzone, in der wenig konkret werden kann", so Belwe weiter.
Aber nicht nur Studierende hat sich der Kommunikationsfachmann zu Gemüte geführt. Auch beim jugendlichen Nachwuchs lässt sich der Effekt beobachten. Auch hier haben die neuen Medien in einem vielleich nocht stärkeren Maße das Lese- und Schreibverhalten revolutioniert. Doch dabei sind Internet & Co. keineswegs die alleinige Ursache. Belwe sieht hier die Eltern in einer besonderen Verantwortung. Sie sollten ihren Kindern Vorbild in Sachen Lesen und Schreiben sein. Doch auch hier scheinen sich die Defizite tendenziell eher zu vergrößern, wie der Experte befürchtet. Dabei ist es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern sprechen und ihnen auf diesem Wege etwas beibringen. Mängel, die hier ihren Ursprung haben, lassen sich auch in der Schule kaum lösen. Gerade über Sprache – ob in mündlicher oder schriftlicher Form – wird auch die Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden bestimmt. Ziel pädagogischer Konzepte müsse daher sein, den Schülern und Studierenden die Scheu, ja die Angst vor dem Schreiben als kreativem Akt zu nehmen.

























