22. 05. 2012
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ÍW: Hausgemachte Probleme und ungenutzte Spielräume
Griechenland und Portugal haben eine gewichtige Chance verspielt. Zu dieser etwas provokanten
Einschätzung kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Die Wirtschaftsexperten des arbeitgebernahen Wirtschaftsforschungsinstituts spielen dabei auf die stark negativen Leistungsbilanzsalden dieser Staaten an. Beide, vor allem Griechenland, leiden derzeit unter der Schuldenkrise, die hier auch zu einer heftigen Wirtschaftskrise geworden ist. So sinkt das Bruttoinlandsprodukt in Griechenland voraussichtlich auch in diesem Land erneut mit einem Prozentsatz, die in Deutschland als “überhistorisch” bezeichnet würde. Doch die heutigen Probleme sind hausgemacht und waren damit absehbar, so die IW-Experten.
Eigentlich hatte die Einführung des Euro den heutigen Krisenstaaten eine große Chance geboten. Schon die Ankündigung der neuen Währung ließ ab etwa 1995 die Zinsaufschläge kräftig sinken, die die Südländer - verglichen mit Deutschland - auf Staatsanleihen zahlen mussten. Damit verringerten sich die Zinslasten erheblich: Der griechische Staat etwa musste 2005 nur noch 4,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Zinszahlungen aufwenden, gegenüber mehr als elf Prozent Mitte der 1990erJahre. Die Griechen und auch die Portugiesen nutzen den dadurch vergrößerten Spielraum jedoch nicht aus, so die Kritik des Kölner Forschungsinstituts. Doch statt wachstumsfördernde Investitionen anzukurbeln, wurden vor allem die Sozialausgaben zum Teil massiv ausgeweitet, in Griechenland etwa von 19 Prozent des BIP im Jahr 1995 auf mehr als ein Viertel im Jahr 2007. In Portugal stieg die Sozialausgabenquote ähnlich stark an. Beide Länder trieben damit bereits vor der jüngsten Krisen-Zuspitzung die gesamten Staatsausgaben in die Höhe, so das Argument der Wirtschaftsforscher.
Die ausführliche Untersuchung der Wissenschaftler Berthold Busch, Michael Grömling, Jürgen Matthes gibt es im Internet des IW auf zu kaufen. Die Auswertung trägt den Titel: „Ungleichgewichte in der Eurozone - Ursachenanalyse und wirtschaftspolitische Empfehlungen“, IW-Analysen Nr. 74, Köln 2011, 114 Seiten, 19,90 Euro. Weitere Informationen finden sie im Internet unter: www.iwmedien.de.

























