22. 05. 2012
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IZA-Studie: Rezession sorgt bei Neugeborenen für höheres Infarktrisiko
Wenn zum Zeitpunkt der Geburt eines Kindes ungünstige wirtschaftliche
Rahmenbedingungen herrschen, führt dies der Untersuchung zufolge zu
einem deutlich höheren Risiko, dass die betreffende Person später an
Herz-Kreislauf-Erkrankungen stirbt. Kinder, die in Rezessionszeiten
geboren wurden, sterben im Durchschnitt 15 Monate früher als
diejenigen, die unter besseren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zur
Welt kamen, so das Ergebnis der Studie. IZA-Programmdirektor Gerhard
van den Berg von der Freien Universität Amsterdam hatte sich nach
Bekanntwerden des Zusammenhangs auf die Suche nach möglichen Ursachen
gemacht.
In ihrer Analyse griffen die Forscher auf Daten von Individuen zurück,
die um das Jahr 1900 geboren wurden. Das sei notwendig, um langfristige
Aussagen treffen zu können, argumentierten die Forscher. Als besonders
geeignet erwiesen sich dabei Daten vom Leben dänischer Zwillinge, die
über die gesamtes Lebensspanne hinweg dokumentiert wurden. Besonders
diejenigen, die in Zeiten der Rezession auf die Welt gebracht wurden,
scheinen für tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen im hohen Alter
besonders anfällig zu sein. . "Erstaunlich ist, dass die negativen
gesundheitlichen Auswirkungen einer Geburt in Rezessionszeiten oft erst
siebzig bis achtzig Jahre später bemerkbar werden", so Gerard van den
Berg. Erst ab einem Lebensalter von 70 Jahren stellten die
Wissenschaftler ein deutlich höheres Risiko einer tödlichen Erkrankung
fest.
Eine mögliche Erklärung sei die unzureichende Ernährung und mangelnde
medizinische Betreuung während der Krisenzeiten. Ein rezessionsbedingt
geringes Haushaltseinkommen ist offenbar weniger schädlich für die
langfristige Gesundheit eines Neugeborenen, sofern in der Umgebung gute
Gesundheits- und Hygieneeinrichtungen vorhanden sind. Eine zweite
Ursache könnte darin liegen, dass sich der Stress, dem die Eltern eines
Neugeborenen in wirtschaftlich schlechten Zeiten ausgesetzt sind, auf
die Kinder übertragen und die Anfälligkeit für Herzkrankheiten erhöhen
kann. Allerdings lassen sich die Ergebnisse der Analyse nicht ohne
Weiteres auf heute Geborene übertragen, so die Forscher weiter. Nicht
zu geringe, sondern eher falsche Ernährung und eine neue Form des
Stresses scheinen aber auch heute einen gewissen Einfluss auf die
Gesundheit der nachwachsenden Generation ausüben. Allerdings wiegt das
niedrige Geburtsgewicht in den frühen Lebensjahren nach Meinung der
Wissenschaftler deutlich mehr. Die Wissenschaftler fordern eine frühere
Vorbeugung bei Menschen, deren Geburt in eine wirtschaftlich schwierige
Phase fällt. Sie sollen zukünftig bereits in einem deutlich früheren
Alter auf Herz-Kreislauf-Krankheiten untersucht werden. Auch Programme
für eine gesündere Ernährung sind sinnvoll, meinen die Experten.
Der Volltext der englischsprachigen Studie finden Sie auf der IZA-Homepage unter: ftp.iza.org/dp3635.pdf.

























