22. 05. 2012
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Kölner Forscher sind Nebenwirkungen eines Cholesterinsenkers auf der Spur
Der Wirkstoff Ezetimib hat möglicherweise negative Nebenwirkungen. In einem am heutigen Montag veröffentlichten Studie äußerten Medizinforscher der Kölner Universitätsklinik den Verdacht, dass der Arzneistoff möglicherweise die Entstehung von Artherosklerose begünstigen kann. Der Forschungsbericht wurde in der heute erschienen Ausgabe des European Heart Journal, dem offiziellen Organ der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ESC, der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach Angaben des Herstellers MSD Sharp & Dohme soll der Wirkstoff die Resorption des Cholesterns an der Zellwand des Dünndarms hemmen. Verabreicht wird Ezetimib zumeist mit Statinen, so dass die cholesterinsenkende Wirkung verstärkt wird. Während Statine in verschiedenen Studien seine verringernde Wirkung des Herzinfarkt-Risikos und damit eine verringerte Sterblichkeit bereits nachgewiesen hat, gab es bislang keine vergleichbaren Studien, die entsprechende Endpunkte für den Wirkstoff Ezetimib isoliert untersucht haben. Diese Lücke glauben die Kölner Forscher der Medizinischen Klinik II unter Leitung von Prof. Dr. Wilhelm Krone nun geschlossen zu haben.
Zwei vor kurzem erschienene Studien, in denen die Veränderung der Dicke der Arterienwand untersucht wurde, verliefen nach Angaben der Landesklinik enttäuschend: Obwohl durch die zusätzliche Gabe von Ezetimib zu einem Statin beziehungsweise zu Nikotinsäure (einem anderen Lipidsenker) das LDL-Cholesterin weiter abgesenkt wurde, hatte diese Therapie keinen Einfluss auf das Fortschreiten der Atherosklerose (Arterienverkalkung). Die Forscher konnten sich diese Ergebnisse bisher nicht so recht erklären. "Vielleicht ist unsere neue Studie der fehlende Mosaikstein, um zu verstehen, warum die erwarteten günstigen Effekte trotz weiterer Cholesterinsenkung ausgeblieben sind", sagt die Leiterin der Studie, die Kölner Endokrinologin Professor Ioanna Gouni-Berthold. Insgesamt wurden 72 Patienten der Kölner in drei Gruppen behandelt. Eine Gruppe erhielt nur den Wirkstoff Ezetimib, die andere wurde ausschließlich mit Statinen behandelt, eine weitere Kontrollgruppe erhielt eine Kombinationen beider Wirkstoffe. Dabei wurde die Zusammensetzung der Lipide des LDL (LDL, deutsch: Lipoproteine niedriger Dichte) im Blut untersucht. Es ist bekannt, dass ein erhöhter Anteil von besonders kleinen, dichten LDL-Partikeln (sogenannte small dense LDL) mit einem erhöhten Risiko für Atherosklerose verbunden ist. Es scheint so, dass unter Ezetimib gerade dieser Anteil relativ zunimmt, trotz Senkung des LDL-Spiegels. Das Statin hingegen senkte diesen Anteil, aber wenn die beiden Arzneimittel zusammen verabreicht wurden, wird diese günstige Wirkung des Statins durch Ezetimib aufgehoben.
Unterstützung erhielten die Kölner Forscher von Kollegen aus Zürich. Unter Leitung von Dr. Kaspar Berneis wurden die kleinen dichten LDL-Partikel untersucht. "Wir warten gespannt auf die Ergebnisse großer laufender Studien mit Ezetimib, welche nicht nur die Beeinflussung des Lipidprofils im Labor messen, sondern die auf kardiovaskuläre Endpunkte – wie Herzinfarkt – hin ausgelegt sind. So ist es möglich herauszufinden, welche Therapie in der Tat dem Patienten auf lange Zeit nutzt", erköärte Gouni-Berthold. "Wenn wir eines aus den Lipidsenker-Studien der letzten Zeit gelernt haben, so ist es die Erkenntnis, dass diese Arzneimittel neben ihren cholesterinsenkenden Eigenschaften noch andere, unabhängige Wirkungen haben können, die nicht immer nur zum Vorteil des Patienten sind", sagt Prof. Heiner Berthold, Lipid-Spezialist an der Charité in Berlin und einer der Mitautoren der Studie.
Der Wirkstoff Ezetimib ist seit über sieben Jahren auf dem Markt und wird in Deutschland mit fast 100 Millionen sogenannten definierten Tagesdosen verschrieben. Kritiker sind der Ansicht, dass die Verschreibung, gemessen am gesicherten klinischen Nutzen, zu häufig erfolge und die Kosten dafür unverhältnismäßig hoch seien. Der Artikel ist in englischer Sprache veröffentlicht und trägt den Titel: "Ezetimibe alone or in combination with simvastatin increases small dense low-density lipoproteins in healthy men: a randomized trialâ€.

























