22. 05. 2012
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Kölner Sozialforscher widerspricht Mediendarstellung
Der Forschungsbericht Nummer 109 des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen trug den Titel "Kinder und Jugendliche in Deutschland: Gewalterfahrungen, Integration, Medienkonsum". In Kapitel 4 ging die Studie unter anderem auf den Zusammenhang zwischen Religion, Integration und dem Auftreten von abweichendem Verhalten ein. Wie der Kölner Sozialforscher Ulrich Paffrath vom Forschungszentrum für Religion und Gesellschaft (forege) nun richtig stellte, gibt es auch in der Studie keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Religiosität und Gewaltbereitschaft junger Muslime. Verschiedene Medien hatten dies jedoch völlig anders dargestellt. Sie stellten einen kausalen Zusammenhang dar, obwohl der aus der Studie so gar nicht ersichtlich sei. Für die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen aus diesem Milieu seien vielmehr andere Gründe entscheidend, kritisierte der Kölner Sozialforscher.
Doch auch so berge die Studie jede Menge pikante Details. So ging die Untersuchung unter anderem der Frage, welchen Einfluss Imame und ihre in den Predigten vermittelten Werte auf die jungen Muslime der zweiten und dritten Einwanderergeneration haben. Paffrath hat jedoch erhebliche Zweifel, ob dieser Zusammenhang überhaupt existiert. Als mögliche Gründe für Gewaltbereitschaft gebe es andere Gründe, die aus seiner Sicht wesentlich plausibler sind. So haben seiner Meinung nach "gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen", der Grad an Integration sowie die Freundschaft zu mehr als fünf delinquenten Freunden einen besonderen Einfluss auf die eigene Gewaltbereitschaft. Religion in Form von Identifikation spielt zwar auch eine Rolle, aber nach Ansicht des Kölner Psychologen eher eine untergeordnete. Vor allem die Abschottung in eigenen Milieus sowie die Häufigkeit gewaltlegitimierender Umgangsformen spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Hinwendung zur Religion kann auch als Folge eines Erwartungsdrucks der Elterngeneration angesehen werden, was den kausalen Zusammenhang eher abschwächt. Die Hinwendung vieler Jugendlicher zur Religion ist zugleich, auch das fand die Studie heraus, ein Stück Identitätsfindung sein. Schließlich wird die Religion des Islam zunehmend "angstbehaftet" wahrgenommen.
Paffrath sieht in seiner Stellungnahme eher eine Mischung aus verschiedenen Ursachen als wahrscheinlich an, warum die Gewaltbereitschaft mit steigender Religiosität zunimmt. Ein Erklärungsversuch, wonach die durch Imame praktizierte Religiosität Ursache für die Zunahme an Gewaltbereitschaft ist, greift seiner Meinung nach zu kurz. Für den Kölner Sozialforscher sind hier andere Ursachen entscheidend. "Zieht man für die Interpretation der Ergebnisse weitere soziologische Theorien und Forschungsergebnisse heran, so spricht einiges dafür, dass der Faktor Religion direkt oder indirekt keine Erklärungskraft bezüglich einer erhöhten Gewalttätigkeit muslimischer Jugendlicher besitzt", so das Fazit des Forschungsreferenten.

























