22. 05. 2012
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Länge der Elternzeit hat keinen Einfluss auf beruflichen Erfolg der Kinder
Insbesondere vonseiten der Befürworter wurde immer wieder das Argument
eingebracht, dass eine intensivere Betreuung der Kinder durch ihre
Eltern auch den Lernerfolg der Sprösslinge in Schule, Universität und
Beruf erhöht. Doch die am heutigen Montag veröffentlichte Studie lässt
derartige Rückschlüsse nicht zu. Die Analyse dokumentiert, dass die mit
den bisherigen Reformen einhergegangene schrittweise Verlängerung des
gesetzlich zugesicherten Erziehungsurlaubs auf lange Sicht nur sehr
geringen Einfluss auf den schulischen und beruflichen Erfolg der
betroffenen Kinder genommen hat.
Grundlage für die empirische Untersuchung waren die langfristigen
Auswirkungen von längeren Mutterschaftsurlauben oder Elternzeiten auf
die schulische und berufliche Entwicklung der jeweiligen Kinder
empirisch erforscht. Hierzu studierten die Forscher den Werdegang von
Kindern, die kurz vor und kurz nach verschiedenen Reformen des
Mutterschafts- bzw. Erziehungsurlaubs in Deutschland geboren wurden.
Exemplarisch wurden drei Reformschritte untersucht: die Verlängerung
des bezahlten Mutterschaftsurlaubs von zwei auf sechs Monate im Jahr
1979, die zu Jahresbeginn 1986 erfolgte Verlängerung auf zehn Monate
(unter der Bezeichnung Erziehungsurlaub) sowie die 1992 in Kraft
getretene Verlängerung des unbezahlten Erziehungsurlaubs von 18 auf 36
Monate. Zunächst untersuchten Dustmann und Schönberg dabei den Einfluss
der Reformen auf den Zeitpunkt der Arbeitswiederaufnahme von Müttern.
Tatsächlich zeigt sich bei allen betrachteten Reformen, dass Mütter im
Durchschnitt später ins Berufsleben zurückkehren, also von der
verlängerten Elternzeit Gebrauch machen. In einem weiteren Schritt
analysierten die Wissenschaftler den Einfluss der Reform von 1992
(Verdoppelung des Erziehungsurlaubs auf 36 Monate) auf die Kinder.
Die Studie belegt, dass sich die Wahl der weiterführenden Schule
(Hauptschule, Realschule oder Gymnasium) durch die Verlängerung des
unbezahlten Erziehungsurlaubs nur marginal verändert hat: Der Anteil
der Gymnasiasten erhöhte sich durch die Reform um maximal 0,1 Prozent.
Auch nach der Verlängerung des Erziehungsurlaubs von zwei auf sechs
Monate im Jahr 1979 konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der
längeren Elternzeit und der Wahrscheinlichkeit eines
Hochschulabschlusses der Kinder festgestellt werden. Ebenso wenig
ergaben sich für sie im späteren Verlauf statistisch messbare
Einkommensvorteile. Die aktuelle Studie von Dustmann und Schönberg
widerspricht damit der verbreiteten Annahme, dass eine längere
Elternzeit den Werdegang der Kinder deutlich positiv beeinflusst.
"Unter dem Gesichtspunkt der langfristigen Erfolgschancen von Kindern
spricht wenig dafür, in Deutschland eine weitere Ausdehnung der
Elternzeit anzustreben", resümiert IZA-Fellow Christian Dustmann.
Der Volltext der englischsprachigen Studie, die von der
Deutsch-Britischen Stiftung im Rahmen ihres Programms für nachhaltiges
Wachstum in Europa finanziell gefördert wurde, ist kostenlos über die
IZA-Homepage abrufbar unter: IZA Discussion Paper No. 3605 -
ftp.iza.org/dp3605.pdf.

























