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22. 05. 2012
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Migranten brauchen gezielte Förderung auf dem Arbeitsmarkt


02.08.2010 21:35 von:

Schlagwörter: Köln,Mannheim,ZEW,Studie,Arbeitsmarkt,Förderinstrumente,Arbeitsagentur,Migranten

Menschen mit Zuwanderungshintergrund sind in der Regel deutlich stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als die Gesamtheit aller Deutschen. Um so wichtiger ist es, sich dieser Zielgruppe mit Angeboten zur Verbesserung der beruflichen Qualifizierung zu widmen. Das hat nun eine aktuelle Studie des Zentrums für Wirtschaftsforschung in Mannheim herausgefunden. Bestimmte außerbetriebliche Trainingsmaßnahmen der Jobcenter verhelfen Migranten, die Arbeitslosengengeld II beziehen, schneller zu einem neuen Job. Migranten profitieren besonders von Berufseignungstests und Kursen zur Vermittlung allgemeiner beruflicher Qualifikationen. Letztere erhöhen beispielsweise für Frauen mit Migrationshintergrund die Wahrscheinlichkeit, eine neue Stelle zu finden, um bis zu 13 Prozentpunkte im Vergleich zu einer Situation ohne Förderung. Als weitgehend wirkungslos und zum Teil sogar kontraproduktiv erweisen sich Bewerbungstrainings und Kombinationen aus verschiedenen Maßnahmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie ZEW. Die Studie basiert auf Daten der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2006. Sie vergleicht die Wirkung der Trainingsmaßnahmen auf Migranten und deutsche Grundsicherungsbezieher. Insgesamt wurden dazu rund 160.000 Personen untersucht, teilten die Autoren der Studie am gestrigen Dienstag mit.

Personen mit Migrationshintergrund sind unter den Beziehern von ALG II überproportional stark vertreten. Mit Ausnahme von Sprachkursen werden sie von den Jobcentern in gleicher Weise gefördert wie alle Grundsicherungsbezieher. Sie absolvieren Tests, die ihre Eignung für bestimmte Berufe feststellen, besuchen Kurse in denen allgemeine berufliche Kenntnisse vermittelt werden und durchlaufen Bewerbungstrainings und Maßnahmen, in denen alle drei Trainingselemente kombiniert werden. Die ZEW-Studie zeigt, dass Migranten und Deutsche stark von Tests profitieren, die ihre Eignung für bestimmte Berufe feststellen. So ist die Beschäftigungswahrscheinlichkeit für Frauen mit Migrationshintergrund ein Jahr nach einem beruflichen Eignungstest um etwa fünf Prozentpunkte höher als ohne diesen Test. Dies ist ein substanzieller Effekt, da die durchschnittliche Abgangswahrscheinlichkeit aus dem Bezug von ALG II über alle Personen bei etwa 20 Prozent liegt, bei Migrantinnen jedoch nur bei etwa zehn Prozent. Frauen ohne Migrationshintergrund profitieren durch Eignungsfeststellungen mit einer um bis zu zehn Prozentpunkte höheren Beschäftigungschance sogar noch stärker. Ebenso deutlich sind die Beschäftigungswirkungen von Eignungsfeststellungen auf Männer. Egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund, die Beschäftigungswahrscheinlichkeit für sie steigt um bis zu zehn Prozentpunkte, stellte die Studie fest.

Auch die Vermittlung von allgemeinen beruflichen Kenntnissen wie Maschinenschreiben oder kaufmännische Kenntnisse erhöht die Beschäftigungschancen. Die Wahrscheinlichkeit, eine neue Stelle zu finden, liegt für Frauen mit Migrationshintergrund ein Jahr nach Trainingsbeginn um fast 13 Prozentpunkte über der Beschäftigungswahrscheinlichkeit von ungeförderten Migrantinnen. Bei den Frauen ohne Migrationshintergrund liegt die Beschäftigungswahrscheinlichkeit lediglich sechs Prozentpunkte höher. Für Männer ergibt sich ein umgekehrtes Bild: einheimische Hilfebedürftige profitieren stärker als Migranten. Bewerbungstrainings haben bei Männern keine signifikante Wirkung auf den Arbeitsmarkterfolg. Dies gilt unabhängig vom Migrationshintergrund. Frauen ohne Migrationshintergrund ziehen dagegen einen positiven Nutzen aus solchen Trainings, während die Beschäftigungschancen von Migrantinnen im ersten halben Jahr nach Maßnahmebeginn negativ beeinflusst werden. "Dieser negative Effekt erklärt sich möglicherweise daraus, dass Migrantinnen vollkommen anders bei der Jobsuche vorgehen. Während deutsche Frauen vorzugsweise auf Stellenangebote in Zeitungen und Onlinebörsen antworten, gehen Migrantinnen eher in ihrem persönlichen Umfeld oder durch Hörensagen von Freunden und Bekannten auf Jobsuche. Damit sind schriftliche Unterlagen oder formale Vorstellungsgespräche meist hinfällig und die Trainingsangebote der Jobcenter laufen ins Leere", sagt ZEW-Projektleiter Thomas Walter.

Schließlich zeigt die Studie, dass von der Kombination verschiedener Aktivierungsmaßnahmen nahezu keine Beschäftigungswirkung ausgeht – weder für Migranten noch für Personen ohne Migrationshintergrund. "Die Ergebnisse machen deutlich, dass Eignungsfeststellungen sowie die Vermittlung allgemeiner beruflicher Fähigkeiten Migranten und Deutschen helfen, schneller aus dem Bezug von ALG II herauszukommen und eine Beschäftigung aufzunehmen," erklärte Walter. Sein Rat: Die Jobcenter sollten die ZEW-Ergebnisse zum Anlass nehmen, Bewerbungstrainings und Maßnahmekombinationen kritisch zu überprüfen.







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