22. 05. 2012
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Studie: Bis zu knapp 1,5 Milliarden Euro für Nachhilfe
Weit über eine Million junge Menschen erhalten nach ihrem regulären Unterricht regelmäßig Nachhilfestunden. Das fand nun die Bertelsmann-Stiftung in einer aktuellen Studie heraus. Pro Jahr müssen Familien für die Nachhilfestunden ihrer Sprösslinge rund 1,5 Milliarden Euro. Damit ist die Nachhilfe längst auch zu einem lukrativen Wirtschaftszweig geworden. Neben den professionellen Anbietern bietet die Unterrichtung in den verschiedenen Schulfächern auch zahlreichen Studierenden die Möglichkeiten für einen zusätzlichen Broterwerb während ihrer Studienzeiten. Immer häufiger nutzen Eltern den individuellen Förderunterricht bereits, wenn ihre Kinder noch zur Grundschule gehen, so ein weiteres Ergebnis der Studie.
Die Studie der beiden Bildungsforscher Klaus und Annemarie Klemm im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung fand heraus, dass viele Eltern bereits vor der Grundschulempfehlung auf das Mittel des individuellen Förderunterrichts zurückgreifen. Ziel ist es dabei, ihren Kindern den Gang auf eine höhere Schule zu ermöglichen. 14,8 Prozent der Viertklässler erhalten demnach Nachhilfe in Deutsch, wie eine Sonderauswertung der IGLU-Studie aus dem Jahr 2006 herausfand. Die Spanne reicht von einem Anteil von 18,5 Prozent in Baden-Württemberg bis zu 8,8 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Allerdings besteht weiterhin eine große Dunkelziffer, denn viele Nachhilfelehrerinnen und –lehrer verdienen sich während des Studiums ein Zubrot durch Förderunterricht. So konnten die beiden Autoren der Studie folgerichtig keine exakten Zahlen zu den Gesamtausgaben benennen. Schätzungen der beiden Bildungsforschern liegt die Spanne zwischen 942 Millionen und 1,468 Milliarden Euro pro Jahr. Pro Schüler gebe es demnach ebenfalls deutlich regionale Unterschiede. In Hamburg sollen die Nachhilfeausgaben mit 131 Euro pro Schüler besonders hoch sein. Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (108 Euro) liegen die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt mit jeweils 74 Euro.
Die negative Einstellung gegenüber Nachhilfe hat sich indes im Laufe der vergangenen Jahre spürbar gewandelt. Allerdings zeigt sich nach Ansicht der Autoren hierin auch ein Faktor der vielzitierten Bildungsungerechtigkeit. Wohlhabende Eltern haben eher die Möglichkeit, den individuellen Einzelunterricht durch qualifiziertes Fachpersonal zu finanzieren. "Die große Bedeutung des Nachhilfeunterrichts ist ein ernstzunehmendes Signal", erklärte Dr. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Die starke Nachfrage nach privatem Ergänzungsunterricht ist zudem ein deutlicher Ausdruck dafür, dass Eltern mit dem Schulsystem unzufrieden sind: Würde die Schule den Anforderungen an eine optimale Bildung nachkommen, wäre Nachhilfe eigentlich überflüssig. Allerdings konnten die Verantwortlichen aufgrund der großen Spanne zwischen Unter- und Obergrenze der geschätzten Nachhilfekosten keine eindeutige Trendaussage treffen. In anderen Ländern, die nach den internationalen Vergleichsstudien über eine wesentlich größere Bildungsgerechtigkeit verfügen, spielt Nachhilfe hingegen kaum eine Rolle. Zwar betonen die Schulminister aller deutschen Ländern die Bedeutung individueller Förderung. Die Milliardenumsätze der Nachhilfeindustrie machen aber deutlich, dass die Ankündigungen der verantwortlichen Bildungspolitiker nicht wirklich der Realität entsprechen. Die Forderung der Bertelsmann-Stiftung ist daher eindeutig. "individuelle Förderung muss die Basis jedes Schulunterrichts werden", so Stiftungs-Vorstand Dräger abschließend.

























