22. 05. 2012
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Studie: Firmen und Forschung sorgen für Zuwachs in deutschen Großstädten
Die deutsche Bevölkerung schrumpft, aber nicht alle sind davon gleichermaßen betroffen. Diese nicht völlig neue Erkenntnis war Ausgangspunkt einer Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) mit Sitz in Bonn. Vor allem die pulsierenden Metropolen in Deutschland gewannen in den vergangenen Jahren deutlich an Einwohnern hinzu. So verzeichneten die zehn am stärksten wachsenden Großstädte zwischen 2002 und 2009 ein Plus von rund 350.000 Einwohnern. Besonders kräftig wuchsen München (+120.000) Dresden (+45.000), Berlin (+38.000), Stuttgart (+35.000), Köln (+30.000) und Hamburg (+24.000). Das ist aber nur eines der Ergebnisse der Studie.
Die Bonner Forscher haben darüber hinaus für die Analyse kommunalstatistische Daten von 85 Städten bis auf Stadtteilebene ausgewertet. "Der Blick auf die stark wachsenden Großstädte zeigt: Die räumliche Nähe von Firmen und Forschungseinrichtungen fördert Innovationen und Wissenstransfer, sorgt für mehr Unternehmensansiedlungen und damit wirtschaftliches Wachstum. Die Großstädte locken vor allem gut ausgebildete Beschäftigte und Freiberufler an, für die neben dem Beruf auch die Lebensqualität der Städte entscheidend ist", erklärte der Stadtsoziologe Jürgen Göddecke-Stellmann, der im BBSR die Studie geleitet hat. Eine wichtige Rolle für die Attraktivität einer Stadt ist auch die innerstädtische Revitalisierung von Brachflächen. Der wirtschaftliche Strukturwandel, die Konversion militärisch genutzter Flächen und nicht mehr benötigte Verkehrsinfrastruktur haben in den Städten Flächen für neue Stadtquartiere entstehen lassen. Beispiele dafür sind die HafenCity in Hamburg, die Rummelsburger Bucht in Berlin, das Phoenix Areal in Dortmund, der Layenhof in Mainz oder das Vauban-Viertel in Freiburg. Das BBSR hat mehr als 180 solcher Quartiere identifiziert, darunter darf auch das neue Stadtquartier am Rheinauhafen nicht fehlen.
Allerdings spielt die Größe alleine keine Rolle. So haben vor allem Großstädte im Ruhrgebiet erhebliche Einbußen hinzunehmen. So haben die zehn am stärksten schrumpfenden Städte zwischen 2002 und 2009 etwa 160.000 Einwohner verloren. In der Gruppe finden sich sowohl ost- als auch westdeutsche Kommunen, wobei die westdeutschen Städte ausnahmslos im Ruhrgebiet liegen. Rückläufig ist die Bevölkerungszahl besonders in Essen (-24.000), Duisburg (-23.000), Gelsenkirchen (-19.000), Chemnitz (-16.000) und Wuppertal (-16.000). Die schrumpfenden Städte sind zudem besonders von der Alterung der Bevölkerung betroffen. Während die Zahl der Kinder und Jugendlichen in allen Wohnlagen abnimmt, wohnen immer mehr Menschen über 60 Jahren am Stadtrand. "Die Stadtränder überaltern, darauf müssen sich viele Kommunen einstellen. Der Bedarf an Schulen, Kindergärten und -tagesstätten wird dort abnehmen und die Nachfrage nach altengerechten Einrichtungen und Angeboten steigen", so die Schlussfolgerung der Studienleiters.
Die Studie ist in der Reihe "BBSR-Berichte Kompakt" erschienen. Die Ausgabe 9/2011 kann unter dem Stichwort "Renaissance der Großstädte" bei
gabriele.bohm@bbr.bund.de kostenfrei angefordert werden. Eine PDF-Version ist auf der Internetseite des BBSR abrufbar unter: www.bbsr.bund.de.

























