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22. 05. 2012
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Sprachförderung: Migrantenkinder mit Förderbedarf profitieren besonders


03.02.2012 16:00 von:(rk)

Schlagwörter: Studie,Heilpädagogik,Migrantenkinder,Sprachförderung,Kindergarten,Uni

Die Studie der Kölner Humanwissenschaftler stieß bereits vor der gestrigen Vorstellung auf reges Interesse. Bild: Köln Nachrichten

In einer groß angelegten Studie haben Prof. Hans-Joachim Motsch von der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Kölner Universität und Doktorandin Detta Schütz die Sprachförderung an sechs Kölner Kindergärten unter die Lupe genommen. Getestet wurde dabei die Effizienz von Sprachfördermaßnahmen bei Kinder mit und ohne Zuwanderungshintergrund und Förderbedarf. Das aus Sicht der Forscher überraschende Ergebnis: Kinder aus Zuwandererfamilien mit hohem Förderbedarf profitieren besonders von den Sprachfördermaßnahmen. „Die Schwere schließt sich“, bringt der Universitätsprofessor das wichtigste Ergebnis der Studie auf den Punkt.

Am gestrigen Donnerstag stellten er und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin dies und weitere Detailergebnisse der Studie vor. Sie begleiteten dabei knapp 200 Kinder im Vorschulalter über einen Zeitaum von einem knappen Schuljahr begleitete. Dabei wurden die Sprachfertigkeiten anhand gleich mehrerer Methodiken vor und nach der Sprachförderung festgestellt. Neben dem Wortschaft und seinem Verstehen ging es bei den Test auch um die grammatikalische Verknüpfung der Worte. Sechs Kölner Kindergärten mit rund 440 Teilnehmern waren die Basis für die Studie.

Bilderbuch und Inklusion schafft Sprachkompetenz

Drei der sechs Kindergärten wandten bei ihren Sprachfördermaßnahmen die so genannte „Language Route“ an. Diese Methodik kennt keine Trennung zwischen sprachkompetenten und solchen mit Förderbedarf, die Kinder werden vielmehr gemeinsam und in Alltagssituation mit der deutschen Sprache konfrontiert. Zentrales Element der Erzieherinnen und Erzieher ist dabei das Bilderbuch. Damit erlernen die Kinder gemeinsam neue Wörter, diese müssen dann im Gehirn vernetzt werden, damit sie beim späteren Sprachgebrauch richtig benutzt werden, beschrieb Motsch den Hintergrund dieser Methode. Das erhöhe zwar kurzfristig den Bedarf an Schulungen, gilt aber langfristig aber als die günstiger Variante als das derzeit mehrheitlich praktizierte „pull-out“-Verfahren, das derzeit noch an den meisten Kindergärten verwendet wird. Dabei werden die Kinder im Anschluss an die Sprachtests der Delfi-Methodik aus den Gruppen herausgenommen und in Kleingruppen unterrichtet. Kinder, die mithilfe der „Language Route“ gefördert wurden, schnitten dabei in den Tests besser ab als speziell sprachgeförderte Kinder, so eine weitere Erkenntnis.

Bei ihrer Untersuchung waren von den rund 200 begleiteten Kindern jeweils rund 100 in einer Kita mit separierender („pull-out“-Verfahren) und inklusiver („Language Route“) Sprachförderung miteinander verglichen. Die Grundgesamtheit der Untersuchung war ebenfalls repräsentativ gemisch. 30 Prozent kamen aus deutschen Familien, weitere 30 Prozent aus mehrsprachigen Familien, aber mit „vergleichbaren, sprachlichen Leistungen“. 40 Prozent der teilnehmenden Kinder kamen aus Migrantenfamilien und wiesen zu Beginn der Studie einen besonders hohen Förderbedarf auf. Sie sind die, „für die erfolgreiche Sprachförderung am nötigsten ist“. Motsch beziffert den üblichen Sprachschatz eines Sechsjährigen auf rund 10.000 Worte. Um einen Kindergarten für das neue, inklusive Verfahren zu begeistern, sind fünf Fortbildungs-Veranstaltungen alle zwei Wochen (20 Stunden insgesamt) plus Supervision notwendig, wie Detta Schütz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut, ergänzte.

Die drei Kölner Kindergärten, die dieses Verfahren nun einstudiert haben, werden es nicht zuletzt dank der Forschungsergebnisse weiter anwenden, hieß es dazu weiter. 28 Kinder bildeten übrigens eine Konrollgruppe. Ohne Sprachförderung, so das Ergebnis der Abschlusstests, zeigten keinen oder kaum Zuwachs an Sprachkompetenz. Ein weiteres Ergebnis dürfte den Verantwortlichen allerdings noch säuerlich aufstoßen. In der bisher zweitgrößten Studie über die Sprachentwicklung von Vorschulkindern in Kindergärten (die größte wurde in Baden-Württemberg durchgeführt) stellten die Wissenschaftler fest, dass von der Sprachförderung Kinder aus deutschen Familien mehr profitierten als mehrsprachige Kinder mit vergleichbarer Kompetenz. Es könnten den Befürwortern muttersprachlicher Frühförderung ein weiteres Argument an die Hand geben. Die Studie beweist aus Sicht von Motsch vor allem eines: „Sprachförderung ist generell gut“.

Die Studie kostete rund 70.000 Euro. Neben der Stadt Köln und dem Forschungsinstitut (beide je 20.000 Euro) gehörte auch das Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration (ZMI) mit 24.000 und Sachspenden des Kölner Prolog Verlages in Höhe von rund 9000 Euro zum Kreis der Geldgeber. Für die Gemeinschaftsinstitution ZMI (Stadt Köln, Bezirksregierung und Universität) ist das Projekt eines von 44, die unter dem Dach des Zentrums gefördert und umgesetzt werden.







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