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22. 05. 2012
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Studie zu "Menschen ohne Papiere" in Köln vorgestellt


24.01.2009 16:49 von:

Schlagwörter: Studie,Menschen,Papiere,illegal,Köln,Sozialverwaltung,Osnabrück,Universität,Sozi

In der qualitativen Untersuchung gingen die beiden Sozialwissenschaftler Prof. Michael Bommes und Maren Wilmes von der Universität Osnabrück der Lebenssituation von Menschen nach, die sich ohne Papiere und damit häufig illegal in Deutschland aufhalten. Entgegen landläufiger Vorurteile ist Kriminalität in dieser Gruppe kein Thema, erklärte Kölns Sozialdezernentin Marlis Bredehorst. Vier Schwerpunktfelder hat die Studie herausgearbeitet, in denen auch die Schwerpunkte kommunalen Handelns liegen sollen: Arbeit, Wohnen, Gesundheit und Bildung/Erziehung. Wie schwierig die Situation dieser Gruppe, zu der es aus nachvollziehbaren Gründen auch keine exakten Zahlen gibt, tatsächlich ist, macht der Bereich Bildung/Erziehung deutlich. Obwohl Menschen ohne Papiere häufig illegal in Deutschland leben, sind ihre Kinder schulpflichtig. Für Pater Rolf Domnig vom Evangelischen Stadtkirchenverband ist der „Beihilfevorwurf“ nicht weit. Diese rechtliche Situation ist zumindest „erstaunlich“, wie Domnig aus eigener Erfahrung weiß. Der Evangele war in den 90er Jahren aktiv im Thema „Kirchenasyl“ involviert.

Gleiches gilt für akut erkrankte Personen, die medizinisch versorgt werden, aber keine Papiere geschweige denn eine Krankenversicherung haben. Im Themenschwerpunkt „Arbeit“ empfiehlt die Studie eine Beratungsstelle. Wie Peter Krücker vom Kölner Caritasverband erläuterte, spielt sich in der Arbeitswelt dieser Menschen oft Löhne komplett vorenthalten werden. „Hier herrscht Wilder Westen“, weiß Krücker zu berichten. Das liege aber weniger an den Menschen, die sich ohne Papiere in diesem Land aufhalten, sondern vielmehr auf der Angebotsseite, die die Notsituation dieser Menschen für sich und ihr Geschäft ausnutzen. Angesichts der kritischer werdenden Wohnungssituation ist die Unterbringung dieser Menschen noch schwieriger. Das weiß auch der Leiter der städtischen Wohnungsversorgungsbetriebe Michael Schleicher. Trotz knappen Angebots konnte der Eigenbetrieb in den zurückliegenden Monaten viele Menschen ohne Papiere in städtische Sozialwohnungen vermitteln und damit die Unterbringungssituation entspannen. So sollen die Übergangsheime in Köln weiter abgebaut werden, wie die Verantwortlichen bereits vor Monaten bei einer Pressekonferenz des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen bekannt gaben.

Und so sind die kommunalen Handlungsempfehlungen auch stark eingeschränkt, aber doch vorhanden. Die Studie empfiehlt, die Belange dieser Gruppe auch offiziell zu einer kommunalen Aufgabe zu machen. Beratungsstellen sollten mehr finanzielle Unterstützung erhalten und Angebote zur Rückkehr insbesondere von Flüchtlingen zu entwickeln. Besonders heikel ist der letzte Vorschlag zum institutionellen Rahmen: Berater sollen nicht mehr zu Informationsangabe an Ausländerbehörden verpflichtet werden. Das würde auch die von Domnig bereits angesprochene rechtliche Unsicherheit der Helfer aufheben. Insgesamt dürften alleine in Köln zwischen 15.000 und 25.000 Menschen ohne Papiere leben. Eine Arbeitsgruppe, an der neben den paritätischen Wohlfahrtsverbänden aus die Ordnungs- und Ausländerbehörden beteiligt sind, wird nun die Ergebnisse der Studie zu weiteren Beschlussvorlagen für den Stadtrat ausarbeiten. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern ist die Situation von illegalen Migranten allerdings schwieriger, wie Bredehorst abschließend einräumte. „Wer hier lebt, hat es schwer. Das liegt an der deutschen Gründlichkeit“, erklärte die zuständige Sozialdezernentin weiter.

Am morgigen Donnerstag wird die Studie ab 19:30 Uhr auf einer Diskussionsrunde im Dom-Forum noch einmal der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Abendveranstaltung ist kostenfrei. Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung des Evangelischen Stadtkirchenverbandes und des Caritasverbandes erstellt. Die vorläufigen Ergebnisse der Studie wurden bereits im August vergangenen Jahres dem Runden Tisch für Flüchtlingsfragen in Köln vorgelegt. Beide Wissenschaftler haben bereits für München (2003) und Frankfurt am Main (2006) ähnliche Studien erstellt.








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