22. 05. 2012
Seite drucken
Umfrage: Deutsche betrachten ihr Gesundheitssystem kritischer
Deutsche Patientinnen und Patienten scheinen deutlich kritischer mit ihrem eigenen Gesundheitssystem umzugehen als die in anderen Ländern. Das ist das Ergebnis einer vergleichenden Umfrage mit 10.000 zufällig ausgewählten Patientinnen und Patienten in acht Staaten. Neben Deutschland nahmen auch Probanden aus den USA, Australien, Kanada, den Niederlanden, Neuseeland, Großbritannien und Frankreich an der Umfrage teil. Voraussetzung war, dass die Befragten besonders intensiven Kontakt zu Ärzten haben. Befragt wurden Erwachsene, die eigenen Angaben zufolge einen schlechten Gesundheitszustand haben, an einer chronischen Erkrankung oder Behinderung leiden und/oder in den letzten zwei Jahren stationär behandelt oder operiert wurden. In den ausgesuchten Ländern fanden, ebenso wie in Deutschland, in den vergangenen Jahren immer wieder Reformen der Gesundheitsversorgung statt. Das in Köln ansässige Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die internationale Umfrage in Deutschland betreut. Die Ergebnisse im eigenen Land wurden in dieser Woche im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.
Insgesamt war das Urteil der deutschen Patientinnen und Patienten zwar nicht nur negativ, aber dennoch deutlich negativer als in den anderen Ländern. Möglicherweise gehen Patientinnen und Patienten in anderen Nationen entspannter mit den anhaltenden Diskussionen und ständigen Änderungen um als deutsche. Diese Schlussfolgerung legt eine vergleichende internationale Umfrage nahe, die vom Commonwealth Fund, einer privaten Stiftung aus den USA, koordiniert wurde. "Insgesamt zeigt die Befragung, dass Patienten zwar generell gute Erfahrungen machen, sie berichten aber auch in allen Ländern über Dinge, die nicht optimal laufen", erklärte Peter Sawicki, Leiter des IQWiG: Zu den Kritikpunkten der "Stammkunden" in Deutschland gehören zum Beispiel Probleme der Koordination zwischen Facharzt und Hausarzt sowie zwischen Krankenhaus und Hausarzt. Trotz durchaus ähnlicher Erfahrungen fiel die Zufriedenheit mit dem eigenen Gesundheitswesen international stark unterschiedlich aus. 53 Prozent der Befragten in Deutschland fanden die Qualität der Versorgung "gut", die Note "ausgezeichnet" oder "sehr gut" ergaben hier aber nur 34 Prozent In anderen Ländern wie zum Beispiel England, Kanada und Australien lag dieser Anteil der sehr zufriedenen Befragten fast doppelt so hoch. Auch wenn sich 87 Prozent der deutschen Befragten zumindest "gut" behandelt fühlten, hielten hierzulande die Hälfte der Befragten grundlegende Änderungen am Gesundheitssystem für notwendig, ein weiteres Viertel war für eine komplette Reformierung. Nur in den USA war dieser Anteil größer. Diese Diskrepanz, dass die große Mehrheit der Deutschen sich gut bis sehr gut behandelt fühlt, aber dennoch erheblichen Reformbedarf sieht, wurde auch in einer früheren Umfrage aus dem Jahr 2005 schon beobachtet, teilte das Kölner Institut mit.
<p< "Unsere Daten sprechen nicht dafür, dass die Behandlungsergebnisse in Deutschland tatsächlich schlechter sind als in den anderen Ländern", erklärte der IQWiG-Leiter nach Auswertung der Ergebnisse. Eine mögliche Erklärung ist, dass Patienten in Deutschland schlicht höhere Erwartungen hätten als Patienten in den anderen Ländern. "Vielleicht trägt aber auch die Art und Weise, wie wir in Deutschland öffentlich über unser Gesundheitswesen diskutieren zur Unzufriedenheit bei", so Sawicki. Die objektiven Ergebnisse solcher Studien zeigen, dass die Qualität im deutschen Gesundheitswesen grundsätzlich gegeben sei. Hier müsse man sich auch im internationalen Vergleich keineswegs verstecken. Der Blick über den eigenen nationalen Tellerrand zeige jedenfalls, dass gerade hierzulande Erwartungshaltung und tatsächliche medizinische Versorgung besonders deutlich sind.</p>
























