22. 05. 2012
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Uni Bonn: Neue Erkenntnisse über Erfolgsfaktoren bei Nierentransplantationen
Die Medizinforscher raten dazu, Operationen an der menschlichen Niere
tagsüber durchzuführen. Den Grund dafür sehen die Forscher der Bonner
Uni in erster Linie in der höheren Konzentration der Operateure am
helllichten Tag. Statistisch ergab die Untersuchung, dass
Nierentransplantationen, die in der Nacht durchgeführt wurden, doppelt
so häufig eine weitere OP nach sich zogen als Operationen am Tage.
Insgesamt wurden in der Untersuchung 260 Nierentransplantationen unter
die Lupe genommen. Urologe Dr. Guido Fechner und Prof. Dr. Stefan
Müller hatten die Arbeiten durchgeführt und dabei einen möglichen Grund
für die hohe Zahl an Komplikationen bei diesem bestimmten Eingriff
festgestellt. Grund ist wahrscheinlich, dass der Operateur tagsüber
wacher und konzentrierter arbeitet. Gerade bei einem so komplizierten
Eingriff wie einer Transplantation ist chirurgisches Können mit
entscheidend für den Erfolg, vermuten die Autoren.
Kritik an hoher Zahl der Nachtoperationen
Kritik äußern die beiden Medizinforscher an der gängigen Praxis. Obwohl
die Studie ein signifikantes empirisches Ergebnis liefert, finden immer
noch viel zu häufig Transplantationsoperationen an der Niere in der
Nacht statt. Gerade einmal 60 Prozent der untersuchten 260 Operationen
geschahen zwischen acht Uhr morgen und acht Uhr abends. Mehr als ein
Drittel erfolgt somit in den Nachtstunden, rechnen die Mediziner hoch.
Häufigste Ursache für Nachoperation ist das vorzeitige Versagen des
Spenderorgans. 16 Prozent der während der Nachtstunden operierten
Spendernieren mussten wegen chirurgischer Komplikationen wiederholt
werden. In den verglichenen Tagstunden lag die Quote der
Komplikationsfälle mit gerade einmal sechs Prozent deutlich niedriger.
Spendernieren halten im statistischen Durchschnitt neun Jahre, in
manchen Fällen bereits bis zu 20 Jahre. 90 Prozent aller Spendernieren
erreichen ein „Alter“ im Empfänger von fünf Jahren, nachts operierte
Nieren erreichten hier einen Erfolgsfaktor von 80 Prozent, wie Fechner
erklärte. Das Hauptgegenargument, Spendernieren müssten wegen der
„Frische“ der Organe nachts operiert werden, können die Mediziner in
Zweifel ziehen. Ihrer Meinung nach reicht ein Alter von 18 Stunden
unter entsprechend sterilen Bedingungen aus, um erfolg versprechend
verpflanzt werden zu können. Der Tipp des Experten: „Operationen von 5
auf 8 Uhr morgens verschieben“. Bei der Transplantation von
Lebendnieren tritt dieses Problem ohnehin nicht auf, hier wurden die
Operationen durchgängig tagsüber durchgeführt. Das wäre also eine der möglichen Alternativen, so die Autoren abschließend.

























