22. 05. 2012
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Uni Duisburg-Essen untersucht europäische Strompreise
Professor Dr. Christoph Weber hat sich zusammen mit seinen
wissenschaftlichen Mitarbeitern Dominik Schober und Daniel Ziegler die
Strompreise in 27 europäischen Ländern einmal genauer betrachtet. Dabei
wurden die Unternehmensanteile mit den Staatsanteilen in Bezug auf die
Endkundenpreise untersucht. „Steuern, Abgaben und Umlagen sind ein
wesentlicher Grund für die im EU-Vergleich hohen deutschen
Strompreise“, erklärten die Wissenschaftler. Der zweite Preistreiber,
die höheren Nutzungsentgelte, gehen allerdings mit einer im
europäischen Vergleich höheren Qualität einher, wie Weber und sein Team
feststellten.
Nach ihrer Analyse liegen die Staatslasten in Deutschland europaweit
mit an der Spitze: Nur in Dänemark müssen Privathaushalte hierfür mehr
aufwenden als in Deutschland. Der Anteil der Staatslasten am
Haushaltsstrompreis beträgt hier rund 42 Prozent, in Dänemark sind es
sogar 54 Prozent. Eine andere Rangfolge ergibt sich für das
Kleingewerbe. Hier sind die staatlichen Belastungen nur in den
Niederlanden und Italien mit 24 bzw. 22 Prozent im Vergleich zu
Deutschland (15 Prozent) höher (ohne Mehrwertsteuer). Die deutsche
Industrie trifft es nach Ansicht der Energiemarktexperten besonders
schlecht. Für sie ist der Anteil der Staatslasten am Strompreis mit
rund 23 Prozent europaweit mit Abstand am größten. Dagegen liegen laut
der im Auftrag des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft
e.V. (BDEW) erarbeiteten Studie die deutschen Großhandelspreise für
Strom im guten Mittelfeld. Länder mit günstiger Erzeugungsstruktur und
mit durch geringe Kuppelkapazitäten abgeschotteten Märkten haben
niedrigere Großhandelspreise. Das gilt vor allem für die
skandinavischen Länder. Schlecht schneiden dagegen Italien und für 2007
auch Großbritannien und die Niederlande ab.
Bei den Netznutzungsentgelten reicht es nach Ansicht der Autoren nicht
aus, allein die Preise zu vergleichen. Zu unterschiedlich sind in den
Vergleichsländern die Anschluss-Situationen, die Versorgungsaufgaben
und die Verkabelung, argumentieren die Wissenschaftler. Dass hier die
deutschen Preise teilweise im oberen Drittel liegen, bewerten die
Autoren nicht nur negativ. "Der Anteil an Erdkabeln in Deutschland ist
höher als anderswo, was wiederum zu niedrigeren Ausfallzeiten führt",
erklärt Professor Weber. Für einen Zusammenhang von Netzkosten und
Netzqualität (und damit geringe Ausfallzeiten) sehen die drei
Energieexperten der UDE in ihren Untersuchungen deutliche Tendenzen.
"So sind in Portugal die Netznutzungsentgelte zwar niedrig", gibt
Dominik Schober ein Beispiel, "dafür die Ausfallzeiten im EU-Vergleich
mit über 400 Minuten pro Jahr und Kunde im Vier-Jahres-Mittel mit am
höchsten." Die jüngsten Änderungen der Strompreise sind in der Studie
jedoch nicht eingepreist. Weil die Erhebungsmethodil des Statistischen
Amtes der Europäischen Union umgestellt wurde, standen nur Daten bis
zum 1. Januar 2007 zur Verfügung.

























