22. 05. 2012
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Uni Köln: Das Geheimnis des Einfädelns
Eigentlich ist er kein „Verkehrsexperte“, was den Gelehrten aber nicht
davon abhielt, sich seit über 15 Jahren mit Transportprozessen in der
Physik zu beschäftigen.
So hat sich Schadschneider inzwischen zu einem echten Experten in
Sachen Verkehrsprobleme entwickelt. In einem Aufsehen erregenden
Experiment wies der Kölner Physiker nach, dass Staus auch aus dem
Nichts entstehen können. Nun hat der Physik-Professor erneut seine
theoretischen Überlegungen in der Praxis ausprobiert. Bei mehreren
Versuchen mit 30 Testfahrern wollte Schadschneider feststellen, ob das
so genannte „Reißverschlussverfahren“, das zum Beispiel bei
Fahrbahnverengungen auf Autobahnen regelmäßig Ursache langer Staus ist,
tatsächlich bei konsequenter Anwendung den Verkehrsfluss verbessern
hilft.
Die Ergebnisse der Studie, die auf einem Teilstück der Autobahn 445 bei
Werl stattfanden, verdeutlichten eine nur sehr geringe Tauglichkeit.
Viele Autofahrer, ein häufig zu beobachtendes Phänomen, wechselten
jedoch bereits sehr viel früher auf die durchgehende Fahrbahn, so dass
diese dann in jedem Fall benachteiligt werden, mit anderen Worten, sie
stehen länger im Stau. In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist sogar
ausdrücklich empfohlen, bei Fahrbahnverengungen bis zum Ende der
Fahrspur durchzufahren. „Wer lange vor dem Ende einer Fahrspur anderen
Autofahrern Platz gemacht hat, reagiert oftmals aggressiv und
verhindert einen eigentlich korrekten späten Spurwechsel, indem er
‚Lücken zufährt’“, beschreibt der Physiker Schadschneider seine
Beobachtungen, die auch eine psychologische Dimension haben. Und genau
dieses Verhalten ist sogar kontraproduktiv, da es zu einer höheren
Unfallgefahr und damit auch die Staugefahr tendenziell sogar erhöht.
Aus der wissenschaftlichen Perspektive empfiehlt der Forscher das
Einfädeln in letzter Sekunde. So manche verbale Auseinandersetzungen
auf Deutschlands Autobahnen erhält mit dieser Untersuchung einen ganz
neuen Hintergrund.

























