22. 05. 2012
Seite drucken
Universität Duisburg-Essen: Elektroautos sind alltagstauglich
elektrobetriebene Fahrzeuge im Straßenverkehr erfüllen ihren Zweck und sind somit vollkommen alltagstauglich. Das ist das Ergebnis einer ersten Bestandsaufnahme der Universität Duisburg-Essen zum Modellprojekt "cologneE-Mobil", das im Februar vergangenen Jahres offiziell in Köln an den Start ging. "Elektromobilität wäre für Großstädte schon heute machbar und auch sinnvoll", erläuterte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Die im Vorfeld geäußerten Bedenken wegen der angeblich zu geringen Reichweite der Fahrzeuge, Kosten und Energieverbrauch sowie die Befürchtung, das städtische Stromnetz könne überbelastet werden, erwiesen sich demnach als weitgehend unbegründet, ließen der Wissenschaftler wissen. Die Forschungen sind allerdings noch nicht abgeschlossen. Bis Herbst dieses Jahres erforschen über 50 Wissenschaftler der UDE gemeinsam mit dem Autobauer Ford, dem Energieversorger RheinEnergie und der Stadt Köln, ob batteriebetriebene Fahrzeuge für eine Metropole Sinn machen. Sie erhalten dafür Mittel vom Bundesverkehrsministerium.
Detaillierte Verkehrsanalysen, reale Tests und aufwändige Simulationen mit Echtdaten, bei der hochgerechnet am Tag 33.370 Elektroautos virtuell durch die Straßen der Domstadt fuhren (das entspricht etwa zehn Prozent des gesamten Kölner Pkw-Aufkommens), haben wichtige Erkenntnisse gebracht: Im Durchschnitt legt das Elektroauto 30 Kilometer zurück, etwa drei Fahrten werden gemacht. Die Batterieladung (20 kWh) reicht dabei für vier Tage. "Das genügt für den Stadtverkehr, zumal die Lithium-Ionen-Batterien, die derzeit in Fahrzeugen verbaut werden, schon 25 Kilowattstunden speichern können", erklärte Prof. Dr. Dieter Schramm, der an seinem Mechatronik-Lehrstuhl den Fahrsimulator für das Großprojekt betreibt. Auch in anderen Punkten sind die E-Autos alltags- und großstadttauglich, haben die Forschungen ergeben: Eine zusätzliche kostspielige Infrastruktur ist nicht nötig.
Reichweite ausreichend - Sprit ist deutlich günstiger
Im colognE-Mobile bekommen die Pkw über die normalen Haushaltssteckdosen am Arbeitsplatz und am Wohnstandort Saft, auf weitere Stationen lässt sich gut verzichten. Ebenso muss das bestehende Stromnetz nicht ausgebaut werden, auch weil überwiegend Nachtstrom angezapft wird und das, was die E-Mobile tanken, nicht großartig das Netz belastet: "33.370 Fahrzeuge benötigen im Jahr 56.575 Megawattstunden, das sind 3,2 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aller Privathaushalte in Köln", erklärt Prof. Dr. Jörg Schönharting, Experte für Verkehrsbau und Verkehrswesen. Auch dem Klima tue der alternative Antrieb gut: Je nach Fahrsituation sinken die CO2-Emissionen in der Stadt zwischen 35 und 70 Prozent, so die Berechnungen der Wissenschaftler. Ein Ausstieg aus der Atomstromproduktion hat übrigens keinen Einfluss auf Elektromobilität, jedenfalls nicht nach derzeitigem Stand der Dinge. Selbst wenn sich die Strompreise in den kommenden Monaten und Jahren um ein Viertel steigen würde, wäre der "Treibstoff" eines Elektrofahrzeugs noch immer um rund die Hälfte billiger als die Kosten eines herkömmlichen "Benziners", erläuterte Dudenhöfer. Bei seinen Vergleichsstudien legte der Wissenschaftler die derzeit gültigen Strom- und Benzinpreise zugrunde. Ein Fahrzeug in Kompaktklasse kostet demnach bei einer angenommenen Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern mit Elektroantrieb 622, ein mit Benzin betriebenes Fahrzeug hingegen 1597 Euro, so die Musterrechnung.
Wesentliche Forschungsergebnisse zur Elektromobilität und zum Großprojekt hat die Universität in ihrer Publikationsreihe UNIKATE (Heft 39) veröffentlicht unter: www.uni-due.de.

























