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22. 05. 2012
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Ehrung für den Verteidiger der Freiheitsrechte


17.12.2010 15:23 von:

Schlagwörter: Köln,Gerhard Baum,Giesbert,Demokratie,Christlich,jüdisch,Sicherheit,Freiheit,Gru

(js) "Wir leben in einer geglückten Demokratie", zitierte Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum den Historiker Edgar Wolfram. Die aber sieht er in Gefahr. Bei seiner Dankesrede für die Verleihung des Giesbert-Lewin-Preises wich er immer wieder von seinem Manukript ab und fügte Anmerkungen zum aktuellen politischen Geschehen hinzu. Mit dem Preis werde "ein mit langem Atem ausgestattener entschiedener Verfechter einer liberalen und weltoffenen Demokratie" ausgezeichnet, so Jürgen Wilhelm, Vorstand der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, am gestrigen Donnerstagabend im Käthe Kollwitz-Museum.

"In der Verteidigung freiheitlicher Errungenschaften sieht er das Grundgesetz als zentralen Pfeiler zur Abwehr antidemokratischer Bestrebungen", fuhr Wilhelm fort. "Beängstigend" fand er die Tatsache, dass gegenwärtig "immer mehr Menschen den Wunsch haben, kontrolliert, berechnet, beschützt und bewacht zu werden". Individuelle Freiheitsrechte dürften nicht gegen das legitime Sicherheitsbedürfnis vieler Menschen ausgespielt werden warnte er und forderte: "Friedenspolitik darf nicht nur Sicherheitspolitik verkommen. Das Liberale darf nicht Anwalt des Unsozialen werden."

Die Sicherung von Religionsfreiheit, Datensicherheit und Asylrecht war zentrales Thema in Baums Rede. Diese seien durch die "sicherheitspolitische Aufrüstung" eines "unersättlichen Präventionsstatt" gefährdet, der Sicherheit verspreche und die persönliche Freiheit einschränke. "Sicherheit ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um uns die Freiheit zu ermöglichen", sagte er. Die Datenvorratsspeicherung diene weniger der Sicherheit, vielmehr sei sie "vom grundsätzlichen Misstrauen des Staates gegenüber seinen Bürgern geprägt". Die im Grundgesetz verankerte unantastbare Menschenwürde sieht er unter anderem durch die Vermischung von rechtlichen und religiösen Fragen gefährdet. "Niemand in unserem Lande, auch kein zugewanderter Moslem, ist an eine kulturelle Werteordnung gebunden, allerdings jedoch an eine Rechtsordnung: die Rechtsordnung des Grundgesetzes", stellte Baum fest.

Der Preisträger

Gerhart Baum wurde 1932 in Dresden geboren. Er erlebte die Bombardierung der Stadt. Seine Familie zog 1945 zuerst an den Tegernsee, dann nach Köln. Der Jurist war von 1969 bis 1972 im Kölner Stadtrat Vorsitzender der FDP-Fraktion. 1972-1994 saß er für die FDP Mitglied des Bundestags, 1978-1982 war er Bundesinnenminister. Als solcher sorgte er für eine Liberalisierung des "Radikalenerlasses". Nach dem Ende seiner politischen Karriere war er UN-Beauftragter für die Menschenrechte im Sudan. Er setzt sich für Anleger-, Verbraucher- und Datenschutz bis zum Bundesverfassungsgericht ein. U.a. vertritt er die Opfer der Duisburger Love-Parade. Er verfasste zahlreiche Bücher, fördert die Neue Musik und ist Vorsitzender des Kulturrates NRW.

Der Preis

Der Giesbert-Lewin-Preis wird von der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeitan Persönlichkeiten verliehen, die sich durch "herausragendes ehrenamtliches Engagement zur Förderung des christlich-jüdischen Dialogs" ausgezeichnet haben. Dazu zählen insbesondere der Jugendaustausch zwischen der Bundesrepublik und Israel sowie ein allgemeines Eintreten gegen Rassismus und Antisemitismus.

Der Preis besteht aus einer Stahlskulptur, die der in diesem Jahr gestorbene Bildhauer Ansgar Nierhoff geschaffen hat. Sie besteht aus zwei Teilen, die wie ein Puzzlestück ineinandergreifen und so die Zusammenarbeit zweier Gruppen symbolisieren.

Die bisherigen Preisträger waren die Schriftsteller Ralph Giordano und Günther Wallraff, der "Stolperstein"-Leger Gunter Demnig und der in diesem Jahr verstorbene WDR-Journalist Heiner Lichtenstein.

Die Namensgeber

Johannes Giesberts wurde 1952 zum Kölner Beigeordneten für das Schulwesen gewählt. Er übte dieses Amt bis zum Eintritt in den Ruhestand 1974 aus. Er organisierte den ersten Schüleraustausch zwischen Deutschland und Israel. Für dieses Arbeit wurde er 1970 mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet. Er starb 1981 im Alter von 72 Jahren.

Shaul Lewin wurde 1905 in Kiew geboren, seine Familie emigrierte nach der Russischen Revolution nach Deutschland. Shaul Lewin wanderte 1933 nach Palästina aus. Er war israelischer Kulturattaché in Paris und bei der Unesco sowie Botschafter in Brasilien und Kamerun. Von Tel Aviv aus organisierte er mit Johannes Giesbert den deutsch-israelischen Jugendaustausch. Er starb 1986.







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