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22. 05. 2012
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Ehrung für die Nazi-Jägerin


09.12.2011 19:16 von:

Schlagwörter: Köln,Beate Klarsfeld,Giesbert-Lewin-Preis,Lischka,Kiesinger,christlich-jüdische

(ehu) Köln ist für Beate Klarsfeld keine unbekannte Stadt. Hier verfolgte sie im Landgericht den Prozess gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer Kurt Lischka, der in Paris für die Deportation von über 73.000 Juden ins Todeslager Auschwitz verantwortlich war. Hier saß sie ein paar Wochen im Gefängnis Ossendorf, weil sie versucht hatte Lischka nach Frankreich zu entführen, um in dort vor Gericht zu stellen. In Köln hatte er bis 1971 unbehelligt gelebt – und erst Klarsfelds spektakuläre Aktion hatte die Öffentlichkeit aufgeweckt. Am Freitag war sie wieder in Köln: Sie erhielt den Giesbert-Lewin-Preis. Auch für ihr Engagement im Fall Lischka.

Mit ihrer Ohrfeige für den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger sorgte sie 1968 erstmals für dicke Schlagzeilen – und dessen Verstrickung in den Nationalsozialismus war plötzlich ein öffentliches Thema. Seitdem trug sie dazu bei, Nazi-Verbrecher zu identifizieren – etwa Klaus Barbie oder der FDP-Bundestagsabgeordnete Ernst Achenbach –, sie vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen und den Opfern Gehör zu verschaffen. Die habe sie mit „Ausdauer, Mut und Entschlossenheit“ getan, lobte sie Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Kölnischen gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, die den Preis zum 6. Mal verlieh.

Dadurch habe sie einen „entscheidenden Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ geleistet. Dies sei besonders wichtig in dieser Zeit, in der der Antisemitismus wieder zunehme. Und so fügte er an, „von den Aktionsformen Beate Klarsfelds kann man lernen“.

Die Widerstandskämpferin Sophie Scholl war schon früh das Vorbild für Beate Klarsfeld

In ihrer Dankesrede berief sich die Preisträgerin, 1939 in Berlin geboren, auf auf die Widerstandskämpferin Sophie Scholl als ihr Vorbild. Schon sie habe gefordert, nach dem Krieg die Bestrafung der Täter nicht zu vergessen und dabei auch die kleinen Schweine nicht zu übersehen. Zu ihren eigenen Aktionen meinte sie: „Erfolgreich war ich nur, wenn ich illegal gehandelt habe.“ Doch der größere Skandal sei immer die „Unbestraftheit“ der Täter gewesen.

Ihr Ziel sei weiterhin, gegen aktive Nazis vorzugehen, deren Bestrafung zu erreichen und Solidarität mit Juden und dem Staat Israel zu zeigen, wann immer diese bedroht seien. Das Leben sei eng gesteckt und riskant, sie habe hätte Brücken zwischen Juden und Deutschen, zwischen Deutschland und Frankreich schlagen können. Am Ende erhielt sie langen Beifall von der kleinen Festgesellschaft im Käthe-Kollwitz-Museum, darunter Ralph Giordano, Kölns Ex-DGB-Vorsitzender Conny Gilges, Museumschef Kasper König, der ehemaligen SPD-Bürgermeisterin Renate Canisius und dem jetzigen grünen Ratsmitglied Brigitta von Bülow.

Der Preis, seine Namensgeber, sein Ziel und die bisherigen Preisträger

Der undotierte Giesbert-Lewin-Preis ist eine kleine Stahlskulptur von Ansgar Nierhoff, deren beide Teile wie ein Puzzle zusammenpassen und die so das friedliche Zusammenleben von Christen und Juden symbolisiert. Er wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch „herausragendes ehrenamtliches Engagement zur Förderung des christlich-jüdischen Dialogs“ ausgezeichnet haben. Bisherige Preisträger waren Ralph Giordano, Günther Wallraff, Gunter Demnig, Heiner Lichtenstein und im Vorjahr Gerhart Baum.

Benannt ist er nach Johannes Giesbert und Shaul Lewin. Giesbert war von 1952 bis 1974 Schuldezernent in Köln, er organisierte den ersten Schüleraustausch zwischen Deutschland und Israel. Dabei arbeitete er eng mit dem Israeli Shaul Lewin zusammen, der 1933 as Deutschland nach Palästina ausgewandert war.







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