22. 05. 2012
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Endlich einmal Preisgeld für Alexandra Kassen
(ehu) Ohne Alexandra Kassen, darin waren sich alle Redner und die zahlreichen Fans einig, gäbe es in Köln kein Kabarett, wäre die Travestie immer noch ein Schmuddelkind, wäre Köln nicht die Medienstadt geworden – und überhaupt: Deutschland wäre um zahlreiche Kabarettisten und andere „Kleinkünstler“ ärmer. Dass die Prinzipalin des Senftöpfchens am Dienstag Abend in der Rathaus-Piazetta den „Großen Kulturpreis 2011“ der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland erhielt, fand also allseitige Zustimmung. Und als sich die „grand old dame“ sichtlich bewegt für die Auszeichnung bedankte, wurde sie mit langen Standing Ovations geehrt.
1923 in der Nähe von Regensburg geboren, kam sie 1959 nach Köln und gründete hier mit ihrem Mann Fred Kassen, einem der späten „Comedian Harmonists“, das Senftöpfchen. Nach seinem Tod 1972 leitete es sie allein. Von Beginn an war es eine Talentschmiede, Konrad Beikircher hatte hier seine ersten Auftritte (vor drei Zuschauern), Ingo Appelt, Alfred Biolek, Jürgen von der Lippe, Robert Kreis, Georgette Dee, oder das Travestie-Duo Mary & Gordy feierten hier ihre ersten Bühnenerfolge. Mit dem Blick für Qualität und einem beharrlichen Fördern ebnete sie den Unbekannten den Weg nach oben.
Der Kulturpreis der Sparkassen ist einer der höchst dotierten Kulturauszeichnungen
Preise für ihr Engagement hat die fast 89-Jährige schon viele bekommen. So das Bundesverdienstkreuz am Bande, den Rheinlandtaler, den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen, den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. „Dieser Preis ist aber der erste, der mit Geld verbunden ist“, freute sich Kassen über die 30.000 Euro. Damit ist dieser Preis eine der höchst dotierten Kulturauszeichnungen Deutschlands.
Vor ihr erhielten die Auszeichnung unter anderem Jürgen Klauke, Pina Bausch, Hanns Dieter Hüsch, Ulrich Rückriem, Elke Heidenreich, Konrad Beikircher (er hielt die Lobrede für Alexandra Kassen) und im Vorjahr Günter Lamprecht. Der Schauspieler hatte sich neben anderen Promis ebenso im Rathaus eingefunden wie Peter Millowitsch, die Kabarettisten Wilfried Schmickler, Richard Rogler, Heinz Herrtrampf und Wiltrud Fischer (beide einst die Kölner Kabarettisten „Die Machtwächter“), Norbert Blüm, Alfred Biolek und Alice Schwarzer.
Fatih Cevikollu – von Alexandra Kassen entdeckt und um 5000 Euro reicher gemacht
Eine von Kassens Entdeckungen ist Fatih Cevikollu. Den türkischen Kölner „entdeckte“ sie im Frisörsalon von dessen Bruder, wo er regelmäßig sein Programm vortrug – sie hatte einen Tipp bekommen. Inzwischen hat Cevikollu schon den Prix-Pantheon 2006 erhalten und ist mit seinen Solo-Programmen (aktuell „Fatih Unser“) Stammgast auf Deutschland Kleinkunstbühnen. Als „große“ Preisträgerin hat Kassen von ihrem Vorschlagsrecht Gebrauch gemacht und ihn für den Förderpreis der Sparkassen-Kulturstiftung vorgeschlagen. Der ist mit 5000 Euro dotiert und erfreute den Kabarettisten sichtlich.
Dass Alexandra Kassen ihr Theater so lange wie möglich weiterführen wird, ist keine Frage. „Hinfallen. Aufstehen. Hütchen richten. Weitergehen!“, sei ihr Lebensmotto, sagte sie, die nach einem kürzlichen Unfall auf einen Rollator angewiesen ist. Vor allem aber: „Einmal mehr aufstehen als hinfallen.“


























