22. 05. 2012
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Fünf Kölnerinnen und Kölner erhalten hohe Auszeichnung
Am heutigen Montag war für fünf Kölnerinnen und Kölner ein besonderer Tag. Sie erhielten aus der Hand des Kölner Oberbürgermeisters Fritz Schramma persönlich die Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland überreicht. Vier der Geehrten erhielten dabei mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens eine der höchsten Ehrungen, mit denen der Staat die Verdienste des gesellschaftlichen und bürgerlichen Engagements würdigt. So geehrt wurden die Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses Hannelore Bartscherer, Gisela Müller-Westing, Dr. Mark Oette sowie der amtierende Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, Josef Wirges (SPD). Anna Bracke, die Fünfte im Bunde, erhielt die Verdienstmedaille des Verdienstordens.
"Menschen, die sich selbstlos und vorbildlich für andere Menschen einsetzen und damit etwas verwirklichen, was zu dem Größten und Schönsten des Menschseins gehört: der Nächstenliebe", mit diesen Worten begann Oberbürgermeister Fritz Schramma seine Laudatio auf die fünf ausgezeichneten Bürgerinnen und Bürger. Für die erste der Gewürdigten sind das schon fast alltägliche Herausforderungen. Hannelore Bartscherer, langjährige Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, ist bereits seit inzwischen 37 Jahren ehrenamtlich aktiv. Zunächst in der Pfarrgemeinde St. Matthias in Köln-Bayenthal, war Bartscherer Mitbegründerin und erste Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft in der Gemeinde St. Matthias. Nach verschiedenen Ämtern innerhalb der Pfarrgemeinde, des Müttergenesungswerks und des Dekanats Bayenthal trat Bartscherer im Jahr 1994 in den Vorstand des Katholikenausschusses ein, vier Jahre später wurde sie Vorsitzende und blieb es bis zum heutigen Tag. Im Rahmen dieser Tätigkeit kümmert sich Bartscherer unter anderem als Kuratoriumsmitglied um das Kölner Domforum sowie als Vertreterin der Kirchen in der Veranstaltergemeinschaft von Radio Köln. Neben verschiedenen anderen Ehrenämtern in kirchlichen Gremien trieb Bartscherer als stellvertretende Vorsitzende des "Runden Tisches für Integration" maßgeblich an der Ausarbeitung entsprechender Konzepte beteiligt, die inzwischen bundesweit für Aufmerksamkeit sorgten. "Sie tragen damit auch zur Friedensstiftung und zum gemeinschaftlichen Miteinander bei", lobte Schramma die Tätigkeit der praktizierenden Christin.
Die zweite Preisträgerin heißt Gisela Müller-Westing und widmet sich vor allem der Integrationsarbeit von Menschen mit Behinderungen. Hier ist die inzwischen verwitwete Geehrte seit Jahrzehnten aktiv. Ziel der Aktivitäten von Müller-Westing und ihres verstorbenen Mannes war und ist es, Menschen mit Behinderungen eine gesellschaftliche Teilhabe sowie ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Neben der Förderung eigener Talente gehört auch die geregelte Arbeit sowie eine eigene Wohnung zu diesen für nicht-behinderte Menschen normalen Lebensverhältnissen. Ihr Mann, Dr. Helmut Müller-Westing, gründete bereits vor ihrer Ehe im Jahr 1978 die Nostra-Verbund-Werkstatt GmbH im Kölner Stadtteil Höhenhaus. Müller-Westing, zuvor 15 Jahre lang Tagesmutter, kam 1979 in Kontakt mit den Werkstätten. Fortan unterstützte sie den Aufbau der Werlstätten mit Kräften, seit 1985 als Ehefrau des Werkstattgründers. Die Einrichtung selbst sieht sich bewusst als Vermittler zwischen Behindertenwerkstatt und dem ersten Arbeitsmarkt, Mitarbeiter erhalten hier einen tariflichen Lohn und kein Taschengeld. 1985 gründeten beide Eheleute dazu die Stiftung "Betriebsfamilie", die den weiteren Aufbau der Werkstatt unterstützen sollte. 1980 wurde Müller-Westing Geschäftsführerin der Nostra-Verbund-Werkstatt, 1994 wechselte sie dann in den Verwaltungsrat, wo sie bis 2005 tätig war. Die Nostra-Verbund-Werkstätten zählen inzwischen zu den größten Integrationsbetrieben ihrer Art im Rheinland. Auch neben ihren offiziellen Aufgaben in Geschäftsführung und Verwaltungsrat fand Müller-Westing immer wieder Zeit, sich auch persönlich um Angelegenheiten von Menschen mit Behinderung zu kümmern. "Beispielhaft und vorbildlich", urteilt nicht nur Schramma über das Engagement der Geehrten.
Dritter Empfänger des Verdienstkreuzes ist der Mediziner Dr. Mark Oette. Zwar ist Oette erst seit 2008 wieder in der Domstadt beruflich aktiv, Oette ist Chefarzt der Kölner Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie und Infektiologie am Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln. Zuvor arbeitete er fünf Jahre als Oberarzt an der Universitätsklinik der nördlichen Nachbarstadt Düsseldorf. Geehrt aber wurde Oette für sein bürgerschaftliches Engagement im sozialen Bereich. Insbesondere die Kölner Obdachlosen profitierten von dieser Aktivität, wie Schramma in seiner Laudatio ausführte. Obwohl als leitender Mediziner mindestens 60 Stunden pro Woche eingespannt, ist Oette seit 1995 ehrenamtlich im Verein "Gesundheit für Wohnungslose Köln e.V." engagiert. In Kooperation mit dem Mobilen Medizinischen Dienst des Gesundheitsamtes der Stadt Köln leistet eine Gruppe ehrenamtlich tätiger Ärzte sowie Krankenschwestern medizinische Hilfe in einem Behandlungswagen, der an zwei Abenden der Woche an einem festen Standort im Kölner Innenstadtbereich steht. "Medizinische Straßenarbeit", so die bescheiden klingende Umschreibung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen blieb Oette trotz anstrengender Dienstpläne seit 1995 als Ansprechpartner an Bord.
Der amtierende Bezirksbürgermeister von Köln-Ehrenfeld und langjährige SPD-Politiker Josef Wirges erhielt das vierte Verdienstkreuz am Bande. Nahezu unvergessen seine beherzten Ansprachen bei Veranstaltungen in "seinem" Stadtbezirk, dem er seit inzwischen zwölf Jahren als Bezirksvorsteher bzw. Bezirksbürgermeister vorsteht. In der Bezirksvertretung Ehrenfeld hat er seit 1979 Sitz und Stimme. Wirges, geboren in Neu-Ehrenfeld, trat bereits als 18-Jähriger in die SPD ein. Seit 1976 arbeitet er im Hauptberuf als Angestellter beim Deutschen Städtetag. In den zahlreichen Ehrenämtern, die der Posten eines Bezirksbürgermeisters so mit sich bringt, hat sich Wirges große Verdienste erworben. So brachte er unter anderem die widerstrebenden Parteien in Sachen Moscheebau an einen Tisch und baute mit seiner jovial-kölschen Art immer wieder Brücken, auch für Gegner, wie Schramma hervorhob. Seit inzwischen 31 Jahre vertritt Wirges zudem die Interessen der Mitarbeiter des Deutschen Städtetages im Kölner Betriebsrat. Dem stand er seit 1990 als Vorsitzender vor. Ab 2002 kam der Vorsitz im Gesamtbetriebsrat des Deutschen Städtetages hinzu.
Neben den vier Verdienstkreuzen erhielt Anne Bracke überdies eine Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik. Bracke studierte Katholische Theologie, Germanistik und Psychologie. Neben ihre Hauptberuf als praktizierende Psychologin setzte sich Bracke ehrenamtlich in der Telefonseelsorge ein. Seit inzwischen fast zwei Jahrzehnten engagiert sie sich im Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden in Köln. Seit 1992 ist sie überdies in der Telefonseelsorge des Verbandes aktiv. Seit 2000 übernahm Bracke die Leitung dieser Einrichtung, die alleine in Köln pro Jahr rund 20.000 Anrufe entgegen nimmt. Rund ein Viertel der eingehenden Anrufe stammen von Kindern und Jugendlichen, inzwischen arbeiten rund 50 Freiwillige bei der Telefonseelsorge mit. Für Oberbürgermeister Fritz Schramma ist die Auszeichnung ein freudiges Wiedersehen. Schon einmal – im Jahr 2001 – erhielt Bracke aus den Händen des Kölner Stadtoberhauptes eine Auszeichnung. In der ersten Ausgabe des Ehrenamtspreises wurde Bracke für ihre Verdienste geehrt.


























