23. 05. 2012
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Köln hat gleich zwei neue alternative Ehrenbürger
(ehu) Hedwig Neven DuMont und Kurt Holl sind Kölns neue alternative Ehrenbürger. Das gab Bürgerkomitee "Alternative Kölner Ehrenbürgerschaft" am heutigen Montag bekannt. Es zeichnet damit zwei Menschen aus, "die jenseits ihrer beruflichen Interessen oder politischen Pflichten zum Erhalt und zum Ausbau einer solidarischen Gesellschaft beitragen." Eine Ehrung, die sie "von ratsoffizieller Seite mit größter Wahrscheinlichkeit nicht erhalten würden", heißt es weiter. Die offizielle Verleihung soll im Spätherbst erfolgen.
Kurt Holl, in den 70er Jahren ein Opfer der Berufsverbote, engagierte sich in Köln für die Einrichtung der NS-Dokumentationsstelle in der ehemaligen Gestapo-Zentrale im EL-DE-Haus. Sein zentraler ehrenamtlicher Arbeitsschwerpunkt ist seit 1980 der Einsatz für Sinti und Roma in Köln. 1990 initiierte er die erste Ausstellung zu deren Verfolgung durch die Nationalsozialisten. Holl gehört zu den Gründern des "Rom e.V.", 2004 konnte er "Amaro Kher" eröffnen, ein Projekt für schulische Integration von Roma-Flüchtlingskindern.
"Hedwig Neven DuMont ist sich nicht zu schade, selber einzugreifen"
Hedwig Neven DuMont ist vor allem als Gründerin und Vorsitzende der Aktion "Wir helfen" bekannt. Diese Initiative des Kölner Stadt-Anzeigers konnte seit ihrer Gründung 1998 über 25 Millionen Euro an Kinder und Jugendliche in Not verteilen. Das Bürgerkomitee lobt vor allem, dass sie sich nicht "zu schade ist, selber und unmittelbar einzugreifen", wenn es gilt, bei Behörden für eine menschenwürdige Behandlung zu sorgen.
Die Auszeichnung für Hedwig Neven DuMont entbehrt nicht einer pikanten Pointe. Die "Gründung" der alternativen Ehrenbürgerschaft ist eine Reaktion auf die heftig umstrittene Entscheidung des Rats, der 2001 ihren Mann Alfred Neven DuMont, Herausgeber u.a. von Kölner Stadt-Anzeiger und Express, zum Kölner Ehrenbürger ernannte.
Der Einsatz für Roma-Kinder verbindet die Verlegergattin und Kurt Holl
Insider erzählen, dass es 2002 ihrem Einschreiten hinter den Kulissen zu verdanken war, dass der Express seine publizistische Hetze gegen die "Klaukids" beendete. So wurden jugendliche Roma bezeichnet und mit Fotos abgebildet, denen Taschendiebstähle in Köln vorgeworfen wurde. Der Expresse handelte sich dafür übrigens eine Rüge des Presserates ein. Auch in den folgenden Jahren setzte sich die geborene Prinzessin von Auersperg für Roma-Kinder ein und arbeitet dabei mit Kurt Holl zusammen.
2002 wurde Pfarrer Franz Meurer als erster alternativer Ehrenbürger ausgezeichnet, 2006 ging die Auszeichnung an Gunter Demnig, den Schöpfer der "Stolpersteine". Wann es wieder eine alternative Ehrenbürger gibt, steht nicht fest. "Wenn es wieder so weit ist und wir den Rat zum Nachdenken bringen müssen", erklärt Notar Hans Henrici. "Wir wollen zielgerichtet Akzente setzen."
DAs Bürgerkomitee will ein Zeichen gegen Ratsentscheidungen setzen
Und Schriftsteller Günter Wallraff ergänzt "Es müsste uns nicht geben, wenn die Politiker immer die richtigen Ehrenbürger wählen würden." Zur Zeit wird kontrovers diskutiert, ob Edelweißpirat Jean Jülich offizieller Ehrenbürger Kölns werden soll. Ein jüdischer Rechtsanwalt, der den Holocaust überlebt hat, lehnte die alternative Ehrenbürgerschaft mit dem Hinweis ab, das müsse eigentlich die Stadt entscheiden.
Henrici und Wallraff gehören dem 26-köpfigen Bürgerkomitee ebenso an wie unter anderem Kölns Ex-DGB-Chef Conny Gilges, Rechtsanwalt Louis Peters, die Musiker Tommy Engels und Wolfgang Niedecken, die Schriftstellerinnen Ferdos Ferudastan und Elke Heidenreich, die Kabarettisten Heinrich Pachl und Jürgen Becker und Stadthistoriker Martin Stankowski.


























