23. 05. 2012
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Köln hat zwei neue alternative Ehrenbürger
(ehu) Sichtlich gerührt waren Hedwig Neven DuMont und Kurt Holl, als ihnen am gestrigen Sonntag die „Alternative Ehrenbürgerschaft“ verliehen wurde. Sie wurden damit für ihr ehrenamtliches soziales Engagement ausgezeichnet. Eine unabhängige Jury hatte sie einstimmig aus den vielen ausgesucht, „die es auch verdient hätten“, so der Kabarettist Heinrich Pachl, der die Veranstaltung im überfüllten Kinosaal des Museums Ludwig moderierte.
Der Einsatz für Roma vereint die beiden Preisträger, dazu ihr Kampf gegen Abschiebung und für eine menschenwürdige Behandlung von Flüchtlingen durch die Stadt. Gemeinsam besetzten sie etwa das Büro der damaligen Sozialdezernentin, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Dass sich am Sonntag beide gegen die geplante neue Massenunterkunft in der ehemaligen Kfz-Zulassungsstelle an der Herkulesstraße aussprachen, kam deshalb nicht überraschend. Neven DuMont und Holl bedankten sich auch bei ihren Ehepartnern – beide waren wegen Krankheit nicht anwesend – für die Unterstützung bei ihrer Arbeit.
Die Stadt-Anzeiger-Intitiative "Wir helfen" sammelte seit 1998 über 25 Millionen Euro
Der breiten Öffentlichkeit ist Hedwig Neven DuMont (65) vor allem als Vorsitzende des Vereins „Wir helfen“, einer Initiative des Kölner Stadt-Anzeigers. Diese konnte seit ihrer Gründung 1998 über 25 Millionen Euro sammeln und damit vor allem in Not geratenen Kindern und Jugendlichen helfen. Außerdem ist sie Vize-Vorsitzende im Förderverein des Kölner Kinderschutzbundes. Sie engagiert sich im Kuratorium des „Zentrums für Frühförderung und Frühbehandlung“ und unterstützt die Kölner Freiwilligen-Agentur (KFA). Wer mit ihr zusammenarbeitet, lobt ihren persönlichen Einsatz, der die geborene Prinzessin von Auersperg von glamourösen „Charity-Damen“ unterscheidet.
Kurt Holl (73) engagierte sich schon früh für „Gastarbeiter“ und Flüchtlinge. Er demonstrierte gegen die Atombewaffnung der Bundeswehr und erhielt Berufsverbot als Lehrer. Später gründete er den „Rom e.V.“ zur Unterstützung der immer wieder diskriminierten Minderheit der Roma. Zu dessen Vorstandsmitgliedern gehört auch Hedwig Neven DuMont gehört. Ohne ihn wäre auch die Errichtung des Roma-Archivs nicht denkbar sowie „Amaro Kher“, ein Kindergarten und eine Grundschule für Roma-Kinder.
Schließlich ist es Kurt Holl zu verdanken, dass das EL–DE-Haus, die ehemalige Kölner Gestapo-Zentrale, das NS-Dokumentationszentrum eingerichtet wurde. Als die Wandschriften in den ehemaligen Gefängniszellen übermalt werden sollten, ließ er sich unbemerkt über Nacht mit einem Fotografen einschließen. In der Nacht rief er den damaligen Bundeskanzler an, der sich daraufhin für den Erhalt des Kellers einsetzte.
Politologe Claus Leggewie fordert mehr Einfluss für Bürgerbewegungen
Hauptredner Claus Leggewie lobte die Alternativen Ehrenbürger, weil sie sich nicht „von der Schwerkraft der Verhältnisse beeinflussen“ lassen. Der Politologie-Professor forderte, dass die Beteiligung von Bürgerbewegungen an politischen Entscheidungsprozessen „selbstverständlich“ werden müsse. KFA-Vorstand Hans Henrici wies auf die Notwendigkeit bürgerschaftlichen Engagements – kurz auch Ehrenamt genannt – für eine sozial funktionierende Gesellschaft hin. Er warnte aber davor, dass diese staatliches Handeln nicht ersetzen dürfe.
Die Alternative Ehrenbürgerin Hedwig Neven DuMont lässt sich quasi als Alternative zu ihrem Ehemann, dem Kölner Fast-Monopolisten auf dem Kölner Zeitungsmarkt verstehen. Er erhielt zusammen mit dem Schokoladenfabrikanten Hans Imhoff (Stollwerck) im Jahr 2001 die offizielle Ehrenbürgerwürde durch den Rat der Stadt Köln verliehen. Damals in beiden Fällen eine heiß diskutierte Entscheidung. Als Folge wurde die Alternative Ehrenbürgerschaft ins Leben gerufen.
Mit ihr sollen Menschen ausgezeichnet werden, „die sich um die Stadt verdient machen und nicht an ihr verdienen“, erklärte Heinrich Pachl. Erstmals verliehen wurde diese Anerkennung 2002 an den Kölner Pfarrer Franz Meurer für sein soziales Engagement in der Gemeinde Höhenberg-Vingst. Zum zweitenmal 2006 an den Künstler Gunter Demnig, der mit seinen tausenden „Stolpersteinen“ an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.


























