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23. 05. 2012
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Meister-Eckhart-Preis 2009: Ein gebürtiger Kölner wurde geehrt


09.12.2009 18:48 von:

Schlagwörter: Köln,Meister-Eckhart Preis 2009,Universität,Identity Foundation,Preisverleihung,

Am heutigen Mittwoch erhielt der renommierte Soziologe Prof. Amitai Etzioni in der Kölner Universität den Meister-Eckhart-Preis der Identity Foundation. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro verbunden. Etzioni gilt als einer der wesentlichen Protagonisten des Kommunitarimus. Seine Arbeiten versuchten der klassischen ökonomischen Lehre der Nutzorientierung ein gemeinschaftliches und dialogisch ausgerichtetes Modell moderner Gesellschaften entgegen zu setzen. Für den 80-jährigen Preisträger war der Besuch in Köln aber auch mit alten Erinnerungen verbunden. Geboren wurde der Soziologieprofessor in der Domstadt im Jahr 1929, damals unter dem Namen Werner Falk. Allerdings musste er mit seiner Familie bereits im Jahr 1936 vor dem Naziterror nach Palästina fliehen. "Dass Sie nach diesen Erfahrungen hier eine solche Auszeichnung erhalten, berührt und auf besondere Weise", so Universitätsrektor Prof. Axel Freimuth in seiner Ansprache. Tatsächlich aber ist es kein Versuch, die Ereignisse wiedergutmachen zu wollen, sondern die Würdigung einer großen akademischen Lebensleistung.

So etwas passt zu den Auswahlkriterien der Stiftung, die den Preis bereits seit dem Jahr 2001 verleiht. Die drei Jahre zuvor in Düsseldorf gegründete Stiftung will Persönlichkeiten ehren, "die in ihren Arbeiten existenzielle Fragen der persönlichen, sozialen und interkulturellen Identität aufgreifen und durch ihr Wirken einen breiten öffentlichen und internationalen Diskurs beleben". 2007 fand die Preisverleihung erstmals in Kooperation mit der Universität zu Köln statt. Die von Etzioni maßgeblich mitbestimmte Denkschule des Kommunitarismus basiert auf der Vorstellung, dass eine Gesellschaft sowohl durch selbstbestimmtes, aber auch solidarisches Handeln bestimmt wird. Das nennt Etzioni "Verantwortungsgesellschaft". In den ersten Jahren seiner wissenschaftlichen Arbeiten ging Etzioni daran, der klassischen Theorie des "methodologischen Individualismus" von Menschen als Marktteilnehmern ein auf Solidarität und Gemeinsinn konzentriertes Verhalten entgegen zu stellen. Erst danach wurde daraus ein normativer Theorieansatz.

Aber Etzioni beließ es nicht dabei, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse im akademischen Elfenbeinturm voranzutreiben. Schon früh trat er in Palästina der Arbeiterpartei bei und kämpfte anschließend als junger Mann gegen die britische Besatzungsmacht. In den 50er Jahren fiel Etzioni, wie sein Laudator Prof. Axel Honneth, Direktor am Institut für Sozialforschung der Universität Frankfurt am Main, ausführlich beschrieb, in ein kurzes Loch. Eine der daraus gewonnen Erkenntnisse sei es gewesen, dass ein Mensch in einer Gesellschaft eine anerkannte Tätigkeit zur "gesellschaftlichen Reproduktion" annehmen muss. Angesichts der heutigen Diskussionen um die Reformen der Sozialgesetzbücher sind die damaligen Erfahrungen des jungen Zugereisten ein erster Schritt zu seiner akademischen Karriere. Die Aspekte, mit denen sich Etzioni bereits vor Generationen auseinandersetzte, erscheinen vor dem Hintergrund der heutigen Problemlagen gespenstisch aktuell. Wie kann eine auf der kapitalistischen Wirtschaftsordnung fußende Gesellschaft Gemeinsinn entwickeln und damit auch Identität schaffen? "Es ist das größte Verdienst Etzionis, dass er diese Fragen angegangen ist", so Laudator Honneth abschließend.

Im Anschluss an die knapp zweistündige Verleihungszeremonie, stellte der Gewürdigte einige seiner zentralen Gedanken in einer öffentlichen Vorlesung vor. Zur Preisverleihung selbst kamen mehr als 300 geladene Gäste.







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