23. 05. 2012
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Noch ein Ort der Ideen in Köln
Die heutige Preisverleihung der Deutschen Bank-Stiftung zu der seit 2006 bestehenden Initiative "365 Orte – Land der Ideen" fiel in eine Fachveranstaltung. Am Rande der elften Fachtagung "Sprachförderung im Unterricht" überreichte Sven Olderdissen von der Deutschen Bank AG den Projektpartnern der Kölner Universität und den Zentrums für Mehrsprachigkeit und Integration (ZMI) den begehrten Titel "Ort der Innovation". Mit dem Konzept der sprachsensiblen Erziehung für Kinder mit Migrationshintergrund leisten die Beteiligten einen wichtigen Beitrag zur frühzeitigen Eingliederung von jungen Menschen, die eine andere als die deutsche Sprache ihre Muttersprache nennen. In Köln schlossen dazu Bezirksregierung als Schulaufsicht, die Kölner Stadtverwaltung und die Universität im vergangenen Jahr einen Kooperationsvertrag ab. Damit sollen unter anderem auch das sonst übliche Zuständigkeitsgerangel in Schulangelegenheiten überwunden werden, erklärten die Projektpartner.
Am gleichen Tag bestätigte die in Essen ansässige Stiftung zudem, dass die Förderung der bundesweit 26 Standorte der Bildungsallianz Sprachförderung mit weiteren 2,6 Millionen Euro aus dem Stiftungsfonds unterstützt wird. Mit dieser Anschlussfinanzierung können auch die Kölner Verantwortlichen für weitere zwei Jahre planen, wie es dazu weiter hieß. Entsprechend den eigenen Auflagen beteiligen sich auch die Kommunen der 26 Standorte an der Finanzierung des Programms, wie die Stiftung in ihrer Presseerklärung bestätigte. Insgesamt hat die Stiftung seit 2004 bundesweit rund zehn Millionen Euro in Bildungsprojekte investiert. Durch die Co-Finanzierung der öffentlichen Hand vor Ort sollen so Bildungsstrukturen wiederbelebt werden. "In Köln haben wir eine besonders glückliche Situation, weil es hier ein Zentrum für Mehrsprachigkeit und Integration gibt", erklärte Dr. Winfried Kneip von der Stiftung Mercator. Überdies gelang den Verantwortlichen in Köln etwas, was auf herkömmlichen Wege möglicherweise Jahre, wenn nicht Jahrzehnte in Anspruch genommen hätte. "Die Zuständigkeiten im Bildungsbereich sind unklar und für die Bürger häufig nicht nachvollziehbar", erklärte Dr. Gabriele Kniffka vom Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur an der Kölner Universität. Sie betonte den interaktiven Aspekt des Projekts, der in beide Richtungen wirke. Zum einen erhalten die Schülerinnen und Schüler mit Sprachförderbedarf eine individuelle Sprachunterweisung in Kleingruppen. Zum anderen erhalten die angehenden pädagogischen Fachkräfte Praxiserfahrung. Und die praktischen Erkenntnisse aus dem Unterricht werden durch die Studierenden sofort wieder in die wissenschaftliche Arbeit des Lehrstuhls zurückgegeben, wie Kniffka erläuterte.
Dass dies auch auf Seiten der Förderschüler zu schnellen Erfolgen führt, bestätigte Heijo Felten vom Kölner Hildegard-von-Bingen-Gymnasium. Vier der Schüler einer Förderklasse waren beim Pressegespräch in der vergangenen Wochen mit dabei und bewiesen bereits mit dem ersten Satz, dass der Förderunterricht bei ihnen zu substanziellen Lernerfolgen geführt hat. Felten, der die Förderklassen seiner Schule bereits seit dem Jahr 2000 betreut, bestätigte überdies gegenüber Köln Nachrichten, dass nicht wenige der Förderschüler an seiner Schule das Abitur geschafft haben. Und das, obwohl nicht einige der Schülerinnen und Schüler erst wenige Jahre zuvor nach Deutschland gezogen sind. In der HvB-Schule sind derzeit insgesamt 17 Schülerinnen und Schüler in Förderklassen in das Projekt eingebunden. Und auch die Ferienkurse (Köln Nachrichten berichtete), die als eine Art Zweitverwertung des Projekts in den Sommerferien durchgeführt werden, bezeugen den Erfolg dieser Maßnahme. Im vergangenen Jahr besuchten einige der Teilnehmer die jeweils dreiwöchigen Förderkurse gleich zwei Mal. Das zeige, dass dieses Projekt bei aller Ernsthaftigkeit sogar den Schülerinnen und Schülern Spaß macht. Als neuer Kölner Ort der Innovation erhält der Lehrstuhl somit auch offiziell die Würdigung, die er verdient, so das abschließende Urteil des Finanzierers.


























