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23. 05. 2012
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Ärzte und Sozialarbeiter gegen Koma-Saufen bei Kindern und Jugendlichen


30.11.2010 19:34 von:

Schlagwörter: Köln,Alkohol,Halt Cologne,Drogenhilfe,AOK,Koma,Saufen,Kinderklinik,Binge-Trinken

(js) Komasaufen heißt es im Volksmund, Binge-Trinken nennen es die Experten: den schnellstmöglichen Konsum hochprozentiger Alkoholgetränke durch Kinder und Jugendliche mit dem Ziel, möglichst schnell im Rausch zu landen. Das endet dann oft genug auf der Intensivstation eines Krankenhauses, auch in Köln. 800 im Jahr, so Jugenddezernentin Agnes Klein. Am Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße will man jetzt etwas dagegen tun. Zusammen mit der Drogenhilfe startete man das Pilotprojekt "HaLT Cologne." Das wurde 2002 im badischen Lörrach "erfunden", in Köln soll es ein Jahr lang erprobt werden.

Saufen nicht nur an Karneval

Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen ist in Köln nicht auf die Karnevalszeit beschränkt. "Allein bei uns gibt es jedes Wochenende zwei bis drei Einlieferungen mit Alkoholvergiftung", berichtete Klinikchef Michael Weiß am gestrigen Dienstag bei der Vorstellung des Projekts. Medizinisches Wissen allein, räumte er ein, helfe da nicht weiter. Bei der Drogenhilfe Köln und deren Suchtberatern fand er Unterstützung. Die kommen dann zu zweit – "gender-orientiert" –, wenn die Patienten, deren Eltern oder auch beide zu einem Gespräch bereit sind. Ohne Einwilligung läuft nichts. 150 Euro kostet so ein Gespräch, bezahlt wird es von einigen Krankenkassen wie der AOK Rheinland. Eine Ausgabe, die sich lohnt, denn dadurch können spätere Krankheitskosten gespart werden, so Weiß.

"Wenn die Kinder wieder nüchtern sind, sind Scham und Schock über ihren Zustand am größten", sagt der Mediziner. Das sei der geeignete Moment, ein Gespräch über die Folgen des Alkoholmissbrauchs zu beginnen. Wichtig sei dabei auch der Kontakt mit den Eltern, die oft genug selber nicht wüssten, wie dem Problem zu begegnen sei. Es gebe aber auch welche, denen sei das Schicksal ihrer Kinder nur peinlich, manchen sogar "scheißegal".

Trinken braucht keinen Anlass

"Alkoholmissbrauch geht durch alle Gesellschaftsschichten", erklärt Thomas Hambüchen, Geschäftsführer der Drogenhilfe. "Es braucht heute keinen Anlass dazu. Man trinkt, weil es Dienstag ist, weil es Mittwoch ist, oder weil eine Flasche da ist." Oft auch in Verbindung mit Cannabis. Überraschend ist der hohe Anteil der Mädchen, die Opfer ihres Alkoholkonsums sind. Von den rund 4500 10- bis 15-Jährigen, die 2008 bundesweit mit einer Alkoholvergiftung in eine Klinik kamen, waren 2400 Mädchen. Insgesamt waren es 25.700 10- bis 25-Jährige, elf Prozent mehr als im Jahr davor. Nach einer Untersuchung der Katholischen Fachhochschule Köln, hatten bei den bis Zwölfjährigen 16 Prozent schon ihr erstes Rauscherlebnis, bei den Oberstufenschülern waren es bereits 42 Prozent.

Weitere Informationen gibt es bei den Partnern der neuen Initiative.HaLT Cologne, Drogenhilfe Köln: Tel. 0221 / 48 32 825







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