23. 05. 2012
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Betrieblicher Stress trübt Wohbefinden am Arbeitsplatz
Einer aktuellen Umfrage der Kölner Marktforschungs- und Beratungsgesellschaft Service Value GmbH zufolge geht es den deutschen Arbeitnehmern schlechter als bisher angenommen. Aus einem Gesamtbestand von über 1500 Beurteilungen von Beschäftigten aus verschiedenen Branchen ermittelten die Analysten des Kölner Unternehmens das allgemeine Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent äußerte dabei, dass die derzeitige berufliche Situation das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtige. Dabei spielt es offenbar kaum eine Rolle, ob der Arbeitnehmer Führungsverantwortung hat oder nicht. Am höchsten ist die Belastung im Wirtschaftszweig der Informations- und Telekommunikationsbranche. Der öffentliche Dienst hingegen weist einen eher geringen Belastungs-Index auf.
Die gefühlte hohe gesundheitliche Belastung der Arbeitnehmer wirkt angesichts der derzeitigen Debatten um die so genannte "Work Life Balance" in deutschen Unternehmen doch ein wenig überraschend. Zwar entwickeln immer mehr Unternehmen eigene Konzepte zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Doch die Wirkung tritt – wenn überhaupt – offenbar nur sehr zögerlich ein, wie die Kölner Marktforscher ermittelten. Die höchste berufsbedingte Belastung empfinden die Arbeitnehmer in den Wirtschaftszweigen IT, Medien und Telekommunikation sowie Beratung und Großhandel (jeweils über 60 Punkte, auf einer Index-Skala von 0 bis 100). Im Bereich des Öffentlichen Dienstes ist die berufliche Situation zwar etwas entspannter, doch auch hier trübt sie die Lebenszufriedenheit nicht unerheblich. Auch hier liegt der entsprechende Indexwert bei 47,6 Punkten.
Eine weitere Überraschung erlebten die Marktforscher bei der Frage, ob die höhere berufliche Belastung ein Phänomen des Führungspersonals sei. Das konnten die Marktforscher jedoch nach der Analyse der Arbeitnehmerbeurteilungen definitiv ausschließen. Die Marktforscher vermuten, dass die Angst vor Fehlern während ihrer Arbeit zu der gefühlten Belastung führe. Besonders in den Branchen Energiewirtschaft und Finanzdienstleistungen wurde diese Sorge besonders häufig genannt. Hier schnitten die Arbeitnehmer im Verkehrswesen und im öffentlichen Dienst noch am besten ab. "Leider herrscht in deutschen Unternehmen noch keine konstruktive Fehlerkultur. Dadurch werden viele Mitarbeiter demotiviert und psychisch belastet", kommentiert Nienke van der Veen, Beraterin bei der ServiceValue GmbH. Außerdem fühlten sich viele Mitarbeiter in ihrem Job überfordert, was zusätzlich belastend wirkt. Die Berater empfehlen, zukünftige Konzepte zum "Work-Life-Balance" ganzheitlicher und flächendeckender einzusetzen.

























