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23. 05. 2012
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Erst abwarten, dann impfen gehen


21.10.2009 16:15 von:

Schlagwörter: Köln,Impfung,Massenimpfung,dezentral,Vorgehen,Gesundheitsamt,Virus,Wirkstoff,Lan

Nur wenige Stunde, nachdem Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann in Düsseldorf die Details der großen landesweiten Schutzimpfung gegen den Erreger der Neuen Influenza Typ A der Öffentlichkeit vorstellte, legte die Stadt Köln mit den Maßnahmenplänen und weiteren Details für die Kölnerinnen und Kölner nach. Die ersten 19.000 Einheiten (eine Einheit entspricht einer Impfung) sind bereits bestellt und werden mit Beginn der kommenden Woche der ersten Personengruppe verabreicht. Das sind allerdings ausschließlich Rettungs- und Einsatzkräfte wie Polizei und Feuerwehr sowie das medizinische Personal in Krankenhäusern, großen Betrieben und Altenheimen. Bürgerinnen und Bürger sollen in einer zweiten Phase mit dem Impfstoff Pandemrix des britischen Pharmakonzerns Glaxo Smith Kline (GSK) versorgt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen hat bei dem Pharmaproduzenten insgesamt elf Millionen Impfeinheiten in Auftrag gegeben, die anschließend nach einem bestimmten Schlüssel an die Kommunen des Landes verteilt werden, wie der stellvertretende Leiter des Kölner Gesundheitsamtes Dr. Bernhard Schoenemann auf der heutigen Pressekonferenz bekannt gab.

"In der zweiten Phase sollen dann Personen mit chronischen Krankheiten wie Asthma, Bronchitis oder Herz-Kreislaufbeschwerden zur Impfung gehen", empfiehlt der Gesundheitsexperte. Vorab bei den Arztpraxen nach einer Impfung zu fragen, mache keinen Sinn. Schoenemann rechnet damit, dass in der ersten oder zweiten Novemberwoche die ersten Impfungen verabreicht werden können. Dann sollen bei Bedarf auch weitere Impfkontingente abgerufen und so kurzfristig bereit gestellt werden. "Die Impfdosen können wir einfach beim Großhändler abholen lassen", erklärte Schoenemann das Prozedere. Nachdem die Stadt in der vergangenen Woche auf eine zentrale Impfstelle im Kölner Stadtgebiet verzichtete, werden die Impfungen nun dezentral bei den Haus- oder Fachärzten verabreicht. Davon gibt es in der Domstadt insgesamt rund 1600. Etwa mehr als zehn Prozent haben sich vorab bereit erklärt, die Impfungen in ihren Praxen durchführen zu wollen. Die Stadt wird dazu kurzfristig eine Liste mit zunächst 143 Arztpraxen auf die städtischen Internetseiten einstellen. Weitere 20 Ärzte wollten nicht genannt werden, da sie sich auf die Impfung des eigenen Patientenstamms konzentrieren.

Verteilt werden die in Flaschen mit jeweils zehn Impfdosen ausgelieferten Impfstoffe von 17 Apotheken in der Domstadt. Die behandelnden Ärzte melden dabei ihren Bedarf an das Gesundheitsamt, das wiederum die Apotheken mit der Lieferung an die Ärzte beauftragt. Einen anderen Impfstoff für einen Schutz gegen den Schweinegrippe-Virus gebe es nicht, versicherte Schoenemann. Auch ist es für Bürgerinnen und Bürger nicht möglich, sich den Impfstoff ohne ärztliche Kontrolle selbst zuzuführen. In den Arztpraxen selbst wird der Wirkstoff in den Oberarm gespritzt. Aufgrund des Wirkverstärkers, über den in den vergangenen Tagen eine heftige öffentliche Debatte entbrannte, kann die Reaktion des menschlichen Immunsystems etwas heftiger ausfallen, wie der Vertreter der Kölner Gesundheitsbehörde einräumte. Das kann über lokale Schmerzen an der Einstichstelle bis hin zu maximal zweitägigen Grippesymptomen gehen. Eine richtige Erkrankung an der neuen Grippe sei zwar sehr unwahrscheinlich, aber ebenfalls nicht ganz auszuschließen. Auch das so genannte "Guillan-Barré-Syndrom", eine Nervenlähmung aufgrund einer solchen Impfung wollen die Verantwortlichen nicht ausschließen. Um möglichst genau zu dokumentieren, welche Nebenwirkungen auftreten, raten die Mediziner allerdings, innerhalb eines Zeitraums von drei bis vier Wochen keine anderen Grippeschutzimpfungen (z.B. gegen die Wintergrippe) auszuführen. Auch akut Erkrankte sollten nicht mit dem Wirkstoff behandelt werden, riet Schoenemann.

In Deutschland wurde es nach der ersten Grippewelle im Sommer dieses Jahres zuletzt wieder etwas ruhiger. Bundesweit liegt die Zahl der bisherigen Krankheitsfälle bei 23.000, der überwiegende Teil der Erkrankungen verlief glimpflich. In Köln sind den Behörden derzeit 435 Fälle der neuen Influenza bekannt, derzeit stellen die Verantwortlichen auch hier eine leichte Zunahme der Erkrankungen fest. Momentan sind zehn bis zwölf Menschen in der Domstadt an der so genannten Schweinegrippe erkrankt.


Kommentar: Die forschen Pharmaunternehmen

Nun geht es also los. Richtig überzeugend klang der Aufruf der Verantwortlichen nicht, als sie heute die Impfung von Risikogruppen und der breiten Bürgerschaft empfahlen. Zwar haben die Befürworter einer Schutzimpfung gewichtige Gründe, die sie ins Feld werfen. Der Vorsorgeaspekt und die Vorbeugung sind sicher bei vielen Krankheiten durchaus sinnvoll. Aber die Argumente der Skeptiker wiegen in etwa genau so schwer. Nicht umsonst haben zahlreiche Mediziner, Virologen und Gesundheitsexperten bereits im Vorfeld der Massenimpfungen massive Bedenken gegen diese Aktion geäußert. Und so wirkt die bevorstehende Schutzimpfung wie ein riesiger Feldversuch mit anschließender Bestandsaufnahme. Für dieses normalerweise von den Pharmaunternehmen zu zahlende Forschungsvorhaben zahlt nun der Steuerzahler. Herzlichen Dank auch.

Schon länger ist Experten nicht verborgen geblieben, dass Medikamente in Deutschland in der Regel im Vergleich zu manchem Nachbarland um bis zu 30 Prozent teurer sind. Selbst Befürworter räumen ein, dass abgesehen von den etwas stärkeren Nebenwirkungen die schnelle Veränderung des Erbgutes in den Viren, sprich seine Anpassungsfähigkeit, möglicherweise zu einer Art Gelddruckmaschine für die "forschen" Pharmaunternehmen werden kann. Die Bundesländer, zuständig in Fragen der Gesundheitsversorgung, werden jedenfalls einen einstelligen Milliardenbetrag aufbringen müssen. Und wir können sicher sein, dass die elf Millionen Impfeinheiten in Nordrhein-Westfalen keineswegs in den Tiefkühltruhen der Großhändler überwintern.

Dass pro Jahr an Grippeviren bis zu 30.000 Menschen in Deutschland sterben, war auch bisher kein Grund zur Panik. Dass nun die wenigen Opfer der Schweinegrippe dazu genutzt wurden, um eine Riesen-Sau durch die Gemeinde zu treiben und dem Steuerzahler in einer hektischen Verhandlungsrunde Milliardenbeträge, ist längst auch bei investigativ arbeitenden Redaktion wie der der ARD-Sendung "Plusminus" angekommen. Den Nutzen haben die internationalen Pharmakonzerne, freuen sie sich doch über zusätzliche Umsätze, die sie möglicherweise vorher nicht absehen konnten. Man darf gespannt sein, wann auch in der Fernsehwerbung der erste Fall von Schweinegrippen bei den "forschen Pharmaunternehmen" auftauchen wird.







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