23. 05. 2012
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Experte im Gespräch: Sonnige Zeiten für unsere Haut
Gerade im Sommer stellt man sich die Frage: Wie viel Sonne ist gesund für meine Haut, wie kann man sich schützen und die Sommerzeit bzw. den Urlaub unbeschwert genießen? Der Kölner Dermatologe Dr. David Bacman gibt den Nutzerinnen und Nutzern von Köln Nachrichten wertvolle Tipps und Hinweise.
KN: Sommer, Urlaub, Sonne… Was halten Sie als Hautarzt von einem Strandurlaub?
David Bacman: Ein "Strandurlaub" kann sehr schön sein, wenn man sich und seine Kinder vor der potentiell äußerst gefährlichen Sonnenstrahlung ausreichend schützt. Denn unsere Haut "verzeiht" uns langfristig keinen einzigen auch noch so kleinen Sonnenbrand. Vorzeitige Hautalterung und Pigmentflecken sind die kosmetisch störenden Folgen. Im schlimmsten Fall – und das tritt in den letzten Jahren immer häufiger auf – führt ein sorgloser Umgang mit der Sonne zu Hautkrebs. Und das ist aus meiner Sicht ein doch viel zu hoher Preis für die "schöne Urlaubsbräune".
KN: Kann man sich denn nicht ausreichend mit einer Sonnencreme schützen?
David Bacman: Das ist sicherlich eine sinnvolle und dringend zu empfehlende Möglichkeit. Aber noch viel zu häufig wird vergessen, dass der Schutz einer Sonnencreme zeitlich begrenzt und abhängig vom Lichtschutzfaktor ist. Zudem wird in den allermeisten Fällen – und das zeigen auch Studien – eine zu geringe Menge Sonnencreme aufgetragen. Besonders im Süden und am Wasser sollte man äußerst vorsichtig sein. Die Sonneneinstrahlung wird mit der Nähe zum Äquator immer heftiger und das Wasser reflektiert und verstärkt sie noch zusätzlich. Beim Wassersport gilt daher: möglichst wenig nackte Haut! Nach dem Baden sollte man sich direkt wieder eincremen und am Besten im Schatten bleiben. Wer sich direkt in die Sonne legt, riskiert im wahrsten Sinne des Wortes seine Haut! Ein Sonnenbad sollte zwischen 11 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags vermieden werden.
KN: Man hört immer öfter von Sonnenallergien und auch von den Allergien gegen Sonnenschutzcremes. Wie wählt man den richtigen Sonnenschutz?
David Bacman: Allergische Reaktionen auf Inhaltsstoffe von Sonnenschutzcremes können sicherlich auftreten, jedoch achten die Hersteller mittlerweile darauf und verzichten immer häufiger auf allergieauslösende Substanzen. Dies gilt insbesondere für Produkte die in Apotheken erhältlich sind. Die so genannte "Mallorca-Akne" ist z.B. eine Reaktion auf Sonnenlicht in Kombination mit der Verwendung von sehr fetthaltigen Sonnenschutzpräparaten. Ein weiteres Problem stellen juckende Ausschläge nach Sonnenexposition dar, die unabhängig von der Verwendung von Sonnenschutzcremes auftreten: z.B. die so genannte Polymorphe Lichtdermatose.
Es gibt also eine Vielzahl von Hautreaktionen, die nach einem Sonnenbad auftreten können. Treten solche Reaktionen zum ersten Mal im Urlaub auf, sollte man die im Verdacht stehende Creme nicht mehr anwenden und sich möglichst am Urlaubsort bei einem Arzt Hilfe suchen. Am Heimatort sollte man sich dann einem Hautarzt vorstellen, damit die Ursache herausgefunden werden kann. Eine Beratung beim Hautarzt ist für Personen, die bereits eine der oben genannten Reaktionen gezeigt haben, ist in jedem Fall ratsam. Pauschalratschläge sind in diesen Fällen nicht hilfreich.
KN: Stichwort "Ernährung": Man hört immer wieder Ratschläge in den Medien, mehr carotinhaltiges Obst und Gemüse zu essen, weil die Haut dadurch einen "Goldschimmer" bekommt. Angeblich bietet das sogar einen Sonnenschutz. Was halten Sie als Hautarzt davon?
David Bacman: Das sollte man vielleicht etwas ausführlicher erklären, denn so einfach ist es auch nicht. Zum einen gibt es das körpereigene Melanin, das infolge von Sonneneinstrahlung produziert wird und die Haut bräunlich verfärbt. Dieses Melanin bietet den Hautzellen einen Eigenschutz vor Schädigung der Erbsubstanz. Carotinoide sind gelbe, rote und orange pflanzliche Farbstoffe. Das bekannteste Carotinoid ist das ß-Carotin. Dieses reichert sich nach übermäßigem Verzehr in der Haut an und verfärbt diese. Für die Orangefärbung gibt es einen medizinischen Fachbegriff: "Carotinodermie". Ob das wirklich schön ist, ist natürlich Geschmacksache. Aber in diesem Sinne kann man sich tatsächlich "schön essen", wenn man verstärkt carotinoidhaltiges Obst und Gemüse verzerrt. Carotin ist ein wichtiger "Radikalfänger" (Antioxidans) und schützt somit Zellen vor Schädigung durch u.a. Umwelteinflüsse, somit auch vor der Sonne. Es ist auch an der Bräunung und Pigmentbildung der Haut beteiligt. Doch gerade in diesem Punkt sehe ich eine große Gefahr für Missverständnisse: Wer sich auf den Karottenverzehr oder die Einnahme von Carotin-Tabletten als "Sonnenschutz" verlässt, kann eine böse Überraschung erleben. Denn Sonne ist eine ernst zu nehmende Gefahrenquelle für unsere Haut und hässliche Pigmentflecken ist das Harmloseste dabei.
KN: Gibt es denn mittlerweile nicht viele Pflegemittel und kosmetische bzw. medizinische Behandlungen gegen Pigmentflecken?
David Bacman: Hier gilt – wie so oft – "Vorsorge ist besser als die beste Medizin"! Es gibt sicherlich gute Produkte, die die Pigmentierung stark reduzieren. Noch bessere Resultate erreicht man mit Chemical Peelings (z.B. mit Fruchtsäure). Besonders effektvoll ist natürlich eine Laserbehandlung beim Dermatologen. Doch egal für welche Art der Entfernung von Pigmentflecken man sich entscheidet: Es ist besser, sich vorbeugend vor der Sonne zu schützen und die Flecken erst gar nicht entstehen zu lassen. Und es sollte auch klar sein, dass man sich nach einer Laserbehandlung bzw. nach einem kosmetisch-medizinischen Peeling noch besser von der Sonne schützen muss. Sonst sind die unliebsamen Flecken schnell wieder da.
KN: Die schlimmsten Sonnenschäden können sogar zum Hautkrebs führen. Wie erkennt man gefährliche Veränderungen der Haut?
David Bacman: Für einen medizinischen Laien ist es prinzipiell sehr schwer eine "gefährliche" Hautveränderung von einer harmlosen Hautveränderung zu unterscheiden. Von allgemeinen "Tipps" zur Selbstdiagnose ist aus meiner Sicht abzuraten. Grundsätzlich gilt der Rat bei allen auffälligen Veränderungen der Haut und insbesondere bei Veränderungen von Muttermalen unverzüglich einen Hautarzt aufzusuchen. In jedem Fall sollte eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge durch den Dermatologen mit einem so genannten Dermatoskop erfolgen. Dabei handelt es sich um ein Handmikroskop mit dessen Hilfe man Muttermale viel genauer beurteilen kann, v.a. lässt sich damit Hautkrebs viel früher erkennen. Die Kosten für eine solche Untersuchung werden von den gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre übernommen. Die Kosten für die Untersuchung mit dem Dermatoskop muss in den allermeisten Fällen von den Patienten selber getragen werden. Es gilt: je früher Hautkrebs entdeckt und diagnostiziert wird, umso besser sind die Chancen für eine Heilung.
Und noch etwas: Hautkrebs trifft nicht ausschließlich die exzessiven "Sonnenanbeter". Sonnenbrände sind sicherlich ein großer Risikofaktor, aber nicht der einzige. Regelmäßige Hautkrebsvorsorge ist daher für alle Menschen wichtig und sollte ernst genommen werden.

























